Interview mit Harpyie

Am 27.10.2018 haben wir uns mit Aello und Jean von Harpyie, nach ihrem Auftritt beim Wolfsfest, in Bochum zu einem sehr heiteren Interview getroffen. Die sehr authentische und publikumsnahe Band aus Ostwestfalen spielt seit sieben Jahren das was ihr gefällt. Was bewegt die Musiker und wie verarbeiten sie auch aktuelle Themen in Folk-Metal Songs? Woher haben sie die Ideen für ihre witzigen Videos und was planen sie für die Zukunft? Wir haben sie gefragt:
 

Navigator: Das Erste ist natürlich das Harpyienthema, wer kam darauf?

Aello: Harpyie... also den Namen an sich? Wir haben damals vor sieben Jahren im Proberaum gesessen und hatten diese Band gerade frisch aus dem Boden gestampft. Vorher waren wir alle anderweitig unterwegs. Und die Namensfindung war relativ schwierig, wir haben echt Ewigkeiten gesucht und Mechthild war immer der Meinung, wir brauchen irgendeinen weiblichen Namen. (lacht) Uns war es an nem gewissen Punkt irgendwann total scheißegal, weil wir keinen Bock mehr hatten uns darüber zu unterhalten. Mechthild ist nach Kreta gefahren in den Urlaub und kam wieder und sagte "Harpyie". Auf Kreta war alles voller Steinharpien und die Harpie kommt, als mythologisches Wesen, ursprünglich aus Kreta aber was das Witzige an der ganzen Sache ist, dann haben wir uns falsch benannt, weil die Harpie tatsächlich aus der Mythologie eigentlich nur mit "p-i-e" geschrieben wird, also "Harpie" und wir haben uns nach dem Vogel "Harpyie" also nach dem Amazonas-Vogel, dem größten Raubvogel der Welt, benannt. Das ist uns aber später erst aufgefallen, nachdem uns ein spitzfindiger Fan darauf aufmerksam gemacht hat. (lacht)

Navigator: Ich finde, auch der Vogel ist sehr interessant.

Aello: Ja, ist er, großartig.


 

Navigator: Wie kommt es denn dass ihr auf dem Wolfsfest spielt? Die anderen Bands sind ja eher Richtung Death Metal.

Jean: Das würde ich noch nicht mal sagen. Death Metal ist ja irgendwie eine Schiene, da kann man ganz viel reinstecken und man kann ganz viel erfinden, was sich so nennt, was da aber auch gar nicht hingehört. Und ich glaube auch, gerade die Varg Jungs und auch die anderen wissen diese Mischung gut zu schätzen. Gerade vorhin habe ich noch mit dem Philipp (von Varg) darüber gesprochen und er sagte "Diese Mischung die wir fahren hier, das ist für uns als Bands gegenseitig super angenehm und für die Leute auch.", da es viel breiter gefächert ist und nicht nur irgendwie in eine Ecke geknallt wurde, sondern ganz viele Leute anspricht und das funktioniert auch hervorragend.

Navigator: Ich finds auch sehr angenehm. Bei unserer Recherche ist uns aufgefallen, dass ihr sehr viel Selbstironie, Authentizität und Publikumsnähe besitzt. Auffällig finden wir, dass gerade Folkbands das haben. Habt ihr eine Idee, warum das so sein könnte?

Aello: Puh, ich weiß es nicht. Also wir sind ja nicht viele, das muss man ja mal sagen, bei den Folkbands. Dementsprechend, ich will jetzt nicht sagen, dass wir Konkurrenz haben, aber was wir definitiv haben, ist natürlich immer Vorväter, also so kann man das nennen, die schon viel länger dabei sind. Man guckt natürlich immer auch ein bisschen links und rechts, wie machen das die anderen aber grundsätzlich bei uns ist es eher ne Charaktersache. Also wir kommen ja wirklich aus nem Lokal-Bandbereich bei uns da aus der Gegend bei Bielefeld.

 

Navigator: Wir kommen aus Bielefeld!

 

Aello: Auch um Bielefeld herum, so Oeynhausen, das ist ja alles so'n bisschen verteilt da. Bünde und so was. Nee, ihr kommt aus Bielefeld?

Navigator: Ja, Bielefeld, Oerlinghausen.

Aello: Und wir kommen eigentlich eher aus nem Lokal-Bandbereich und sind relativ schnell von dieser Mittelalter-Szene aufgesogen worden und waren auf einmal deutschlandweit unterwegs. Wir nehmen uns nicht allzu ernst. Man muss sich ja immer noch überlegen, keiner von uns lebt davon, das ist ja unser Hobby. Und wir dürfen Spaß an der ganzen Sache haben, nicht nur unsere Fans. Und es macht uns einfach Spaß, sich zu unterhalten mit Leuten, und da zu sein und Witze zu machen und komische Videos zu drehen. Wir machen einfach, was uns gefällt. Wir sind nicht so glatt gebügelt-professionell, so sehen wir uns auch nicht.

 

Jean: Außerdem ist es auch mal schön, nicht immer so ernst zu sein und lustige Musik zu machen oder anders rum, sondern das auch mal zu vermischen. Das gehört irgendwie alles da rein.


 

Navigator: Wir hatten so den Eindruck, thematisch, ihr macht was euch gefällt. Da liegen wir richtig, ja?

 

Aello: Ja, absolut! Es muss auch uns Spaß machen. Also klar, wir lassen uns nichts vorschreiben.


 

Navigator: Erklärt diese Selbstironie auch das Video "Pipi und Kaka"?

Aello: Nein.

 

Navigator: Oder waren da noch andere Drogen im Spiel?

 

Jean: Das lässt sich mit Selbstironie nicht mehr erklären. (allgemeines Lachen) Punkt. Das lässt sich eigentlich gar nicht erklären.

 

Aello: Selbst wir haben ein unglaublich hohes Fremdschamgefühl für dieses Video.

 

Jean: Ich hab die Vertonung nachher gemacht, also ich glaube ich hab gleichzeitig gelacht und bin rot angelaufen.

Aello: Wir fanden es halt ganz witzig, wir dachten: "Wie kann man unseren nächsten Wacken-Auftritt gut ankündigen? Boah, momentan sind doch so "Bibi's Beautypalace" und so'n Scheiß total in. Komm, dass lass uns das mal verarschen." Ich find Bibi's Beautypalace ist noch schlimmer als unser "Pipi und Kaka" Video. Das war auch ein bisschen die Message, ein bisschen Medienkritik darf man auch aus der Musik mal machen.


 

Navigator: Was ist dieser Satz? "Habt ihr mein Faxe gesehen?" Woher kommt das?

 

Jean: Das ist ein Running Gag aber wir wollten auch ein bisschen Milieu in dem Ganzen haben und wir haben uns vorher natürlich sehr viele Gedanken über die Hintergrund-Story zu diesem Film gemacht und wollten das Ganze auch ein bisschen ins Ruhrpott-Milieu der 90er Jahre schieben. So, und da gehört natürlich auch viel Charakterbildung dazu.

 

Aello: Wir machen Methodacting,wir sitzen wochenlang in diesen Klamotten rum und haben nur Ravioli und Faxe zu uns genommen.

 

Jean: Dann haben wir gedreht und dann war's alle. Und dann habe ich gefragt ob wer mein Faxe gesehen hat!?!?

Quelle: You Tube; Kanal von Harpyie

Navigator: Jetzt gehen wir ein bisschen in die Tiefe. Wir haben uns erlaubt, uns zwei Songs von euch zu analysieren oder das zu versuchen.

Aello: Oh, das finde ich super! Das ist hervorragend.
 

Navigator: Also ich habe mich entschieden für "Dynamit" und Schöne neue Welt", meine zwei absoluten Lieblingssongs. Bei "Dynamit" habe ich zwei Fragen. Es ist eine hohe Sozialkritik an der Menschheit. Warum möchte der Protagonist in diesem Song vor dem Weltuntergang die Menschen noch einmal töten? Was ist genau seine Intention?

Aello: Er ist ein Terrorist. Er hat eine Ideologie, also er glaubt daran, die Menschheit oder die Erde durch diesen Weltuntergang retten zu können, beziehungsweise einen Neustart quasi damit zu beginnen. Er ist aber nichts anderes als ein Terrorist, der auch noch mit dieser, ich sag mal humoristischen Note... Ihr hättet sehen müssen, wie ich das eingesungen habe. Also der Stefan, der Vocalcoach, den ich hatte, der hat die ganze Zeit gesagt "Stell dir vor, du bist ein Zeitungsjunge der die Straße langgeht, und du schmeißt in Amerika den Leuten nicht die Zeitung vor die Haustür sondern Dynamit-Stangen. Lauf mal auf der Stelle rum, während du einsingst." Nanana nana na... (macht Wurfbewegungen). Und darum gehts eigentlich. Es geht eigentlich um eine völlig verblendete Ideologie, die einen dazu bringt, jegliche moralische Grundsätze die man so hat über Bord zu werfen, mit dem festen Glauben an eine Utopie.

Navigator: Eine Kritik habe ich. Ist eine Stange Dynamit nicht ein bisschen wenig?

 

Aello: Ja, natürlich.

 

Jean: Nicht pro Person.

 

Aello: Nicht wenn du die eine Stange Dynamit in eine großen Haufen Dynamit reinschmeißt, dann nicht.


Navigator: Gut, "Schöne neue Welt", ein weiterer sehr sozialkritischer Song. Im Song ist der Protagonist eine Art göttlicher Beobachter, der zu verstehen beginnt, dass die Menschlichkeit sich zwar abschafft, aber die Welt sich regenerieren wird. Uns irritiert der Titel. "Schöne neue Welt" ist natürlich sehr berühmt durch Aldous Huxley. Warum habt ihr Aldous Huxley's Titel gewählt oder ist das Zufall?

 

Aello: Nee, das ist kein Zufall. "Schöne neue Welt" ist natürlich von Huxley, es ist natürlich ein sehr reißerischer und ironischer Titel, weil eigentlich im Endeffekt ist genau das Gegenteil in seinem Buch der Fall. In dieser Geschichte, wo es sich um den letzten Überlebenden der Menschheit, der aus irgendeinem Grund diesen ganzen Scheiß überstanden hat und sozusagen Beobachter wurde von dem Ganzen, ein Zeitzeuge, da geht es tatsächlich darum, um die Erkenntnis, dass eben nicht die Menschheit die Welt ist. Das wir nicht der Nabel der Welt sind, sondern dass die Welt weiter da sein wird, selbst wenn wir nicht mehr da sind. Und das ist einfach eine Feststellung. Wir sind nicht die vorherrschende Gewalt, wir sind nur ein Symptom. So könnte man das nennen. Mehr will ich dazu eigentlich gar nicht sagen. Es gibt nen Film aus den 60er, 70er Jahren... ich komm jetzt nicht mehr auf den Titel... da geht es wirklich darum, dass es nur noch den letzten Menschen auf der Welt gibt und es ist wirklich so ein bisschen, als würde von Richard Chamberlain damals das Bild vor Augen geführt, also der letzte Mann, der noch auf der Welt da ist. Die Natur ist da, die Tiere sind da, aber halt keine Menschheit mehr. So, und das kann ein schönes Bild sein. Es muss nicht ein schreckliches Bild sein, sondern es kann auch durchaus ein sehr schönes Bild sein. Wir wissen ja nun auch aktuell, dass wir nicht sehr daran arbeiten, dass das so wird.

 

Navigator: Von daher ein sehr zeitgemäßer Song. Und beide hatten natürlich thematisch miteinander zu tun, und du hast die beide geschrieben?

 

Aello: Ja.

 

Navigator: Also es ist auch etwas, was dich sehr bewegt?

 

Aello: Ja, also Natur ist ja so wie so so'n bisschen das Thema von dem Album. Und die Texte sind...

 

Jean: Das hat mich interessiert.

 

Aello: Klar hat uns das bewegt. Also wie ernst muss man sich nehmen, wie wichtig sind wir? Es gab letztens einen ekelhaften Politiker, der mal gesagt hat, das Dritte Reich sei ein Fliegenschiss in der deutschen Geschichte. Da hätte ich kotzen können! Die Menschheit ist ein Fliegenschiss in der Geschichte der Erde und das ist tatsächlich... Tatsache.

Navigator: Euer letztes Album war eine Art Remake oder eine Neuaufnahme eures ersten Albums, aber es gab noch sehr viele Songs die mit befreundeten anderen Sängern gemacht wurden, wie zum Beispiel "Die glorreichen Sieben"mit sechs anderen Folksängern, unter anderem Teufel (Tanzwut). Wie seid ihr darauf gekommen? Habt ihr euch auf Bühnen kennen gelernt?

Jean: Ich kann es gar nicht mehr genau sagen, wie wir darauf gekommen sind, aber auf jeden Fall war die Idee da. Diese CD ist ja, wie du sagst, nen Remake, also einmal zurück zum Anfang, gucken wo kommen wir her, was haben wir damals gemacht, wie würden wir das Ganze heute machen. Also die erste Platte von uns, die fanden wir alle immer noch geil, aber wir wollten das Ganze noch mal im neuen Kleid haben und haben uns dann mit den alten Sachen noch mal beschäftigt und in dem Zuge natürlich mal Revue passieren lassen, wo kommen wir her, was ist denn über die Jahre passiert, mit welchen Leuten hat man zusammen gearbeitet, mit wem hat man gerne Bühnen geteilt und so weiter. Und die wollten wir dann als krönenden Abschluss noch einmal auf der Platte dabei haben. Deswegen haben wir ein eigenes Lied dafür geschrieben und das "Die glorreichen Sieben" genannt.

 

Navigator: Speziell geschrieben für die Charaktere sozusagen?

 

Aello: Es ist speziell für diese Platte geschrieben, um einfach dieses Gemeinschaftsgefühl noch einmal zu zeigen, das sowohl in der Szene als auch unter den Musikern an sich besteht. Es gibt sicher noch mehr Leute, mit denen wir gut zusammen gearbeitet haben, aber mit denen auf jeden Fall ganz besonders.


 

Navigator: Aello, du hast mal in einem Interview gesagt, was du dir für die Zukunft wünschst ist, weiterhin mit der Band als Freunde zusammen zu bleiben. Was glaubt ihr, wie ist diese tiefe Freundschaft unter euch entstanden?

Aello: Das reift, würde ich sagen. Also es sind ganz viele von uns, die schon ewig befreundet sind. Und wir hatten ja auch einige Besetzungswechsel und so weiter, einige Leute sind gegangen, es sind neue Freunde hinzugekommen. Und wir haben jetzt aber so nen Punkt erreicht, wo ich zumindest sage - ich weiß nicht, wie's euch geht- der Höhepunkt der bandinternen Harmonie naht jetzt. Das zeigt sich auch gerade, wir machen gerade ein neues Album. Das zeigt sich in allem was wir gerade tun, dass das einfach super harmonisch und Hand in Hand läuft. Und das trotz allem Business, der Firma, der Buchhaltung, allen anderen Arbeiten, die eigentlich nichts mit Freundschaft zu tun haben, dass man sich trotzdem versteht und dass sich eins nicht mit dem anderen irgendwie beißt. Das ist ganz schön. Also das ist auch wichtig, also wenn wir keine Freunde wären, würde das Ganze keinen Spaß mehr machen. Mehr kann ich dazu gar nicht sagen.

 

 

Navigator: Habt ihr noch irgendwas für die Zukunft, neues Album jetzt, also neue Songs oder...?

 

Jean: Ja. Ja, also das Letzte war wie gesagt nen Remake, dieses Mal machen wir alles neu. Es wird kommen, bald irgendwann...

 

Aello: Nächstes Jahr im Sommer.

 

Jean: ... nächstes Jahr im Sommer!

Navigator: Also ihr könnt jetzt Werbung machen für alles, was ihr haben wollt.

Aello (lacht): Also wir können noch ne Menge erzählen. Neues Album nächstes Jahr im Sommer. Sehr viele, sehr große, sehr geile Festivals. Ne eigene Tour nächstes Jahr. Frühjahr wir noch ein bisschen so... da ist dann das Wacken Winter Nights und solche Geschichten. Wir müssen noch ein paar Musikvideos drehen und noch ein paar Sachen fertig machen vorm Plattenrelease. Und dann ab Sommer knallts! Wir haben extra auch dieses Remake gemacht, um halt auch so'n bisschen die Leute nicht zwei Jahre im Regen stehen zu lassen, weil wir uns die Zeit auch nehmen wollten. Wir haben echt sieben Jahre durchgeballert und wir waren auch ein Stück weit kaputt. Jetzt haben wir aber neue Kräfte, quasi uns ausgeruht, privat alles auf die Reihe gebracht und jetzt sind wir voll Power und jetzt geht's richtig ab. Also nächstes Jahr wird alles... alles neu, alles geil.

Jean: Wir haben uns endlich mal wieder damit beschäftigt, was wir eigentlich machen und zwar ist es ja Musik machen. Neben der ganzen Arbeit, die so ne Band nebenbei noch mit sich bringt, muss man immer aufpassen, dass genau das, was nämlich die Kunst ist, nicht auf der Strecke bleibt. Und deswegen gab es ein Remake. Und wir haben uns wirklich Zeit genommen, um ausführlich an neuen Songs zu arbeiten und die gibt es nächstes Jahr.

Aello: Ich glaube, das nächste Album wird tatsächlich, das klingt so nach Platitüde, aber das nächste Album wird tatsächlich das authentischste Album, was Harpyie je gemacht hat. Weil wir nämlich explizit darauf geachtet haben, dass all unsere Wünsche, Interessen in diesen Liedern auch tatsächlich berücksichtigt werden. Nicht irgendwie nur zwei Songwriter, die das ganze Album geschrieben haben und der Rest spielt das ein. Oder wir haben nicht gesagt "Ja wir möchten mal wieder ein Mittelalter Album machen oder ein Schlager-Mittelalter Album, wo das gerade so in ist, weil wir da mehr Leute mit kriegen". Sondern wir machen jetzt ein Harpyie-Album. Podargo-, Kayran-, Mechthild-, Jean- und Aello-Album quasi, das wird das jetzt.

 

Navigator: Ich bin sehr gespannt und werde das natürlich verfolgen und darüber berichten.


 

Navigator: Wenn ihr heute bestimmen könntet, was auf eurem Grabstein steht in einer weit entfernten Zukunft, was würdet ihr drauf schreiben?

Jean (lacht): Irgendeinen ganz schlechten Flachwitz, der mir jetzt gerade nicht einfällt, auf jeden Fall.

 

Aello: "Hier könnte Ihr Name stehen!" Oder "Geh weiter, hier gibt es nichts zu sehen!"

 

Navigator: Ich glaube, das hatte Malte von Incantatem auch gesagt.

Jean: "Hier ruhen meine Gebeine. Ich wünschte es wären deine." (allgemeines Gelächter) Das ist nicht von mir.

 

Aello: Aber das ist großartig!

Navigator: Ich habe mitbekommen, dass ihr nach dem Chemnitz-Vorfall auch ein #wirsindmehr in euer Band-Profil mit aufgenommen habt. Daraufhin haben angeblich, soweit ich das gelesen habe, Fans gedroht, ihre CD's von euch zu verbrennen. Wie kommt es, dass Fans, die anscheinend in die nationale Ecke gehören, euch dann da mit reinstellen? Kam mir überhaupt nicht in den Sinn, weil ihr textalisch gar nicht da reinpasst.

Aello: Also was man ganz klar sagen muss, wir sind einfach keine politische Band! Wir haben nie damit tatsächlich irgendwie kokettiert, wo wir uns politisch positionieren, und wir machen keine Texte in diese Richtung, wir machen gar nichts in diese Richtung. Es gibt Momente, wo Fresse halten das falsche Zeichen ist. Dann sagt man damit nämlich auch was aus, wenn man nichts sagt. Und das war dieser Moment. Wir haben gepostet, was uns wichtig ist, und das ist halt Freiheit und Gleichheit. Das ist uns sehr wichtig. Damit sind wir noch lange keine linksradikalen Steineschmeißer, wie viele darunter geschrieben haben. Und ich glaube auch nicht, dass man uns jemals... also jeder, der ein bisschen auch hätte merken können, dass wir uns in der rechten Ecke irgendwie aufhalten, das ist auch völlig an den Haaren herbeigezogen. Wir hatten das Bedürfnis, Menschlichkeit an der Stelle zu zeigen. Und heutzutage wirst du sofort, wenn du sozusagen solche antirassisstischen Sachen unterstützt, bist du sofort links. Wir sind nicht links. Wir sind ne ganz liberale Truppe, das muss man halt einfach mal so sagen. Viele finden das zu glatt, aber nee, wir versuchen alles zu sehen und zu verstehen. Und was wir auch momentan nicht verstehen, ist, dass die Leute nicht miteinander sprechen wollen. Ich habe nach gezählt, wir haben durch diesen Post Fans im zweistelligen Bereich verloren. Das ist viel weniger, als ich gedacht habe, aber mir trotzdem zu viel. Und da frage ich mich, warum können die nicht darunter schreiben und einfach anfangen, mit uns zu diskutieren. Ihr glaubt es nicht, wir haben sogar Freunde verloren, nach diesem Post!

Navigator: Nein, echt?

Aello: Ja. Und da zeigt sich dann einfach, dass es an ganz anderen Sachen krankt in Deutschland als an Überfremdung oder so einen Quatsch. Es fehlt an dem Willen, einfach noch mit seinem Nächsten in irgendeiner Art und Weise sich zu unterhalten. Einfach zu reden und Konflikte aus der Welt zu schaffen. Und ich habe gar kein Problem mit Menschen, die mir gegenüber treten und sagen "Ich find die AfD geil." So, ja, find ich nicht geil, und dann wird er mir sagen "Find ich des- und deswegen geil." Ich sage "Deswegen find ich's nicht geil." Aber ich würde niemals erzählen wen ich wähle das ist auch Privatsache. Aber ich will reden! Und ich glaube, dass es das absolut falsche Zeichen ist, sich gegenseitig die Freundschaft zu kündigen und nicht mehr miteinander zu reden. Das führt nur zu einer Spaltung und Spaltung führt zu nichts.

Navigator: Ich war sehr überrascht, wie die Reaktionen waren.

Aello: Wir auch, ja, wir hatte damit gar nicht gerechnet, weil ganz ehrlich, der Post selber war in keinster Weise irgendwie gewaltverherrlichend oder irgendwie so. Wir haben gesagt, wir sind für Gleichheit und Freiheit und wer mit Nazis mitmarschiert, der zerstört dies. Damit meinten wir dieses Gut: Gleichheit und Freiheit, und nicht die Nazis. Aber es ging nicht darum jemanden zu zerstören, sondern nur darum, dass diese Werte zerstört werden, nicht diese Menschen. Und das war kein linker Post.

Jean: Es waren im Endeffekt aber die lauten Leute. Die Menschen, die das Maul aufreißen und ihrem begründeten oder nicht begründeten Unmut Stimme geben, sind immer die, die uns auffallen. Die zehnfach so viele sindund einfach genau so wie wir ein stilles Statement abgeben, was nicht immer klappt, aber was eigentlich der Standpunkt ist, der zählt. die registriert man leider weniger als die Leute, die lautstark auf der Straße stehen und schreien.

 

Aello: Opa hat immer gesagt "Die Faulen und die Dreißten schreien am meisten."

 

Jean: Und ein nicht alltägliches Satzkonstrukt im Internet zu lesen, nur weil es Satzzeichen enthält, und das Ganze nicht richtig zu verstehen, heißt nicht unbedingt, dass der Autor falsche politische Gedanken hat. Das ist auch noch eine Frage des Intellektes.

 

Aello: Das möchte ich da bitte drin stehen haben. Das ist ein gutes Schlusswort, muss ich sagen.


 

Navigator: Wir werden es so schreiben! Danke für eure Zeit!

Interview von  Brina & Alex

Bilder Brina

Quelle You Tube