Bloodsucking Zombies From Outer Space

Das Interview mit Dead "Richy" Gein

Die Bloodsucking Zombies From Outer Space sind eine großartige Horrorpunk bzw. Horrorbilly Band aus Wien. Seit 2002 bringen sie das Gruseln in die heimischen Stuben, teils auf Englisch und teils ganz in österreichischer Sprache. 10 Jahre lang haben sie zu Weihnachten ein Unholy Xmess Jamboree veranstaltet und viele Coversongs in spannenden Kostümen präsentiert. Wenn die vier Jungs eines haben, dann ist es Humor. Seit über 15 Jahren gibt es sie nun schon und doch überraschen sie immer wieder. Deswegen sind sie aus den Horropunk und Psychobilly Musikregalen auch nicht mehr weg zu denken. Wir hatten die Ehre mit Dead „Richy“ Gein, dem Frontsänger und Drummer der Band ein kleines Interview zu führen.

Navigator: Angeblich mögen sich Horrorpunks und Psychobillys ja nicht obwohl sich viele Schnittmengen der Musikrichtungen feststellen lassen. Ich habe nun verschiedene Erfahrungen mit beiden Musikrichtungen gemacht und kann diese Aussage weder ganz bestätigen noch bestreiten. Ihr seid mit eurer Musik „Horrorbilly“ genau in der Mitte. Wie sind eure Erfahrungen in Bezug auf diese Aussage?

 

RICHY: Naja wir haben uns ja bewußt zwischen alle Stühle gesetzt. Liegt ja auch wohl daran, dass wir als wir mit der Band begonnen haben schon einige Jahre in diversen Bands auf dem Buckel hatten, dass es uns nicht mehr allzu wichtig war irgendwelchen Genre-Anforderungen zu entsprechen. Wir wollten von Anbeginn an einfach ohne jegliche Scheuklappen „unsere“ Musik spielen. Einzig zusammenhaltendes Glied sollte die Liebe zum Horrorfilm sein. Wir hören alle so viel unterschiedliche Musik, das fließt natürlich auch ein und für uns war es nie wichtig Liebkind von irgendeiner Subkultur zu sein. Dafür sind wir viel zu eigenständig und egozentrisch.

 

 

Navigator: Richy, du bist einer der wenigen Drummer der im Stehen spielt und singt. Dies ist natürlich praktischer für einen Frontsänger. Schränkt es das Schlagzeugspiel nicht auch ein?

 

RICHY: Ja das schon. Sowohl das Schlagzeug spielen als auch das Singen. Aber es macht halt auch Spaß und die Leute reagieren meistens sehr angetan, weil es das eben in dieser Form nicht oft zu sehen gibt.

 

 

Navigator: Ihr habt 10 Jahre lang das Unholy Xmess Jamboree veranstaltet. Warum habt ihr es aufgegeben?

 

RICHY: Also zum einem weil uns der Klamauk, der mit den Coversets, mit denen wir die Weihnachtskonzerte traditionell begonnen haben, verbunden war, irgendwann ein bisschen zu viel wurde. Also im Sinn von, der Hauptfocus bei vielen im Publikum war nur mehr auf „was werden sie heuer machen – wie bescheuert werden sie sich heuer verkleiden“ und unsere eigene Show war fast schon zweitrangig. Zum andern, und das war der viel entscheidendere Hintergrund, haben sich 3 Jahre in Folge persönliche Tragödien und Schicksalsschläge immer zu den Jamboree Terminen im Bandumfeld ereignet. Da ist uns einfach gehörig der Spaß an der Sache vergangen ist. Wenn man plötzlich mehr negative Gedanken als Vorfreude damit empfindet ist es glaub ich die logische Entscheidung es vorerst mal einzustellen.

 

 

Navigator: Wer kam auf die Idee für das Video zu Gimme! Gimme! Gimme! und gab es eventuell empörte ABBA Fans?

 

RICHY: Die Idee wurde vom Regisseur Martin Faltermeier und mir im Groben entworfen und wir hatten einen Mordsspaß bei dem Dreh. Naja ein paar negative Kritiken aus den eher konservativen österreichischen Medien gab es schon, aber in Summe weniger als wir gedacht hatten. Uns wurde nur das Video wenige Tage nach Release von YouTube gesperrt wegen einiger zu drastischen Szene und wir haben dann einen neue entschärfte Version noch online gestellt.

BZFOS- Gimme! Gimme! Gimme!
Quelle: Youtube

Navigator: Würdest du dich selbst als Horrorfilm-Süchtigen beschreiben?

 

RICHY: Klipp und klar - JA.

 

 

Navigator: Gibt es denn überhaupt noch einen Horrorfilm der dich erschreckt oder gruseln lässt?

 

RICHY: Wenige, aber es kommt doch immer wieder mal vor. Aber ich liebe das Gefühl mich zu gruseln, von daher empfinde ich das ja auch als etwas sehr Positives. Ich mag zum Beispiel von den neueren Streifen das ganze Insidious, Conjuring Universum sehr gerne und finde die Filme auch fallweise recht gruselig.

 

 

Navigator: Hast du eine Lieblingshorrorfigur?

 

RICHY: Viel zu viele um alle aufzuzählen. Aber ich glaub für die Band als Ganzes kann man „Tarman“ aus ROTLD als Band Maskottchen bezeichnen.

 

 

 

Navigator: Was war dein liebstes Bühnen- oder Backstageerlebnis, das dir immer im Gedächtnis bleiben wird?

 

RICHY: Für mich eindeutig das Treffen mit Alice Cooper. Ich bin absoluter Alice Cooper Hardcore Fan seit früher Kindheit und es war für mich einfach der absolute Traum, Support für mein Idol zu spielen und Ihn hinterher kennenlernen zu dürfen.

 

 

Navigator: Wie kam es dazu, dass ihr zwei Alben in österreichischer Sprache produziert habt?

 

RICHY: Wir hatten auf dem „Return of the BZFOS“ Album als Hiddentrack den Mörder Blues drauf – der Song kam so gut an, und ich hatte noch 2-3 weitere Stücke in Wiener Mundart im Schrank, dass wir einfach eine EP dazu nachschossen. Wir hatten einfach Spaß daran und zu dieser Zeit gab es auch kaum Bands, die ähnliches gemacht hätten. Heute sieht das natürlich ganz anders aus und Dialektmusik ist quer durch alle Genres gerade en vouge. Deshalb wird’s von uns jetzt wieder länger nichts Deutschsprachiges mehr geben und das kommende Album ist komplett in Englisch gehalten.

 

 

Navigator: Bei unserer Recherche habe wir natürlich auch eure 10 Jahre BZFOS Jubiläums Doku und die 15 Jahre BZFOS Halloween Doku angeschaut. Dabei sind uns zwei Dinge aufgefallen bei denen wir keine Antwort hatten.
1. In der 10 Jahre BZFOS Doku: Was sind das für konstante Tiergeräusche im Hintergrund? Wart ihr auf einen Bauernhof?

 

RICHY: Haha nein, das war der Innenhof des Jugendzentrums wo wir damals unser allererstes Konzert gespielt hatten. Die Geräusche kommen von irgendwelchen Vögeln die da in den Bäumen umher schwirrten.

 

Navigator: 2. In beiden Videos: Was trinkt Jim für ein Getränk aus einer gelben Dose?

RICHY: Unser Lieblingsbier – Ottakringer.

10 Jahre BZFOS
Quelle: Youtube

Navigator: Richy: Du erzähltest, dein Vater sei nach einem eurer Auftritte nicht sonderlich begeistert von deiner Arbeit gewesen. Wenn ich es richtig verstanden habe, weil du eine Babypuppe enthauptet und daraus Alkohol angeboten hast. Wie steht deine Familie denn inzwischen zu deiner Arbeit?

 

RICHY: Ich glaube mittlerweile haben sie ihren Frieden damit geschlossen, auch wenn sie nicht unbedingt dieses Faible für Horror, Mord und Todschlag verstehen können. Aber spätestens, als wir im österreichischen Fernsehen liefen, den Amadeus Musikpreis gewonnen haben und unser Album in den Charts landete glaub ich, dass so ein Funken Stolz auch aufkam.

 

 

Navigator: Euer neues Album erscheint im Februar 2019 und wurde mit einer speziellen Änderung bei Facebook angekündigt. Laut Ankündigung „Verzweiflung, Vergänglichkeit, Verfall - Trauer. All das sind thematisch gesehen Dinge, die den BLOODSUCKING ZOMBIES FROM OUTER SPACE bislang nicht viel zu schaffen machten…..“ Wie kam es zu dieser Weiterentwicklung eurer Themen?

 

RICHY: Das klingt auch erstmal dramatischer als es ist. Wir haben uns einfach viel Zeit gelassen mit dem Album und versucht, unsere bis dato beste Arbeit abzuliefern. Musikalisch sind wir um einiges gereift und erwachsener geworden und da wollte ich eben mit den Texten auch einen ähnlichen Schritt gehen. Es sind vordergründig nach wie vor „horror-lyrics“ aber unter der Oberfläche verbergen sich eben auch viele persönliche Themen.

 

 

Navigator: Werden die Horrorfans deswegen auf ihre geliebten Horrorthemen auf dem neuen Album verzichten müssen?


RICHY: Nein natürlich nicht. Wir werden immer eine „Horror“ Band bleiben.

Navigator: Was steht bei euch neben dem neuen Album denn noch in naher Zukunft an?

 

RICHY: Also im Moment herrscht gerade Ruhe vor dem Sturm. Am 12. Okt. erscheint die erste Single zum kommenden Album. Danach spielen wir ein paar Shows. Und ab dann arbeiten wir an der neuen Bühnenshow für die kommende Album Tour. Wir haben Pläne für einige Konzerte in Ländern wo wir noch nie waren oder schon sehr lange nicht gewesen sind, aber zurzeit ist das alles noch nicht unter Dach und Fach…

 

 

Navigator: Wenn ihr euch die Inschrift eures Grabsteins aussuchen könnt, was würdet ihr draufschreiben?

 

RICHY: „Komme gleich wieder!“

Navigator: Vielen dank für deine Zeit!

Interview von Brina