Die Sekretärin der Madame Charlotte

- Die Story -

Unsere heutige Interviewpartnerin hat einen sehr speziellen Nebenerwerb. Sie ist Sekretärin einer Domina. Dabei handelt es sich nicht um irgendeine Domina sondern um die international renommierte Madame Charlotte (MC). Sie ist die Head Mistress des Sanctums in Hannover und die Gründerin der Fetish Zoo Events. Wir haben heute die Möglichkeit, ihrer Sekretärin ein paar Fragen zu MC zu stellen.

Navigator: Frau T., wie wird man Sekretärin einer Domina?

Frau T.: Nun, ich habe für den Zaren aus Freundschaft das Sekretariat übernommen und die Homepagetexte für ihn verfasst. MC hat die Texte gelesen und sie haben ihr sehr gefallen. Nachdem der Zar den Kontakt hergestellt hatte, bat mich MC die Homepagetexte für das neue Studio „The Sanctum“ zu schreiben. Ich denke sie war zufrieden mit dem Ergebnis, denn nach und nach bekam ich immer mehr Aufgaben und Bereiche anvertraut.

Navigator: Wie war der erste Kontakt mit MC?

Frau T.: Ich kannte sie vorher nur aus Erzählungen. Auf einer Veranstaltung ging sie einmal an mir vorbei und mir wurde gesagt ich solle aufpassen, die Dame sei „bissig“. Wer MC kennt, der weiß, dass sie einen Raum sofort mit ihrer Anwesenheit dominiert. Ihre Ausstrahlung, ihr gerader Gang und ihr bestimmtes Auftreten sind respekteinflößend und ja, ich hatte echt Angst.

Das erste Mal sprach ich mit ihr am Telefon. Wer mich kennt, weiß, ich hasse telefonieren wie nichts anderen im Leben. Als sie anrief hatte ich bestimmt einen Puls von 200. Das verflog aber sehr schnell, denn sie war gar nicht bissig, giftig oder eiskalt sondern unglaublich sympathisch. MC hat eine wahnsinnig angenehme Stimme und wir kamen schnell ins Plaudern und Lachen. Sie ist heute noch eine der wenigen Personen mit denen ich gerne am Telefon spreche.

Navigator: Diese drei Adjektive bissig, giftig und eiskalt passen also gar nicht zu ihr?

 

Frau T.: Doch aber anders als man denkt. MC hat einen großartig bissigen Humor. Sie bringt mich immer zum Lachen. Giftig kann sie auch werden, wenn man sie geringschätzt und respektlos behandelt. Sie ist nicht der Mensch für eine zweite Chance und wenn man einmal so richtig unten durch ist bei ihr, kann man froh sein, wenn man nur ignoriert wird. Wenn man sie dann noch herausfordert, kann sie giftig werden. Ich habe allerdings nicht vor das auszuprobieren. Eiskalt kann sie sein, ja, aber sie ist nicht unempathisch, was eiskalt ja ausdrücken soll. Ich würde sogar sagen sie ist überempathisch.

 

 

Navigator: Das verstehe ich nicht, wie passt überempathisch zusammen mit eiskalt?

 

Frau T.: Als Empathie beschreibt man die Fähigkeit sich in Menschen hineinversetzen zu können und zu fühlen was sie fühlen. MC hat aufgrund ihrer Arbeit eine unglaublich hohe Menschenkenntnis erlangt. Es ist ihr Beruf zu fühlen was andere fühlen, zu wissen was ihnen Angst oder Freude bereitet. Wenn es jedoch zu dem Part kommt die Gefühle selbst zu empfinden, kann MC eine Art Mauer hochziehen und die Gefühle hier nur zulassen, wenn sie es will. Das ist überlebenswichtig, um sich vor zu viel Bindung zu schützen, die Angreifbarkeit zu reduzieren und dem Schmerz zu vermeiden, den die Gäste zwar wünschen aber nicht sie. Wenn sie mit jedem Gast empathisch und mitfühlend wäre, könnte sie ihren Job nicht ausüben. Dennoch kennt sie die Grenzen eines Jeden und kann mit dessen Angst und Verlangen spielen wie eine Puppenspielerin. Insofern bezeichne ich sie als überempathisch, aber sie behält sie Kontrolle und bleibt eiskalt. Das ist ihr Job und eine sehr bereichernde Eigenschaft im Umgang mit Idioten im Alltag.

 

 

Navigator: Hätte MC also besser Psychiologie studieren sollen?

 

Frau T.: Mir gefällt die Frage nicht. Wieso „hätte….besser“? Das suggeriert, dass MC sich nicht aus freien Stücken zu ihrem Beruf entschieden hat und eine Psychologiestudentin mehr wert ist als eine Sexarbeiterin. Zudem ist MC Akademikerin, also hat sie neben dem Beruf bereits studiert, wieso gehen nicht beide Optionen.

 

 

Navigator: Ich formuliere meine Frage anders. Ist MC eine begabte Psychologin?

 

Frau T.: Auf jeden Fall! Ich bin mir auch sicher, dass sie mich schon sehr gut kennt und meine Schwächen und Stärken bereits seit dem ersten Telefonat erkannt hat.

Navigator: Deine Aussagen klingen bewundernd, liege ich da richtig?

Frau T.: Ja, das ist richtig. Ich bin selbst auch Akademikerin und Feministin. MC ist eine unabhängige, selbständige Frau die sich alles selbst erarbeitet hat und absolut emanzipiert ist. Sie muss sich niemandem beweisen und nicht viele können ihr das Wasser reichen. Für mich ist sie das Vorbild einer emanzipierten Frau. In manchen Berreichen versuche ich von ihr zu lernen.

Navigator: Kann man sagen, dass du stolz bist für MC zu arbeiten?

Frau T.: Auch das stimmt. Als ich sie kennengelernt habe, war ich total fasziniert von ihr. Einmal weil sie so eine starke und selbstbestimmte Frau ist und weil sie so viel erreicht hat. Sie ist international bekannt, Akademikerin, Eventveranstalterin, Headmistress des Sanctums, Bookerin, Managerin und Familienmensch, alles in einer Person. Ich würde am liebsten einen Eintrag bei Facebook machen “Hat angefangen für MC zu arbeiten“.

 

 

Navigator: Warum machst du es nicht?

Frau T.: Der Arbeitsbereich von MC lebt von Diskretion. Sie bestimmt wer wann bestimmte Informationen von ihr bekommt.

Navigator: Sie ist also die Chefin?

Frau T.: Absolut! Wobei ich sie lieber Boss nenne. Das deutsche Wort Chef verliert in der weiblichen Form leider etwas an Sprachgewalt. Ich finde Boss deutlich angemessener für diese Frau.

Ich weiß aber wo die Frage hinführen soll. Ja, sie gibt den Ton an. Gerade was grafische Darstellungen, Ästhetik und Farbkompositionen angeht kann ich noch einiges von ihr lernen. Ich lege ihr jede grafische Komposition vor und meist hat sie Verbesserungsvorschläge.

Navigator: Ist das nicht anstrengend?

 

Frau T.: Nein, ich lerne wie gesagt noch. Bei anderen Themen zieht sie mich hinzu und möchte meine Meinung wissen. Darauf hat sie von Anfang an viel Wert gelegt. Ich fühle mich also von ihr ernstgenommen und weiß, dass ich in einigen Gebieten noch viel lernen muss. Das ist kein Problem für mich, ich sehe es als Chance.

 

 

Navigator: Möchtest du denn auch andere Dinge von ihr lernen?

 

Frau T.: Du fragst, ob ich auch Domina werden will? Nein, dafür muss man geschaffen sein. Ich kann dominant sein wenn es angebracht ist aber ich spiele diese Rolle dann. Wenn ich natürlich agiere, würde ich nach jedem Peitschenschlag zum Gast hinrennen und ihn trösten. (lacht). Es gibt doch diese Profikuschler, die kommen mit einem dicken Kissen zum Kuscheln nach Hause zu den Kunden. Das wäre wohl eher mein Ding.

Also ja, sie ist der Boss. In diesem Film ist sie die Superheldin und ich ihr Sidekick und damit bin ich total glücklich.

Navigator: Was war das schönste Erlebnis mit MC bisher?

Frau T.: Ahh, der Maskenball. Das war für mich eine sehr merkwürdige Erfahrung. Ich durfte dort Bilder machen. Fotografieren ist mein Hobby und ich bekam die Chance dort mein Wissen zu erweitern. Ich bin aber recht neu in der Szene. Mein Outfit war notdürftig zusammen gestellt und ich war vorher noch nie auf einer Fetish Party. Nach den Fotos brachte ich meine Utensilien ins Sanctum. Dort war nur VIP Einlass. Die Türsteher musterten mich von oben bis unten und wollten mich erst nicht reinlassen. Ich kam mir ein wenig vor wie eine Streberin mit dicker Zahnspange auf einer coolen Party. Doch der 2m lange Fotohintergrund auf meiner Schulter wies mich wohl als Beschäftige aus, also durfte ich im Empfang warten. MC kam mit ein paar VIP Gästen rein und ich wollte aufstehen und Platz machen, denn es gibt nur 2 Sitzplätze. Einer war natürlich für MC und der andere für mich, denn MC wies mich an ruhig sitzen zu bleiben. Ich saß nun also neben der Ballkönigin, um in meiner Metapher zu bleiben, und war auf einmal vom Zahnspangen-Bauerntrampel zum VIP befördert worden. MC lächelte und nickte mir wohlwollen zu. Auf einmal war ich auch für den Einlasser interessant und er fragte sogar ob ich noch etwas bräuchte. Da ich wirklich ein etwas tollpatschiges Nerdmädchen bin, kannte ich das Gefühl, nie dazuzugehören. Doch hier gehörte ich dazu, ich gehörte zu MC und ich war sehr glücklich an diesem Abend.

Navigator: Was war das schlimmste Erlebnis mit MC?

 

Frau T.: Als ich die Bilder vom Maskenball auswertete. Sie waren viel zu dunkel und verpixelt. MC war enttäuscht aber sie machte mir keine Vorwürfe. Ich zerriss mich aber fast darüber, so versagt zu haben. Auf der Kamera sahen die Bilder nicht so schlimm aus. Ich suchte nach Möglichkeiten das Ergebnis zu verbessern aber ich hatte kaum Erfolg. Ich suchte nach dem Fehler und musste irgendwann feststellen, dass ich ja im RAW Format fotografiert hatte und nicht im JPEG. Das bedeutet, die Bilder werden nicht automatisch entrauscht. Ich war überglücklich die Bilder retten zu können und schämte mich so sehr, so einen dummen Fehler begangen zu haben.

 

 

Navigator: Hat sie es dir je vorgeworfen?

 

Frau T.: Nein, nie!

Navigator: Möchtest du noch für andere Dominas arbeiten? Wäre das eine Möglichkeit?

 

Frau T.: Ich arbeite ja noch für den Zaren aber andere Dominas… ich glaube nicht. Ich bin sehr loyal und hab mich ziemlich auf MC eingeschossen. Sie ist inzwischen eine Freundin die ich nicht mehr missen möchte. Wenn nur mit ihrem ausdrücklichen Einverständnis. Dann vielleicht. Derzeit ist es aber kein Thema für mich, nein.

 

 

Navigator: Was erwartet dich in Zukunft als Sekretärin einer Domina?

 

Frau T.: Ich glaube alles ist möglich mit MC. Ich lass mich einfach von ihr mitnehmen und freue mich darauf was mich alles erwartet.