Interview mit Incantatem

Quelle: Incantatem Credits Sara "Ryu" Grünert, Fotodrache

Interview mit Incantatem am 18.08.2018 auf dem Feuertal Festival Wuppertal

 

Incantatem ist eine junge Folk-Metal Band aus Hamburg. Seit 2012 machen die 5 Freunde Musik und haben dieses Jahr ihr erstes Studioalbum Animus et Anima veröffentlicht. Alex und Brina hatten die Ehre die Bandmitglieder nach ihrem Auftritt auf dem Feuertal Festival zu treffen und ihnen ein paar Fragen zu stellen. Lediglich die Wespenplage, die sich diesen ganzen Sommer nun schon hinzieht, störte das Interview etwas und führte zu einigen ungewollten verbalen Ausbrüchen, welche ich natürlich rausgeschnitten habe.

Navigator: Ihr seid als Band eine Besonderheit denn ihr habt 2 Cellistinnen.

Mella: Jein, ich spiele ja vorzugsweise Bass. Nur im Akustikset spiele ich auch Cello.

Navigator: Wie habt ihr euch denn kennen gelernt?

Mella: Wir uns alle? Oh Gott, das war 2012. Ich habe nach 3 Jahren Bandabstinenz online gesucht. Thomas und ich sind noch die einzigen verbliebenen Gründungsmitglieder. Johanna kannten wir damals von Vogelfrey. Chris hatte irgendwann die Schnauze von seiner Band voll und hat mein Gesuch gelesen, und Malte haben wir glaube ich zuletzt gefunden, oder?

Malte: Ne, ich kam nach Chris und als letztes kam Johanna dazu. Ich war ganz lange als Solist, als Solosänger, unterwegs und ich habe mir dann gedacht es wäre ja auch mal wieder schön mit einer Band unterwegs zu sein und nicht immer nur alleine auf Tour zu gehen. Dann habe ich den Aufruf bei Facebook gesehen und dachte mir, ach die sehen ja lustig aus und deswegen frag ich einfach mal.

 

Navigator: Euer erstes Studio Album heißt Animus et Anima. Diese Begriffe bezeichnen Archetypen aus der analytischen Psychologie. Studiert jemand von euch Psychologie und warum habt ihr diesen Titel gewählt?

Mella: Niemand aber ich bin selber ein fucking Psycho!

Thomas: Bestätige!

Mella: Ich interessiere mich einfach sehr für Psychologie. Ich bin keine große Anhängerin von Freud aber dafür umso mehr von Jung. Diese Archetypenlehre fand ich so spannend. Eigentlich hätte das Album ja ganz anders heißen sollen. Es sollte eigentlich „Von Schwarz und Weiß“ heißen. Wir wollten schon mit diesem Kontrast spielen, das Problem war allerdings das Saltatio Mortis, meine ich, zu dem Zeitpunkt ihr Best Of Album rausgebracht hat und zwar mit einem ähnlichen Namen. Da dachten wir uns: es ist zwar eine große Band und wir wollen uns sicherlich nicht mit ihnen messen aber es wirkt schon recht merkwürdig, so nachgemacht. Dann kam es halt dazu, dass wir diesen Titel gewählt haben. Ich habe viel Überzeugungsarbeit geleistet und viel erzählt.

Malte: Die Songs handeln thematisch auch von den Abgründen der menschlichen Seele und dadurch passte der Titel einfach.

 

Navigator: Der Song „Spring Püppchen“ hat uns zu reger Diskussion bewegt. Bezieht sich dieser auf das Anima in uns?

Mella: Nicht nur Anima!

Navigator: Natürlich, ich frage deswegen nach dem Anima weil eine männliche Stimme singt. Ich stelle die Frage also um und frage nach Anima und Animus.

Malte: Das liegt nur daran das ich ein Mann bin aber es ist sicherlich nicht geschlechtsspezifisch gemeint. Also eigentlich geht es um Arschkriecher in dem Lied. Um Menschen die dir alles versprechen und dir bei der Umarmung noch das Messer in den Rücken stechen. Sie ziehen die Fäden im Hintergrund und du merkst gar nicht wie sie dich manipulieren.

Thomas: Das beschreibt eigentlich ganz gut eine Bandprobe von uns!

Navigator: Und wer ist dann bei euch der Fädenzieher?

Malte: Das bleibt halt verborgen.

Navigator (Brina) : Hm, Alex…da haben wir wohl wieder etwas zu viel rein interpretiert!

 

Navigator: Der Mittelteil von „Spring Püppchen“ kommt mir sehr bekannt vor ich glaube aus einem Lied von In Extremo. Ist das ein Dudelsack mit dem das Zwischenstück gespielt wird?

Mella: Das Stück, was du meinst, ist vom Dudelsack gespielt und es ist ein traditionelles mittelalterliches Stück: „Ai vist lo lop, lo rainard, la lèbre“. Diese Traditionals hörst du bei vielen Mittelalterbands. Wir hatten uns eines rausgesucht, was noch nicht so totgehört ist wie z.B. Bärentanz oder so.

 

Navigator: Thomas, im Video zu „Leben“  sieht man dich Motorrad fahren und dann heim kommen zu einem Kind. Ist es wirklich dein Kind im Video?

Thomas: Ja, das ist mein Sohn. Meine Frau wollte allerdings nicht, dass man sein Gesicht sieht.

 

Nativator: Deinen anderen Sohn haben wir ja schon kennengelernt am Merchstand. Also spannst du deine ganze Familie mit ein. Das finde ich klasse.

Mella: Kinderarbeit ist verboten Thomas!

Thomas: Ne, das ist keine Kinderarbeit.

Navigator: Stimmt, sie werden ja nicht bezahlt!

 

Navigator: Thomas, warum hast du dein Motorrad mit lila Plüschfell überzogen?

Thomas: Das mache ich eigentlich schon seit vielen Jahren. Angefangen hat es damit, dass ich das Armaturenbrett meines Autos mit selbstklebendem Kuhfell überzogen habe, das gabs damal noch bei Quelle.

Malte: Quelle? Ich glaub als ich eingeschult wurde haben die zugemacht!

(Alle lachen)

Malte: Thomas ist halt der Älteste von uns.

Thomas: Auf jeden Fall hab ich angefangen meine Motorradteile selbst zu bauen und weil ich keinen Bock hatte das alles glatt zu schleifen und zu lackieren hab ich halt einfach das Fell drüber gezogen. Inzwischen hab ich sogar ganz viele Leute getroffen die das auch machen: Die Fellies oder auch Fell Fighter und Fellfresse heißt ein Club dazu in Wismar.

Mella: Da müssen wir unbedingt auch mal spielen!

Malte (scherzt): Guten Abend liebe Fellfressen….

 

Foto by Thomas

Navigator: Euer Song „Leben“ spielt sich thematisch eher in der heutigen Zeit ab und enthält viel Sozialkritik sowie auch das Video zum Song. Warum war es euch ein Bedürfnis, außerhalb des oft eher  „mittelalterlichen Folks“ aktuelle Themen wie gesellschaftliche Verrohung und Smartphonesucht zu verarbeiten.

Mella: Das haben wir schon immer gemacht. Uns war schon immer an Sozialkritik gelegen und Maltes Job ist es das Ganze in Lyrik zu verpacken. Das hatte sich halt auch angeboten. Wir hatten mit dem Label abgesprochen, das wir zwei Videos auf den Markt bringen im Rahmen der Promotion. Wir mussten die Videos jedoch selbst machen und daher sind es Low Budget Videos. Da mussten wir uns gut überlegen was wir machen können.

 

Malte: Wir haben eigentlich für jeden von uns eine Geschichte gemacht, die für denjenigen besonders wichtig ist in unserer heutigen Welt. Also alles was uns bewegt, freut oder stört…… wie zum Beispiel WESPEN!!!! (Malte schlägt nach 2 Wespen die versuchen das Bier von seinen Lippen zu trinken)

 

Navigator: Ach Wespen….ich hatte zuerst Lesben verstanden!

 

Malte: Nein, Lesben meinte ich jetzt nicht! Ich meine…..Ähm….bitte lass uns weitermachen!

Quelle: Incantatem Credits Sara "Ryu" Grünert, Fotodrache

Navigator: Wie kamt ihr dazu das Lied „Die Seemannsrose“ von Oomph zu covern?

 

Malte: Das ist glaube ich einer unserer Lieblingssongs von Oomph. Fast alle von uns sind Oomph Fans.

 

Chris: Zudem lief das Lied immer wenn wir zusammen mit dem Auto gefahren sind.

 

Malte: immer wenn wir zur Probe gefahren sind oder auf Tour waren lief mindestens einmal Seemannsrose und alle singen laut mit! Zudem sind wir alle entschlossene Gegner der Homophobie!

 

Navigator: Alex und ich haben uns das Lied beim Recherchieren im Büro angehört und haben uns totgelacht.

 

Mella: Malte hat den Text ja noch etwas abgehändert, habt ihr das bemerkt? …“Ich greif dir in die Unterhose……“

 

Malte: Eine Textzeile hab ich tatsächlich geändert, weil ich das dann noch lustiger fand. Oomph möge uns verzeihen.

 

Navigator: Der Song „Kein Zurück“ hat uns ebenfalls sehr lange beschäftigt. Kann es sein, dass der Song eine SM-Beziehung thematisiert?

Malte: Da ich den Text geschrieben habe: Nein! Jeder von uns hat schon mal das Bedürfnis verspürt Rache zu nehmen und in diesem Song geht es darum, dass jemand es auch mal auslebt und diesen Abgrund in der Seele auch einfach mal freizulassen.

Mella: Man kann natürlich den Bogen zu SM spannen….

 

Malte: Ja, kann man.

 

Navigator: Ich kam da drauf wegen des Wortes „Liebesspiel“.

 

Malte: Es liegt im Auge des Hörers.

 

Thomas: Es liegt im Auge des Hörers????

 

Navigator: Oder im Ohr des Betrachters!

 

Navigator: Thomas, im Video Tourtagebuch „Hörnerfest“ isst du etwas. Was ist das für ein merkwürdiges, langes, braunes Ding das du da isst?

Thomas (lacht): Das ist einfach ein 1 Meter langes Wassereis!

 

Navigator: Wir dachten zuerst es sei eine riesige Wurst oder ach, keine Ahnung…..wir haben auf jeden Fall sehr lange spekuliert was das denn sein könnte.

 

Chris: Frozen Wurst!

 

 

Navigator: Ihr seid noch eine recht junge Band, welche Vorbilder habt ihr und welche Band würdet ihr gerne einmal supporten?

Malte: Jung, ja…bis auf Thomas!

Mella: Supporten? Alle!!!

Thomas und Malte: Subway to Sally!

Mella: Obwohl Powermetal.de hat ja geschrieben, dass wir so seichte Musik machen, dass wir als Santiano Vorband geeignet wären.

Malte: Würd ich auch machen.

Mella: Daraufhin hab ich das bei Facebook ein bisschen thematisiert und Santiano auch getaggt und Santiano haben auch darauf geantwortet. Vielleicht melden die sich ja noch, das wäre ziemlich cool.

 

Malte: Also grundsätzlich haben wir da keine Favoriten. Alle Musiker die wir bisher kennengelernt haben sind super kollegial und wir sind mit allen gut ausgekommen.

 

(wieder werden wir von Wespen umschwärmt)

Navigator: Sagt mal, habt ihr die auf der Bühne auch gehabt?

Chris: Ja klar, ich hab eine sogar weggemoscht!

Malte: Ja sicher, ich hab sie immer weggewedelt…so gut es ging.

 

 

Navigator: Wie sind eure Pläne für eure musikalische Zukunft?

Thomas: Überleben!

Malte: Wir haben jetzt noch einen schönen Auftritt, nächste Woche, bei dem Eric Fish Fantreffen und dann geht’s ans Songwriting. In langsamen, ruhigen Schritten in Richtung Album Nr. 2. Wir wollen zudem noch ein Video machen, zu dem aktuellen Album.

Mella: Fakt ist, seitdem wir im Studio waren hatten wir gar keine Zeit mehr großartig Songwriting zu betreiben. Wir arbeiten oder studieren alle und fahren derzeit von Gig zu Gig. Da war einfach keine Zeit mehr übrig.

 

Malte: Wir beschäftigen uns auch viel mit dem Thema Booking zurzeit. Wir versuchen noch diverse Festivals zu bekommen und vielleicht auch eine kleine Tour. Natürlich jetzt nicht gleich mit 300 Konzerten aber schon so dass wir im Live Gespräch bleiben und nicht einrosten. Da suchen wir im Moment auch noch etwas Unterstützung durch eine Booking Agentur…Also wenn du das liest und du hast eine Booking Agentur dann komm gerne auf uns zu.

 

 

Navigator: Wenn ihr euch heute aussuchen könntet, was in einer hoffentlich weit entfernten Zukunft auf eurem Grabstein stehen sollte, was würdet ihr ihn sagen lassen?

Chris: Also ich nehm ganz sicher: Guck nicht so doof, ich wär auch gern woanders!

Johanna: She drove her body like she stole it!

Mella: Man kann Mella aus Billstedt holen aber nicht Billstedt aus Mella. Zur Erklärung, in Hamburg gibt es einen sozialen Brennpunkt der heißt Billstedt und da komme ich her. Angeblich merkt man das.

 

Malte: Bin zu Tisch, in dringenden Fällen wählen sie bitte die Hotline.

Oder: Na und?

 

Thomas: ich glaub ich nehm die 3 Grabsteine. Auf einem steht: hier liegt der Hütchenspieler und auf den andern beiden: oder hier.

 

Mella: Ein klassischer Thomas!

 

Malte: Werden wir ja bald feststellen, du bist sicherlich der erste von uns!

 

Thomas: Ich hab auf jeden Fall schon eine Setlist für meine Beerdigung.

 

Mella: Bestimmt Knorkator: Wir werden alle sterben!

 

Thomas: Nein, was ganz Trauriges damit ihr alle weinen müsst!

 

Malte: Britney Spears: Ups I did it again!

 

Johanna: Nein, Thriller!

Vielen Dank für eure Zeit und die großartige Show!

 

PS: Im Nachgespräch:

Thomas: Ich werd hier immer unterdrückt!

Mella: Ist doch gar nicht wahr! Jetzt halt die Klappe und komm mit!

Navigator: Darf ich das zitieren?

Mella und Thomas: Natürlich!!!!

Quelle: YouTube

Interview von Alex und Brina