Asp

Für unser zweites Künstlerprofil, haben wir die große Ehre, Euch den Meister der tiefsinningen Texte vorzustellen. Asp Spreng ist Songwriter, Autor und Sänger der gleichnamigen Band ASP. Wer einmal in den Bann seiner Gänsehautstimme gezogen wurde, kann sie kaum noch aus dem Kopf bekommen. Seit nun fast dreißig Jahren macht Asp Musik. Wir haben den Meister gefragt, wie es anfing und was ihn antreibt.

Steckbrief

Name: Asp Spreng
 
Nick: Der Meister

 


Alter: 46
 

 

Geboren in: Künzelsau am Kocher
Bands und Projekte: ASP, Herumor, Gedichte, Bilderbücher-Szenarien, Comicskripte und anderes
Sucht: Hunde, gute Geschichten und Harmonie.

Interview

Navigator: Man hört immer wieder, dass du erst „spät“ mit der Musik angefangen hast. Daher würde uns interessieren was war denn vor der Musik?

Asp: Ich habe sehr früh mit der Musik angefangen, aber so richtig durchgestartet bin ich damit erst viel zu spät. Ich mache mittlerweile fast drei Jahrzehnte Musik, aber erst mit ASP ging es richtig los. Vielleicht war ich nicht kompromisslos genug, vielleicht habe ich mich zu lange treiben lassen. Ich war auch immer hin und her gerissen zwischen dem Schreiben und dem Singen und nicht immer ließ sich das in Einklang bringen. Vorher war: Das Ausprobieren und eine ganze Menge Leben.

Navigator: Auf einem Konzert auf dem Méra Luna (2017 in strömendem Regen) hast du erzählt, dass du dich in die Schwarze Szene verliebt hast und dir die hedonistischen Auswüchse, in der Szene über die letzten Jahre hinweg, nicht gefallen. Dazu möchte ich gerne wissen: Wann und warum genau hast du dich damals in die schwarze Szene verliebt?

 

Asp: Das muss so um 1987 gewesen sein. Da habe ich zum ersten Mal „The Sisters Of Mercy“ gehört. Die sind zwar nach eigener Aussage keine Goth-Band, also genau wie ASP, haha, aber ihre Musik hat mich für das Genre geöffnet und einige Jahre später interessierte ich mich immer mehr für die Szene und glitt so langsam hinüber. Das hing auch sehr damit zusammen, dass ich in der Metal Szene nicht so richtig Menschen traf, die meine sonstigen Interessen teilten. Ich war immer -und bin es noch- begeisterter Metal-Hörer, aber das Düstere hat mich immer gelockt. Zu dieser Zeit war die Goth-Szene vielleicht schon nicht mehr ganz so intellektuell und feingeistig wie zu ihren Anfangstagen, aber immer noch meilenweit von der damaligen Oberflächlichkeit entfernt, die mich im allgemeinen so angeödet hat. Dort ließ es sich gut Feingeist sein und sich tiefgründig fühlen.

 

Navigator: Wie äußern sich, in deinem Empfinden, Vergnügungssucht und Spaßgesellschaft in der Schwarzen Szene?

 

Asp: Naja. Die Frage ist für mich eher: Wie tief muss man graben, um noch etwas anderes zu finden? Ich gebe zu: Ich finde es mittlerweile etwas paradox, von vielen Menschen zu diesem Thema befragt zu werden. Ich als Privatperson fühlte mich innerlich immer „very goth“, meine Band jedoch wurde in der Gothic-Szene nie wirklich akzeptiert, was ich wiederum gelernt habe zu akzeptieren und schließlich auch zu respektieren. Eigentlich habe ich also gar keine Meinung zu haben, oder?Ich meine das gar nicht böse oder unhöflich, denn ich fühle mich auch nicht mehr wie ein „ungewolltes Kind“. Ich beschloss, dass unsere selbst gewählte Nische mir ausreicht.

Navigator: Wie kamst du damals dazu Musik zu machen bzw. machen zu wollen?


Asp: Durch reine, pure Begeisterung. Ich liebe Musik. Musik war immer meine Lieblings-Ausdrucksform und ich habe Musik gehört so oft und so ausgiebig ich konnte. Das ist heute noch so, wenn ich die Zeit finde.

Navigator: Spielst du eigentlich auch Instrumente oder hast du vor noch welche zu lernen?

 

Asp: Ich spiele keine Instrumente, ich singe nur und zum Komponieren behelfe ich mir mit einem Programm. Dieses komponiert natürlich nix für einen, aber man kann seine Gedanken zu verständlichen Vorproduktionen und Demos „ausformulieren“.Ich würde total gerne noch ein Instrument lernen. Aber es bleibt so wenig Zeit.
 

Navigator: Hast du jemals den Schritt ins Musikgewerbe bereut und wenn ja, weswegen?

 

Asp: Ja, jeden einzelnen Tag. Aber ich bin so vergesslich, dass ich es am nächsten wieder nicht mehr weiß. Es ist schon merkwürdig, dass Musik nach wie vor die schönste Sache der Welt für mich ist, aber die Branche mich echt nervt. Das liegt vermutlich daran, dass ich mir keinen Manager leisten kann, der mir den täglichen Unfug vom

Leibe zu halten vermag.

Navigator: In einem Interview hast du erzählt, dass du in dem betreffenden Jahr, gerade mal 10 freie Tage hattest. Wie verbringst du diese seltenen freien Tage um dich zu erholen?

 

Asp: Im Bett oder auf der Couch. Ich versuche mittlerweile, wenigstens zwei Mal am Tag für eine Stunde rauszugehen und frische Luft zu genießen. Das ist mein Urlaub und meine Freizeit.

 

 

Navigator: Du sagtest einmal, dass die meisten Menschen sich etwas anderes unter dem Musikgeschäft vorstellen als es in Wahrheit sei. Als Beispiele dafür führtest du an, dass du kein Millionär seist, wie einige Menschen wohl denken und auch selbst noch zur Miete wohnst. Musikbusiness ist also harte Arbeit und in manchen Fällen zahlt es nicht mal die Rechnungen. Was treibt dich an dieses Musikleben weiter zu führen? Ist es deine Kreativität oder was genau ist es was dich antreibt immer wieder neue Projekte zu beginnen?

 

Asp: Klar. Ich bin ein Getriebener. Ich bin jemand, der sich kreativ austoben muss und der Gesang bedeutet mir so viel, dass ich nicht zur schreibenden Zunft übergelaufen bin. Ich habe meinen Fans kürzlich versprochen, nicht mehr in der Öffentlichkeit über Geldsorgen zu reden, deshalb lasse ich das und sage ganz schüchtern: Nächste Frage!

 

Navigator: Was hat dich dazu bewegt deine Alben bzw. deine Arbeit in Zyklen einzuteilen?

 

Asp: Nun, schwer zu erklären: Das ergab sich einfach aus meiner erzählerischen Vision heraus. Ich merkte schnell, dass sich das nicht in normalen Konzeptalben würde abfrühstücken lassen. Daher lag das sehr nahe. Und da wir eine sehr stark von Büchern inspirierte Band sind, hatte ich auch keine Berührungsängste. Reihen und Zyklen sind ja eine ganz normale Sache in der Literatur.

Navigator: Deine Texte waren immer schon tiefsinniger und politischer als die der meisten anderen Bands. Besonders begeistert und tiefbewegt hat mich damals die Geisterfahrertour. Warum habt ihr euch entschlossen eure politischeren Songs als Auswahl eine ganze Tour zu widmen?

 

Asp: Zunächst einmal vielen Dank! Das sehe ich als Kompliment an. Warum haben wir das gemacht? Nun, ich hatte das Gefühl, es ist einfach sehr nötig gewesen. Viele haben uns kritisiert und wir wurden auch mit etwas schlechteren Besucherzahlen dafür bestraft, aber ich bereue es nicht.

 

 

Navigator: Die Leute haben gespalten darauf reagiert. Warum mögen viele Menschen keine politischen Songs?

 

Asp: Ich bin nicht sicher, ob das so stimmt. Es gibt ja durchaus Genres, da gehört das politische ja zum guten Ton, wie zum Beispiel bei der Liedermacherei oder bei gutem Punk. Aber natürlich haben wir dennoch zwei Hauptgründe, warum der Anschein da ist: Ist eventuell die Szene sehr viel oberflächlicher geworden und mehr auf Party und Konsum aus? Und hat Musik allgemein nicht mehr diesen großen und damit weit gefächerten Stellenwert wie noch vor etwa 15 Jahren? Musik macht einen viel kleineren Anteil an der täglichen Entertainment-Portion aus, die ein Mensch sich so gibt. Das ist ein Fakt und ganz wertneutral zu sehen.

 

 

Navigator: Es gibt natürlich auch andere Bands die politische Texte machen. Immer wieder hört man von diesen den Satz: Als jüngstes Beispiel sind die zwei letzten Alben von Saltatio Mortis zu nennen. Wie stehst du zu dieser These: „Musik ist keine Lösung“?

Asp: Oh weh, wieviel Zeit und Platz hast du?

Nun gut. Zunächst einmal: Ich bin völlig anderer Meinung! Musik ist eine Lösung. Musik ist Kunst und die Künste sind machtvolle Werkzeuge im guten wie im schlechten.
Über „böse“ Musik wollen wir mal nicht reden, denn es gibt auch auf der politisch dunklen Seite genug Verführer.
Ich denke auch, wenn ich den Kollegen von Saltatio Mortis da etwas in den Mund legen darf, dann meinten sie damit bestimmt: Musik bietet keine unmittelbare politische Lösung.
Aber ansonsten halte ich Songs für einen perfekten Schlüssel, wenn es um grundsätzliche Probleme geht. Wenn man es schafft, eine Symbiose aus Emotion und Denkanstoß zu schaffen, dann ist das doch ein unfassbar gutes Mittel zur Empathie-Entwicklung. Und womit hängen viele gewichtige Themen zusammen, die uns heute beschäftigen? Mit einem Mangel daran.
Songs können vielleicht nicht die Welt retten, aber sie können den Menschen helfen, einen Wunsch zu entwickeln, die Welt zu retten.
Wie bei allem ist es aber: Nicht nur muss der Song gut sein, er muss eben auch sein Ansinnen nicht zu plakativ in sich tragen, sonst wird er zum Parolen-Song. Und davon brauchen wir nicht zwingend noch mehr.

Navigator: Eine Frage, die von einem deiner Hörer, an mich herangetragen wurde ist: Deine Musik hat unglaublich viele Referenzen zur Literatur. Hast du früher etwas in die Richtung gemacht?

 

Asp: Nein. Nichts, das diesen Namen verdienen würde.

Navigator:  Was bevorzugst du für literarische Genres?

 

Asp: Ehrlich gesagt: Ich bevorzuge keine Genres mehr, sondern lese lieber alles, was ich gut finde und das Genre ist mir mittlerweile nicht mehr so wichtig. Ich hatte eine längere Zeit, da konnte ich leider gar nicht mehr wirklich irgendetwas lesen, weil mir die Zeit fehlte. Das hat mich richtig krank gemacht. Und nun wechsle ich lieber das Genre regelmäßig. Das Leseleben ist zu kurz, man muss es nutzen. Momentan lese ich parallel ein Jugendbuch aus meiner Kindheit, wenn ich Bedarf an etwas heimeliger Nostalgie habe, dann den neuen Steven King Roman „Der Outsider“, aber nicht weil es das Horror-Genre ist, sondern weil King wirklich sehr gut schreibt und dann habe ich in meinem Reisegepäck immer irgend einen Klassiker, ob das nun Bradbury, Poe oder eine Sammlung klassischer Erzählungen oder Gedichte ist… und ein Comic darf es auch mal

zwischendurch sein. Hauptsache gut geschrieben, gut lektoriert und nicht langweilig.

Navigator: Die literarische Figur die du erschaffen hast, sozusagen das lyrische Ich in euren Songs, ist natürlich eine fiktive Figur aber uns interessiert wieviel du, Asp mit dieser Figur gemein hast?

 

Asp: Vieles, aber das literarische Wesen darf natürlich seine Flügel ausbreiten und sich viel freier und ungebundener bewegen. Deswegen lieben wir es ja. Zumindest die, die sich durch seine Tiefe und sein vertracktes, rätselhaftes Dasein nicht abschrecken lassen.

 

 

Navigator: Was dürfen wir in nächster Zeit von ASP erwarten und was dürfen wir von dir Asp erwarten?

 

Asp: Nach der „Zaubererbruder live und extended" Tour geht es direkt weiter mit den Arbeiten am neuen Album und an einem neuen Buch. Eigentlich ist das Buch schon fertig und von Holger Much mit traumhaft schönen Bildern ausgestattet, es soll jedoch auch einen Herumor-Song dazu geben, der will noch eingesungen sein vorher. Ich gebe zu: Im nächsten Jahr wird ASP 20 Jahre alt und die Band hat so viele schöne Aktionen vor, dass ich manchmal selbst den Überblick verliere. Es wird einige schöne Jubiläumskonzerte geben mit einem sehr schönen Best of Programm.

 

Navigator: Die letzte Frage stelle ich jedem Menschen den ich interviewe. Wenn du dich heute entscheiden könntest, was in einer, hoffentlich noch fernen Zukunft, einmal auf deinem Grabstein stehen soll, was würdest du schreiben wollen?

 

Asp: Ich liebe diese Frage! Ich habe viele schöne Antworten gesammelt. Heute gibt es diese:

 

„Ich hätte gern noch was gereimt,

doch wurd' mir das verdorben,

da in mir die Erkenntnis keimt,

ich bin vorhin verstorben.“

 

Navigator: Wir danken dir ganz herzlich für das Interview und deine Zeit!

Interview von Brina

Alle Bildrechte liegen beim Künstler Asp

ASP - Schwarzes Blut

Quelle: Youtube