Kulttempel Oberhausen

Am 10.05 zog es mich nach Oberhausen. Ich hatte einen Termin im Kulttempel mit Peter Jurjahn. Ich fühlte mich schnell zu Hause. Enge Bauten, viel Beton, laut. Ich war im Ruhrpott angekommen. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Kulttempel gut zu erreichen. Direkt an der Straße ist eine Haltestelle aber auch mit dem Auto findet man genug Parkplätze vor. Da ich nicht das Konzert, sondern die Lokation in den Vordergrund rücken wollte, suchte ich ein Konzert aus, deren Band wir bereits im Magazin hatten. Bei einem kurzen Blick über die Angebote sprangen mir gleich die Grailknights ins Auge. Ich würde lügen wenn ich sagen würde mir sei die Band total egal, denn sie sind nun mal eine meiner Lieblingsbands, dennoch wollte ich mir den Kulttempel ganz genau ansehen. Im Eingang fielen mir die Steinmauern und der wundervolle Kronleuchter auf, der den Bereich über der Garderobe ziert. Die eigentliche Halle schien mir die perfekte Größe zu haben. Über der Bühne und an den Seiten befinden sich riesige Bilder, die aussehen wir Kirchenfenster. Der Dachstuhl beherbergt, neben den Licht und Tonaufbauten noch alte Fachwerkbalken, welche den Raum größer und erhabener wirken lassen. In der Mitte befindet sich die Bühne mit jeweils einer Backstagetür auf der linken und rechten Seite. Dies kann bei den Auftritten praktisch genutzt werden, an diesem Abend zum Beispiel von Dr. Skull.

Knapp vor der Bühne befindet sich ein großes Holzkreuz mit einer Skelettfigur. Eine wundervolle Arbeit die dem Thema Tempel den letzten Schliff verleiht. Links gibt es eine große Bar und rechts nochmal eine kleinere. Davor gibt es eine große Fläche für den Merchstand genutzt wurden.

Die Toiletten waren sauber und wirkten mit ihren Meltallverzierungen eher futuristisch. Während Bühnenvorraum und Tanzfläche komplett frei sind, gibt es hinten Stehtische/Fässer und Barhocker im klassischen Dunkelbraun.

Der Kulttempel hat auch noch eine Galerieebene. Diese war an dem Abend für Besucher gesperrt aber ich durfte mich umsehen. Der Treppenaufgang wurde mit Wandleuchten ausgeleuchtet und führte vorerst auf einen riesigen Totenschädel zu. Kurz vor einem Headcrash mit dem Schädel bog man allerdings rechts ab und war nun auf der zweiten Ebene. Die obere Bar war eher im Beachclubstil gehalten.

Ich suchte nun meine Verabredung. Ich trat vorsichtig an eine Gruppe lachender Menschen heran und fragte nach Peter. Dieser stand auch in der Gruppe, allerdings kannte ich ihn nur von einem Foto und erkannte ihn nicht sofort. Er bat mich darum, das Interview auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.

Ich stellte mich also an eine Stelle an dem ich den Vorbereitungen nicht in Weg stand und notierte mir gewissenhaft Einzelheiten in mein Buch. Ein paar Minuten später kam Peter auf mich zu und entschuldigte sich für seine kurz angebunden Worte. Er erklärte mir, dass einer seiner Mitarbeiter schwer erkrankt sei und nun überraschend vorbeigekommen war, nachdem er sich wieder etwas erholt hatte. Für Peter war es eine wundervolle Überraschung ihn wieder zu sehen.

Ich war von seiner Fürsorge für seinen Mitarbeiter sehr gerührt und verzieh natürlich sofort den etwas schroffen Empfang. Ich sagte zu das Interview einfach nach dem Konzert zu führen.

Die Grailknights haben an diesem Abend den Saal gerockt Es war eine riesen Party und ich habe wundervolle Bilder  und Kurzvideos vom Auftritt machen dürfen. Ich freute mich sehr, dass ich nach dem Konzert noch kurz mit Duncan McLoud und Sir Optimus Prime sprechen konnte. Auch ließ ich es mir nicht nehmen, mir noch einen Grailknightsaufnäher für meine Handtasche zu kaufen, bevor ich wieder auf Peter zutrat. Wir gingen in ein Nebengebäude in dem so etwas wie eine Besprechungsecke war und führten dort unser Interview. Danach plauderten wir noch etwas bevor Peter wieder seinen Pflichten nachkommen musste. Ich halte Peter für einen aufgeschlossenen, ursympathischen und herzlichen Menschen. Ich fühlte mich ihm sofort verbunden durch seine Liebe zur Musik, welche ich auch teile. Sein Konzept, seine Einstellung zu seinen Mitarbeitern und die Ruhe und Gelassenheit die er ausstrahlt haben mich beeindruckt. Warum und was genau mir so gut gefallen hat, könnt ihr im Interview unten nachlesen.

Ich kann den Kulttempel in allen Kategorien empfehlen! Ich hoffe sehr, dort noch einmal ein Konzert dokumentieren zu dürfen.

Auf einen Blick

Adresse:

Kulttempel Oberhausen
Mülheimer Straße 24

Oberhausen

Kontakt: https://www.kulttempel.com

Typ: Tanz- und Nachtclub mit Partys und Live Konzerten

Genres: Metal, Gothic, Punk, 80s

Bewertung

Erreichbarkeit 5/5

Preise 3/5

Ambiente 4/5

Programm 5/5

Künstlerfreundlichkeit 5/5

Größe 3/5

Interview mit Peter Jurjahn

Navigator: Lieber Peter, wie mir erzählt wurde, bist du eigentlich Bergmann von Beruf. Wieso hast du dich dafür entschieden deinen alten Beruf aufzugeben und nun zwei Clubs zu leiten?

Peter: Bereits während meiner Lehre zum Bergmann habe ich immer schon nebenbei in Diskotheken gearbeitet, um noch ein wenig dazu zu verdienen. Auch in den Jahren, in denen ich als Bergmann gearbeitet habe, hat es mich immer wieder zurückgezogen in die Diskotheken. Irgendwann blieb ich dann dabei und organisierte Konzerte. Das war zu den Old Daddy Zeiten in Oberhausen und danach war ich auch noch im Blue Moon. Dazwischen gab es dann wiederum  Zeiten in denen ich nur sehr wenig in diesem Bereich gearbeitet habe, teilweise sogar gar nicht mehr. Ich habe die Technikerschule besucht und meinen Ingenieur gemacht. Danach war ich auch noch in der Steigerschule. In diesem Zeitraum musste ich mich voll auf meinem Beruf konzentrieren.

Als dann die Turbinenhalle eröffnete, sprach mich der damalige Besitzer Edgar Engel darauf an, ob ich nicht wieder etwas mit organisieren könnte. Ich habe mir gesagt, für ein oder zwei Monate könnte ich das ja nochmal machen und ein wenig aushelfen. Aus diesen zwei Monaten wurden dann 10 Jahre. Irgendwas hat mich dort immer festgehalten.

Die Zeit der Großraumdiskotheken ging jedoch zu Ende und die kleinen Läden machten überall auf. Ich fing dann in Duisburg an mit dem Old Daddy. Das lief sehr gut, also entschied ich mich die Immobilie zu kaufen. Ich machte dann erstmal dort weiter und es lief immer noch gut. Dann kaufte ich hier die Immobilie dazu und so langsam kam die Idee in mir auf, mein Hobby zum Beruf zu machen. Als der Entschluss endgültig fiel, hörte ich beim Bergbau auf, ein paar Monate vor meiner Rente.

 

Navigator: Hast du diesen Entschluss jemals bereut?

Peter: Nein, habe ich nicht! Keineswegs. Der Gedanke mit 48 Jahren nur noch zu Hause zu sitzen und nichts zu tun, das konnte es nicht sein für mich. Ich habe hier alles wieder aufgebaut, die Konzerte organisiert und das Konzept von früher einfach wieder eingeführt und nun macht es mir sehr viel Spaß.

 

Navigator: Auch wenn es mal sehr stressig wird?

Peter: Ja, es ist sehr stressig. Das Diskoleben ist definitiv nicht leicht. Es gibt immer etwas zu organisieren und zu verbessern und Probleme tauchen überall auf.

 

Navigator: Das Old Daddy in Duisburg interessiert mich auch. In meiner Heimatstadt Haltern am See gab es auch mal eine Disko die Old Daddy hieß. Gibt es da Zusammenhänge?

Peter: Oh ja. Es gab früher insgesamt drei Old Daddys, eines in Sterkrade in Oberhausen, eines in Duisburg und eines in Haltern. Alle hatten den gleichen Besitzer, den Edgar Engel. Ihm gehörten zudem das Blue Moon und die Turbinenhalle. Irgendwann ging es ihm nicht mehr so gut und er hat alle Diskos verloren.

 

Navigator: Das Old Daddy in Duisburg gibt es aber noch oder?

Peter: Das gibt es noch. Aufgrund der von Namensrechtstreitigkeiten durfte ich das damals nicht benutzen, aber nach Jahren des Streites habe ich nun wieder meine Rechte an dem Namen und daher gibt es das Old Daddy noch in Duisburg und das ist auch gut so!

 

Navigator: Du hast das Konzept immer beibehalten?

Peter: Das Konzept ist jetzt wieder genauso wie es früher auch war. 10 Jahre zuvor hieß es noch Kultkeller, da hatten wir am Samstag die Schwarze Szene. Im Daddy gab es das früher so nicht, dort war es immer eher rockig. Es gab auch schwarze Veranstaltungen dazwischen, jedoch blieb der Hauptkern immer rockig. Ich habe dann die Schwarze Szene an einem Tag komplett bedient und das hat 10 Jahre hervorragend funktioniert. Der Keller war durchweg gut besucht. In diese Zeit war die Cyber Szene sehr stark. Für mich eine sehr liebe Szene aber leider von vielen nicht gewünscht. Einige Clubs machen heute sogar Werbung damit: „Kein Cyber“ Die schwarze Szene hat nun mal auch einen Wandel durchlebt und wie in jeder Szene fehlt auch hier der Nachwuchs. Früher kam der Nachwuchs aus den Alternativen Szenen und ging dann in die Metal Szene, die Rock Szene oder die Gothic Szene hinein. So ist es leider nicht mehr und daher sind die Zeiten schwieriger geworden.

 

Navigator: Das Mera Luna Festival hat die beiden Gruppen ja einfach getrennt. Elektro/Cyber/EBM in den Hanga und Gotic /Gothic Rock auf die Hauptbühne. Ist das nicht auch ein Konzept für eine Disko?

Peter: Doch so machen wir es auch. Wir bedienen alle Szenen und das müssen wir auch. Von einer Szene allein kann man einfach nicht leben! Daher ist der Kulttempel einfach kunterbunt gemischt und die Leute sind einfach gezwungen auf die Internetseite zu schauen, was heute läuft. Man kann nicht einfach nach Lust und Laune hinfahren und mit der passenden Szenemusik rechnen.

 

Navigator: Nehmen die Leute das denn an?

Peter: Das funktioniert ganz wunderbar! Nur hat dieses „Wunderbar“ eben mit viel Arbeit zu tun. Das muss man einfach lieben und wenn man das nicht liebt, dann sollte man das besser sein lassen.

 

Navigator: Die Musik Szenen wachsen einem dann doch auch ans Herz, oder?

Peter: Jede einzelne Musik Szene wächst einem ans Herz. Den Bands geht es doch genauso! Wenn sie das nicht mehr tragen wollen würden, würden sie aufhören auf die Bühne zu gehen. Einige stehen seit 30 Jahren auf der Bühne und sind noch genauso aktiv wie am Anfang. Ich denke, es gibt nichts Schöneres als sowas zu sehen. Das merkt man auch am Publikum. Diese Freude an der Musik wird vom Publikum honoriert und geteilt. Es gibt für mich nichts Schöneres zu sehen, als eine Band, die nach so langer Zeit immer noch ihr Publikum so begeistern kann.

 

Navigator: Was hast du denn 2019 noch vor? Steht irgendwas Besonderes an?

 

Peter: Oh 2019 steht noch viel an aber das werde ich noch nicht verraten! (lacht)

 

Navigator: Och, bitte….

 

Peter: ich sag es mal so. 2019 sind viele, viele Konzerte auf die wir uns freuen. Wir sind jetzt aber auch schon dran 2020 zu verplanen, da sind wir jetzt im Herbst mit der Planung. 2019 ist schon komplett ausgebucht. November-Dezember liegen wir im Schnitt bei 20 Öffnungstagen im Monat. Eigentlich sind 8-10 Öffnungstage normal. Dafür braucht man natürlich auch viel Personal und das liegt mir sehr am Herzen. Ohne gutes Personal läuft gar nichts!

Navigator: Wie ich vorhin mitbekam, liegt dir das Personal wirklich am Herzen.

Peter: Es gibt leider Krankheitsfälle und auch mal schwerere. Manche Persönlichkeiten hier sind einfach nicht zu ersetzen. Die Arbeitskraft kann man austauschen aber den Menschen mit all seinen Eigenschaften nicht. Diese Menschen sind nun mal…..

 

Navigator: Familie?

Peter: Ja, Familie! Jeder Einzelne der hier ist, passt sich an oder es geht nicht zusammen aber diejenigen die passen, die sind Familie.

 

Navigator: Worauf freust du dich denn besonders?

 

Peter: Mir liegen alle Bands am Herzen. Für mich ist wichtig, dass die Leute reinkommen und Spaß haben, dass die Bands Spaß haben, dann sind wir auch glücklich und zufrieden. Egal ob der Laden voll ist oder nur halbvoll.

 

Navigator: Da dann wart ihr heute Abend ja alle sehr glücklich und zufrieden!

 

Peter: Das war super! Das war wieder etwas ganz anderes, eine ganz andere Szene und es war…ja doch, es war perfekt.

 

Navigator: Vielen Dank für diese spannenden Einblicke!

Bericht von Brina