- Im Interview -

Am 4.11.2018 fuhr ich nach Hannover zum Metalfest im Chez Heinz. Ich freute mich auf viele, mir noch unbekannte, Bands und natürlich auf die Grailknights, die auf dem Fest als Headliner spielten. Den ganzen Tag lang konnte ich sehen, dass die Jungs der Grailknights sich unters Publikum mischten und auch selbst an ihrem Merchstand standen und verkauften. Soviel Publikumsnähe beeindruckte mich und machte die Jungs auf Anhieb sympathisch. Ich freute mich jetzt noch mehr darauf ein paar von Ihnen, später beim Interview, persönlich kennen zu lernen.

Lord Drumcules

Count Cranium

Dr. Skull

Sir Optimus Prime

Sovereign Storm

Duncan McLoud

Vor dem Auftritt kniete ich mich vor die Bühne, um ein paar gute Bilder machen zu können. Es war sehr heiß und der Boden klebte ein wenig. Hier wurde den ganzen Tag schon gut gefeiert. Ein paar freundliche Metalheads standen hinter mir und sicherten mir zu ich könne beruhigt fotografieren, sie würden mir den Rücken freihalten. An dieser Stelle möchte ich dafür nochmal meinen Dank dafür aussprechen, denn sie haben ihr Versprechen gehalten.

Dr. Skull betrat die Bühne und kündigte die Grailknights an. Selbstbewusst ertrug er sämtliche Buhrufe und Beleidigungen. Zuerst betrat Drummer Lord Drumcules die Bühne und verharrte in heroischer Pose. Nachdem er Platz nahm kamen auch die anderen Knights. Sie positionierten sich auf der Bühne und richteten den Blick nach unten. Sänger Sir Optimus Prime hob entschlossen den Blick und sprach ein leises „Let´s go!“. Danach explodierte die Musik -sprichwörtlich- aus den Grailknights heraus. Um es bildlich zu beschreiben: Es schien, als würde man von Sir Optimus Prime selbst, an den Schultern in die Welt der Grailknights gerissen. Ich war so beeindruckt von der Perfektion dieser Musiker, dass ich vergaß, im gesamten ersten Song Bilder zu machen.

Ich fühlte mich in meiner Theorie bestätigt: Nur Experten auf ihrem Gebiet, können dieses auch humoristisch umsetzten und glaubhaft parodieren. Ich hatte zwischenzeitlich meine Position gewechselt und stand neben der Bühne. Sowohl der Auftritt der Bierstute Zapfi, als auch Sovereign Storms angeleitetes „Grailrobics“ wurden vom Publikum legendär gefeiert. Ich habe noch nie so viele Menschen gleichzeitig posieren sehen. Die Stimmung kochte!

 

Nach dem Konzert standen die Knights für Bilder und Gespräche zur Verfügung und auch Dr. Skull posierte eifrig mit Fans und Publikum.

 

Nachdem sich die Knights umgezogen hatten, durfte ich mit Sir Optimus Prime und Duncan McLoud sprechen. Ich muss sagen, die Jungs sind die höflichsten und gastfreundlichsten Musiker mit denen ich bisher sprechen durfte.

Das Interview

Navigator: In euren Rollen kämpft ihr gegen das Böse und den widerlichen Bösewicht Dr. Skull. Als Musiker kämpft ihr gegen Einöde, Spießigkeit und dafür, nicht immer alles ganz so ernst zu nehmen. Warum habt ihr euch diese Ziele als Musiker gesetzt?

Duncan McLoud: Ja….Warum spielt ein Fußballer Fußball? Warum spielt ein Handballer Handball? Warum geht ein Angler angeln? Weil es einfach so ein bisschen krass erfüllend ist. Man merkt einfach irgendwann, dass es so einen Spaß macht und man es sein Leben lang machen will.

Sir Optimus Prime: Ich glaube die Frage zielte eher darauf ab, warum wir in der „schwarzen“ Szene das Bunte präsentieren. Eigentlich ist es ja so: Die Szene mag vielleicht schwarz aussehen, ist aber inhaltlich gar nicht schwarz.

 

Duncan McLoud: Das stimmt!

 

Sir Optimus Prime: Wir bringen nur das Bunte zum Vorschein, was in den ganzen Leuten eh schon drinsteckt. Denn all diese Metaller sind ja eigentlich ein großer, lustiger und bunter Haufen.

 

Duncan McLoud: Ja, richtig!

 

Sir Optimus Prime: Und das ist genau das worauf wir richtig Bock haben.

 

Navigator: Durch die Grailknights habt ihr die Möglichkeit ein anderes Leben, eine andere Rolle anzunehmen. Wie wichtig ist es für euch geworden diesen Wechsel zu haben?

Sir Optimus Prime: Es ist so unglaublich wichtig! Das größte Zeichen dafür, dass es uns so wichtig ist, ist dass es uns nun schon seit 2002 gibt. Auch wenn die Knights immer mal wechseln mussten. Sei es aus beruflichen Gründen oder persönlichen, weil einfach die Lebenswege anders verlaufen sind und man dadurch nicht mehr zusammen bleiben konnte. Es ist dann auch schwierig, so eine Band dann noch zusammen zu halten. Und dass es uns trotzdem noch gibt, ich glaube daran sieht man wie wichtig es uns ist. Wir hatten mal einen Punkt, das war vor 2013/14 da war das Ganze knapp vor der Auflösung. Zu dem Zeitpunkt fuhr ich zum Beispiel im Auto und dachte an diese Zeit zurück. Das Gefühl nur noch an alles zurück denken zu können, was wir gemacht haben, das war ganz grässlich. Dann gab es wieder frischen Wind und jetzt vor einem Jahr seit dem Beitritt von unserem Duncan McLoud brennt das alte Feuer wieder. Jetzt ist es wieder geil, wenn man in die Zukunft blickt. Und warum ist das so cool?

Weil es eine unglaublich wichtige Aussicht ist im Leben. Wenn man miese Laune hat auf der Arbeit weiß man aber:“Ahhh! Da kommt bald wieder was!“. Da kann man sich dann richtig auf Wochenende freuen und dazwischen macht man halt das Organisatorische und das ist einfach….unser Ausgleich und gerade solche Abende wie heute sind sehr erfüllend.

Navigator: Passiert es euch oft, dass Fans und Menschen des täglichen Lebens eure Person und eure Rolle vertauschen oder ist es durch die Kostümierung leichter?

 

Sir Optimus Prime: Privat werden wir meistens gar nicht erkannt.

 

Duncan McLoud: Wenn wir mal erkannt werden, dann meistens vor einem Konzert. Wenn wir in einer Gruppe zusammen stehen kommt es auch vor, aber dann nicht alle sondern oft nur ein oder zwei von uns. Dann jedoch in unseren Rollen, denn viele kennen auch unsere Namen nicht und bleiben dann in den Rollen durch die Namen.

 

Sir Optimus Prime: Dann hört man oft die Anrede: Sire oder edler Herr!

 

Duncan McLoud: Und dabei hat es noch gar nicht „Puff“ gemacht! Man fühlt sich wie Bruce Wayne der irgendwo in zivil rumläuft und jemand erkennt ihn……(verharrt in ehrfürchtiger Pose)….ja, es stimmt schon! Man wird ein bisschen anders angeredet.

 

Navigator: Warum habt ihr Grail-TV nicht weitergeführt?

 

Duncan McLoud: Oh, das wird demnächst wieder aufgenommen werden und es wird auch ein bisschen umfangreicher sein. Früher gab es das ja nur ab und zu mal und jetzt haben wir schon ein Konzept ausgearbeitet, damit es wieder öfter, regelmäßiger und größer kommen wird. Zudem wird es ein bisschen mehr in die Tiefe gehen und mehr von dem Universum erklären. Ich freue mich auch schon riesig da drauf. Wir haben unglaublich Lust dieses Universum, das wir geschaffen haben durch diese Superheldencharaktere, auch visuell besser darzustellen. Unser Superheldenuniversum ist ja riesig und enthält unzählige Möglichkeiten Geschichten zu erzählen.

 

Navigator: Also nicht durch Comics sondern mit den Grailknights als Darstellern?

 

Duncan McLoud: Ja genau!

 

Navigator: Was ist mit eurem Sidekick Mohrrüben Mann geschehen?

 

Duncan McLoud: Den gibt es noch!

 

Sir Optimus Prime: Ja aber er sieht ein wenig aus wie…….mumifiziert!

 

Duncan McLoud: Er ist auf Eis gelegt worden. Zum Glück haben die Knights damals mitgedacht!

 

Sir Optimus Prime: Es wäre also sehr traurig wenn wir ihn zurückbringen….aber vielleicht wird er neu geboren: Mohrrüben Mann in frische Möhren!

 

Duncan McLoud: Vielleicht mit Bart, mit Gefrierbrandbart!

 

An dieser Stelle übergaben wir den Grailknights eine handgemachte Kopie von Mohrrüben Mann, erschaffen aus einer Spielzeugmöhre aus Plastik. Er hat durch Zapfi ein Bein verloren und auch seine Haare, jedoch ist er nun unsterblich und wird den Knights hoffentlich viel Glück bringen.

Die Geschichte von Mohrrüben Mann

Quelle: Youtube

Navigator: Wie kam es das Joakím im Video „Pumping Iron Power“ nur als Figur auftritt?

 

Sir Optimus Prime: Also dazu muss man sagen, dass wir erstmal sehr froh sind, dass er überhaupt im Song zu hören ist. Denn der Mann ist einfach unglaublich beschäftigt! Er ist ja nur in der Welt unterwegs. Es war einfach zeitlich nicht möglich. Wir sind total froh, dass er sich für die CD Zeit genommen hat, was auch nicht selbstverständlich ist. Zudem sagt er selber er habe keinen Bock auf Videodreh.

 

Duncan McLoud: Ich glaube bei Pain hat er mitgemacht, allerdings auch als Puppe. Das wird aus demselben Grund

gewesen sein. Er schreibt tatsächlich, dass er Videos nicht so gerne macht.

 

Sir Optimus Prime: Van Canto hat dann richtig Schwein gehabt, da ist er dann in einem Monitor zusehen.

 

 

Navigator: Lasst ihr die großartigen Spielfiguren nochmal anfertigen für den Merch?

 

Duncan McLoud: Wir haben es schon öfters versucht aber es ist extrem schwer in dieser kleinen Auflage etwas Vernünftiges zu bekommen und es bezahlbar zu halten.

 

Sir Optimus Prime: Ja, die Produktionskosten sind leider sehr hoch aber die Idee ist immer noch nicht vom Tisch. Wir hatten auch schon eine Produktion von 40 Figuren aber die haben dann leider geklebt und die Farbe hat sich abgelöst. Aber Joakím hat seine bekommen, hinter Glas.

 

Navigator: Optimus, beim Videodreh zu „Pumping Iron Power“ springst du anfangs von einer Klippe. Wie hoch war es wirklich?

Sir Optimus Prime: Oh das waren bestimmt……20-30 Meter…aber ich habe vorher mit dem Cape abgebremst. Das war ganz aufwendig in Berlin von dem Hochhaus zu hüpfen.

 

Duncan McLoud: Wir mussten erstmal so einen hohen Platz finden! Das Hochhaus wurde dann weg retuschiert und das war gar nicht so leicht! In Berlin am Alex gibt es dieses Hotel von dem man Bungeejumping machen kann, direkt neben dem Fernsehturm. Da musste er sich ein wenig an den Leuten vorbeischleichen um auch ungesichert springen zu dürfen.

 

Navigator: Im Video habt ihr die Szene dann gekürzt? So ein Sprung dauert doch auch ganz schön lange bis man unten angekommt.

 

Duncan McLoud: Ne, das haben wir vorgespult……………………Jetzt nochmal die inoffizielle Version: es waren glaube ich 1-0,5 Meter.

 

Sir Optimus Prime: Jetzt mach die Illusion doch nicht kaputt! Ich bin von ‘nem Hocker gesprungen.

Grailknights - Punping Iron Power

Quelle: Youtube

Navigator: Euer Song „Absence Of Gravity“ unterscheidet sich, meiner Meinung nach, stark von euren restlichen Songs. Er ist sehr tiefsinnig und lässt schwermütige Interpretationen zu. Mögt ihr uns sagen, warum es euch ein Bedürfnis war diesen Song zu schreiben?

Sir Optimus Prime: Vielleicht noch vorher gesagt: Unsere Alben fallen immer recht unterschiedlich aus und das liegt an den jeweilig vorherrschenden Stimmungen. Dieser Song ist tatsächlich in der Zeit entstanden, als es unklar war wie es weitergeht. Diese Stimmung ist nicht nur in diesen Song sondern auch in das ganze Album geflossen. Daher ist die „Calling The Choir“ auch insgesamt eher etwas nachdenklich und melancholischer als andere Alben. Ganz im Gegensatz zur neuen CD, die ja viel mehr nach vorne geht und Power hat.

 

Navigator: Nächstes Jahr fahrt ihr nach Schweden zum Sabaton Open Air und erst kürzlich habt ihr angefangen den japanischen Markt zu erobern. Was plant ihr noch?

Sir Optimus Prime: Wir sind da an was dran und wir hoffen das es klappt, und wenn das funktioniert dann wäre das großartig, aber ich kann euch nicht sagen was! Weil wir noch keine eindeutige Zusage haben, aber wenn wir eine bekommen, dann feiern wir das ganz doll und dann bekommen das auch alle mit! Daher alle bitte Daumen drücken!

Navigator: Alle Leser und Leserinnen bitte jetzt Daumen drücken!

Navigator: In Rezensionen und Berichten anderer Musikmagazine wurdet ihr als Ulknudeln, Spaßvögel, Nerds und Freaks tituliert. Was viele aber nicht wissen, ist das ihr bei all dem Spaß auch auf hohe Qualität setzt und einen hohen Anspruch an eure Leistungen stellt. Einige von euch spielen mehrere Instrumente und haben auch Musik studiert. Was denkt ihr, wenn ihr so oberflächlich als bessere „Klassenclowns“ abgetan werdet?

Duncan McLoud: Ulknudeln, das habe ich auch gelesen!

Sir Optimus Prime: In einer bekannten Metalzeitschrift stand das. Ich habe mit ihr ein einstündiges Telefoninterview geführt und sie fragte mich noch ob es uns was ausmachte als Spaßmetal bezeichnet zu werden. Ich habe darauf gesagt, dass es sich so anhören würde als würden wir die ganze Sache nicht ernst nehmen und das gefällt uns nicht, denn wir nehmen es verdammt ernst. Sie sagte darauf, dass sie das verstehe, aber schrieb als erstes „Die Ulknudeln von den Grailknights!“ Wir müssen uns natürlich auch nicht wundern, wenn man sich in der Szene mit wehenden Capes und 'ner Bierstute auf die Bühne stellt, dann ist es normal, dass solche Fragen kommen.

 

Duncan McLoud: Es gibt immer noch sehr viele, ich nenne es mal „konservative“ Metaller. Meistens sind es dann die Kuttenträger, die sich dann beleidigt fühlen, weil sie meinen, wir würden uns über ihre geliebten Bands lustig machen. Das gleiche Problem haben Van Canto auch obwohl sie einfach nur geniale Musik machen.

 

 

Navigator: Wenn ihr euch heute aussuchen könntet, was in einer fernen Zukunft mal auf eurem Grabstein stehen soll, was würdet ihr schreiben lassen?

Dr. Skull: Er war stets bemüht!

 

Navigator: Vielen Dank für eure Zeit und das tolle Interview!

Interview: Brina

Bilder: Brina