Chris Kirkham aka Nim Vind

In unserer neusten Ausgabe von Nachgefragt! – Künstler im Gespräch stellen wir Euch einen ganz besonderen Künstler vor: Chris Kirkham aka Nim Vind aus Kanada. Nim Vind bedeutet grob übersetzt Freiheit durch Wahnsinn. Seine Musik bezeichnet er selbst als „Music for outsiders“ also als Musik für Außenseiter. Seine Musik ist hoch emotional, anspruchsvoll und eingängig. Gerne bedient er sich Metaphern und Sophismen um seine Botschaft zu transportieren. Als Mensch ist er sehr humorvoll, selbstironisch und ein Philosoph.

Steckbrief

Vollständiger Name: Nim Vind aus der 6. Dimension, Jahr 6495

 

Spitzname: dieser verdammte Typ?!

 

Geburtsort: eine Regenwolke (Nimbus Wolke)

 

Alter: siehe oben

 

Instrumente: Flugdeck, Hammer, Panzertape, Eispickel, Senf, 12-seitiger Würfel

 

Süchte (wie Bücher und Schokolade): Bücher und Schokolade während ich Clonazepam nehme

Navigator: Chris, deine erste Band war ein Projekt mit deinen Brüdern Bobby und Anthony. Ist deine ganze Familie sehr musikalisch?

 

Chris: Ja, meine ganze Familie ist musikalisch. Mein Vater hat durch seine ganze Karriere hinweg beim Vancouver Symphony Orchestra Trompete gespielt. Er ist die einzige Person mit einer Musiker-Rente, die ich kenne. Anthony hat für die letzten drei Alben bei Nim Vind gespielt. Dieses wird das erste ohne ihn sein. Er ist aber immer noch Teil davon, man weiß also nicht, wann er wieder auftauchen könnte. Bobby aka Robby ist jemand, für den ich immer meine neue Musik spiele. Er hat immer eine gute Perspektive, um ein Lied großartig zu machen.

 

Navigator:Welche Rolle hat Musik in deiner Kindheit gespielt?

Chris: Viele Rollen! Babysitter, Berater, Versorger, Freundschaft wenn ich keine hatte, einen Platz, an den ich entfliehen konnte. Es sind auch heute noch all diese Dinge. In meinem Kopf spielt konstant ein Soundtrack. Ich mache musikalische Kunst nicht für Geld, Ruhm oder Aufmerksamkeit. All das wäre sicher nett, aber ich mache es weil ich es liebe und weil ich daraus entstanden bin. Ich würde es umsonst machen. Oft tu ich das auch! Ich bin zu dumm, um aufzuhören!

 

Navigator: Erzähl uns über deine erste Band, Mr. Underhill.

 

Chris: Schon wieder? Haha. Das war Nim Vind Version 1. Wir waren wirklich erfolgreich und haben zwei Bands daraus gemacht. Robbie/Anthony's band "The Vincent Black Shadow" hatte großen Erfolg. Ich hatte Glück, Teil dessen sein zu dürfen. Glück ist wichtiger als Talent wenn es darum geht, Geld zu machen. Wenn du Glück UND Talent hast, hast du ausgesorgt!!

 

Navigator: Hast du deine Musikkarriere direkt nach der Schule angefangen oder hast du noch einen Beruf neben der Musik erlernt? Wenn ja, welchen?

Chris: Ja, ich habe schon während der Highschool (weiterführende Schule) angefangen! Meine erste Band war eine Speed Metal Band namens "Genocide". Es war das erste Mal, dass ich realisierte, Mädchen mögen Gitarren. Es hat viel Spaß gemacht und die Zeit erträglich gemacht. Ich habe die Highschool absolut gehasst. Ich hatte Alpträume, dass ich wieder dort war. Ich wache auf und bin so dankbar, dass ich nie wieder zurückgehen muss. Dann masturbiere ich. Haha!

 

Navigator: Viele Magazine und Plattformen beschreiben deine Musik als "Horrorpunk". Du selbst benutzt aber nach meinem Wissen nie diesen Begriff. Wie würdest du deine Musik beschreiben?

Chris: Ja, Genres sind so unglaublich langweilig. Ich mag alles Mögliche an Musik. Warum muss man sich eine aussuchen. Ich mag Rap, Rock, Metal, Punk, Ethereal, Electronic, Klassik, Pop... Nim Vind spielt das alles... Manchmal alles im gleichen Lied!!! Ich weiß nicht, warum ich als Horrorpunk gelte, aber ich liebe Horrorpunk auch. Zombies sind sehr amüsant. Die Bands in diesem Genre geben sich so viel Mühe mit dem, was sie tun, und sie gehören zu den nettesten, unvoreingenommensten Menschen in der Musik. Wenn ich also Horrorpunk bin, dann okay. Aber meine Lieder sind nicht nur über Zombies und Dracula. Naja, vielleicht ein paar...

 

 

Navigator: Gibt es etwas im Musik Business, was du absolut nicht ausstehen kannst?

 

Chris: Ja. Das alles! Es ist eine Kloschüssel gefüllt bis zum Rand mit Menschen, die versuchen schnell an Geld und Aufmerksamkeit zu kommen. Es sollte eine Feier der Melodien und Kreativität sein. Es scheint aber inzwischen etwas besser zu werden. Je weniger Geld zur Verfügung steht, desto mehr Gruppen, die keine echten Musikliebhaber sind, hören auf und überlassen das Feld den Künstlern, die wirklich Künstler sein wollen. Ich sage nicht, dass wir kein Geld machen sollten, aber wenn du nur bezahlt werden willst solltest du Anwalt werden.

 

Navigator:  Du hast mir vor zwei Jahren erzählt, dass Musik wie Therapie für dich ist. Würdest du das immer noch sagen?

Chris: Ja, definitiv. Mein neues Album heißt "Limbic Kicks". Künstler sind alle verrückt. Wir stecken Niederlagen ein, damit ihr das nicht müsst. Aber wir haben eine großartige Zeit währenddessen. Leute wie Howie Wowie verstehen das. Wir sind die Piraten der Neuzeit. Wer will nicht Pirat sein?? Ich versuche durch die Musik, einen Sinn hinter meinem Hirn und der Welt zu sehen, und überall auf der Welt treffe ich Menschen, die das geschafft haben, und von denen stehle ich es dann. Es ist das Größte!!

 

Navigator: Glaubst du, dass Musik die Antwort auf die Probleme der Leute sein kann?

Chris: Sie kann hilfreich sein. Ich glaube nicht, dass sie wortwörtlich Probleme beseitigen kann, aber es kann der Soundtrack zu der Erfahrung des Durchkämpfens sein. Ich schätze, es hängt alles davon ab, ob du Herausforderungen als Probleme siehst... Fast alles bedeutet absolut gar nichts, wenn man mal darüber nachdenkt. Ich lache die Menschen immer aus, die mit Papieren herumwedeln, die angeblich relevant für uns sein sollen. Ich sage ihnen "yo, Mann, das ist ein Stück Baum auf dem du herumgekritzelt hast. Das Universum kümmert sich nicht um dein Papier, Tiere kümmern sich nicht darum, Steine denken, du bist ein Idiot."

 

Navigator:  Warum hast du dich für ein Cover von David Bowie's "White Magic" entschieden?

 

Chris: Ich liebe David Bowie und ich liebe den Song. Ich wollte immer eine dunklere, rockigere Version hören. Ich habe eines Tages darüber nachgedacht und mir überlegt, wie das wohl klingen würde. Bevor ich wusste wie mir geschieht, habe ich es auf der Gitarre gespielt und mir gedacht, ich würde es als eine bescheidene Anerkennung an einen legendären Songwriter aufnehmen. Bowie war ein unglaublicher Songwriter und hat so viele Stile bedient. Er hat so viele Versionen seiner selbst geschaffen. Ich liebe sie alle. Ich liebe das "Outside" Album mit Liedern wie "Hallo Spaceboy". Ich hoffe, die Leute mögen "White Magic"! Ich hätte es geliebt, Bowie zu treffen und mit ihm zu spielen. Hoffentlich würde er mich nicht schlagen.

 

Navigator: Trägst du immer noch all deine Ketten?

 

Chris: Du weißt doch, dass ich das tue.
(Anmerkung der Redaktion: Chris trägt alle möglichen Halsketten. Fast alle davon hat er geschenkt bekommen. Mit der Zeit haben sie sich verheddert. Ich wollte wissen, ob er sie nach unserem letzten Interview in 2017, immer noch trägt oder inzwischen abnehmen musste.)

 

Navigator: Wirst du dieses Jahr wieder nach Deutschland kommen?

Chris: Ich hoffe es! Ich liebe es hier!

 

Navigator: Was sind deine Pläne für die Zukunft?

 

Chris: Ich beende mein Album und dann versuche ich, telepathisch Aliens zu mir zu beordern.

 

Navigator: Wenn du heute entscheiden könntest, was in hoffentlich ferner Zukunft auf deinem Grabstein geschrieben steht, was sollte das sein?

"Holt mich hier raus! Jemand hat Beton auf mich gekippt!"

Navigator: Vielen Dank für deine Zeit und deine Musik!

Interview von Brina

Quelle: YouTube