A NIGHT OF TOTAL TERROR

Am 29.02.2020 fuhr ich nach Schwerte. Auf dem Plan stand ein wundervoller Horrorpunk Abend mit drei großartigen Bands aus der Szene: den Mutant Reavers, The Rampires und The Crimson Ghosts.

Ich wurde von Veranstalterin Nancy gefragt, ob ich den Abend dokumentieren könne. Klar mache ich das. Wenn es um Horrorpunk oder Psychobilly geht, sieht man meist nur noch eine Staubwolke dort wo ich vorher stand. Als Nancy mir erzählte, dass das Konzert im Rattenloch Schwerte stattfindet und die Bühne in einem alten Schwimmbad in einem Pool stünde, war ich total begeistert und beschloss kurzfristig mit den Veranstaltern ein Interview zur Location zu machen. Daher hier nur wenige Worte zur Location, ich will ja nichts aus dem Bericht vorwegnehmen.

Zuerst musste ich natürlich ins Hotel fahren. Das Naturfreundehaus Ebberg war der erste Tipp den ich bekam und annahm. Auf der Autobahn wurde mein kleines weißes Magazinauto von den Naturgewalten recht hart hin und her geschoben. Aber welches Wetter hätte besser zu einem Horrorpunkabend gepasst als ein Sturm?

In Schwerte angekommen führte mich mein Navi den Ebberg hinauf. Bei diesem starken Regen wurde mir auf der matschigen Straße doch etwas mulmig. Aber der kleine weiße Blitz hat mich sicher hochgefahren, vorbei an Wäldern, einer Brücke die nur für Autos und Panzer freigegeben war, durch riesige Matschpfützen und über Äste auf dem Weg. Ich war spät dran kam, aber noch rechtzeitig vor Rezeptionsschluss an. Ich bezog mein Zimmer und machte mich ein wenig frisch. Auf dem Weg zum Rattenloch und nahm noch Mimi und Kevin mit. Horrorpunks müssen doch zusammenhalten.

Das Rattenloch lag ziemlich zentral in der Innenstadt. Die letzten Meter mussten wir zu Fuß gehen, da sich der Eingang in der Fußgängerzone befindet. Mit großer Freude stellte ich fest, dass viele meiner lieben Freunde und Bekannten an diesem Abend da waren. Wie bereits angekündigt befand sich die Bühne in einem alten Lernschwimmbecken. Ich fand das sehr eindrucksvoll. Insgesamt hat mich die Location und das gesamte Konzept nachhaltig überzeugt aber wie gesagt, dazu später mehr.

Als erstes betraten die Mutant Reavers aus dem Weltraum, ganz hoch im Norden, aus Kiel, die Bühne. Mit spannend kreierten Kostümen und Masken spielten sie ihre mehr rockige Version von Horrorpunk und forderten unter anderem „Lobotomies for everyone“. Natürlich durfte ein Song über Evil Dead nicht fehlen. Hierzu schwang Sänger Oli Wonka eine Minikettensäge auf der Bühne. Diese probierte er an ein paar Gästen aus aber bereits nach 2 angesägten Zuschauern stand das Sägeblatt im 90° Winkel ab. Abschätzig warf Oli das Gerät zur Seite und griff nach den altbewährten Knochen als Bühnenrequisit.

Zum Ende brach Sänger Oli Wonka „gespielt“ zusammen und sang die letzten Worte auf der Bühne liegend. Gitarrist Doom Van Dan ließ sich dann auch noch auf den am Boden liegenden Sänger plumpsen und auch Bassist Necrola (Klingt nach Ricola für Zombies. Der Klang im Switzerdutsch ist zumindest recht erheiternd) warf sich auf dem Mutantenhaufen aus dem Weltall. Sänger Oli Wonka rief nur noch „Kauft T-Shirts!“ und damit war das Konzert dann zu Ende. Ich bekam noch ein Gruppenbild und einige Fans noch einen herzlichen Handshake.

Nach dem Konzert bahnte ich mir meinen Weg zum Merchstand. Mein Auto braucht dringend noch mehr Bandaufkleber. Dort sprach mich ein anderer Konzertfotograf an. Ich hatte sein Equipment schon beim Konzert bewundert. Fotograf Markus arbeitet mit im Rattenloch und fotografiert dort. Im Gegensatz zu mir hat er allerdings Fotografie studiert und schaute prüfend auf meine Bilder. Mit einigen wenigen Einstellungen schaffte er es meine Bilder viel besser zu machen und hatte sehr viele wertvolle Tipps für mich. Schaut doch mal seine Bilder an. Es sind tolle Aufnahmen dabei.

 

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So gerüstet freute ich mich besonders auf die Rampires. Ich wollte neben dem Genuss ihrer tollen Musik auch sofort meine neugewonnen Erkenntnisse anwenden. Zuerst war ich etwas irritiert, denn ich erkannte Sänger Mark nicht wieder ohne seine langen Rastazöpfe. Die kurzen Haare stehen ihm zwar ausgezeichnet allerdings hat er so ein wenig von seinem Punkimage eingebüßt. Eventuell sollte er vielleicht etwas an seiner Garderobe arbeiten. Neben Marco am Slapbass mit grünen Spinnenweben und Ollie an der Gitarre, mit Kaputze und ausgestrecktem Mittelfinger spielend, wirkt Mark nun etwas schlicht, man könnte sagen harmlos. Der Vergleich mit Justin Timberlake kam mir in den Kopf….Stimmlich kann er zudem mit ihm mithalten. Mark hat eine großartige Stimme. Beim Rocken auf der Bühne und beim Tanzen sieht man jedoch wieder den Punk in ihm. Punk ist halt im Herzen und nicht auf dem Kopf.

Spätestens an seinem Tanzstil hätte ich Mark dann erkannt, denn er hat eine Bühnenbewegung die ihn einzigartig macht. Ich nenne sie die „Wasserpumpe“. Dabei geht er sehr tief runter mit weit auseinander gestreckten Beinen und wiegt den Mikrophoneständer auf und ab. Dies ist auch gar nicht abwertend gemeint, es ist seine Art sich zur Musik auf kleinem Raum zu bewegen und die Rhythmen, klappernden Bassschläge und reißenden Gitarrenriffs ausdrucksstark umzusetzen.

Beim Song „Feed the Machine“ nahm sich das Publikum unten im Becken komplett auseinander. Das ein oder andere Bier flog oder ergoss sich übers Publikum. Leider wurde auch Marcos Bass von einem Gerstenguss getroffen. Dieser war jedoch ganz Profi, nahm sich ein Tuch und wischte kurz über die Seiten und zack wurde der Bass wieder geschlagen. Den Kollegen vom Bierschinken muss ich allerdings beipflichten, wenn es um ihre Kritik geht, dass der Bass leider nicht so gut zu hören war. Das ist aber auch die einzige Kritik am Sound für diesen Abend.

Als letztes kamen The Crimson Ghosts auf die Bühne. Ich war sehr aufgeregt, denn ich hätte sie bereits schon einmal sehen können, jedoch verpasste ich sie damals auf dem Wreck ´n Roll II weil ich parallel ein Interview hatte. Ich war also komplett jungfräulich und wirklich gespannt. Ich hatte schon viel gehört über die starke Bühnenpräsenz dieser Band. Und was soll ich sagen, die Leute haben maßlos untertrieben. Diese Band hat alles! Harte Riffs, gruselige Texte, wummernde Bässe, großartige Stimmen die zusammen wundervoll harmonieren, Ausdruck, Emotionen, Humor und Ausdauer.

Ja, ich bin begeistert. Ich muss gestehen, dass ich mich zwar vorher nochmal durch ein paar Songs gehört habe und auch einige für sehr gut befand, aber richtig überzeugt haben sie mich erst live. Ich habe mir danach sofort alle Alben zugelegt. Wenn ihr die Chance haben solltet The Crimson Ghosts live zu sehen, nutzt sie. Diese Band macht Party.

Als Intro nahmen sie den Schunkelsong mit den gruseligen Texten: Haarmann. Ein gelungenes Intro.

Das Publikum schunkelte Arm in Arm zu den kannibalistischen Rezepten des Liedes. Danach zeigten Gitarrist Jackal, mit sehr coolen schwarzen Kontaktlinsen, Bassist Monstro und Schlagzeuger Old Nick war sie konnten. Man merkte sehr schnell, dass sie ihre Wurzeln im Metal haben. Die Riffs sind eine Ecke härter als bei den anderen Vertretern ihrer Genres. Ich finde es großartig.

Der Song „Body Bag“ hat solch starke Rhythmus und Basselemente, dass es kaum möglich ist die Füße still zu halten. Die gesamtgesungenen Refrains und die Wohoooohooo Anteile in den Songs zeigen jedoch definitiv ihre Zugehörigkeit zum Punk. Eine gelungene Symbiose von Horror Punk und Metal. Da sich Munk und Petal echt kacke anhören, beschreiben wir es lieber als Horrorpunk mit Thrashmetal Einflüssen. Andere Meinungen sind natürlich möglich.

Songs wie „Amagetron“ und „Dein Nachtmahr“ wurden vom Publikum sehr gefeiert. Fast 1,5 Stunden spielten die Ghosts. Sänger Vlad klebte sein Hemd vollständig nass am Körper. „Wenn ich weiter so schwitze, ist der Pool gleich wieder voll!“, witzelte Vlad. Es war wirklich furchtbar heiß. Das Publikum schrumpfte gegen Ende etwas. Dies war weniger dem Konzert als mehr dem Alkoholeinfluss geschuldet. Als zweite Zugabe haben die Ghosts noch zwei Songs von Blitzkid gespielt.

Nach dem Konzert traf man die Band noch auf ein Gläschen an der Bar. Das liebe ich so an diesen Konzerten. Keine falschen Starallüren, gegenseitiges Helfen, keine bizarren sozialen Rituale, überschaubare Preise und dankbare Gäste. Ein perfekter Abend.

Bericht/ Bilder und Videos von Brina