M´era Luna 2019

Foto by: Frank Embacher

20 Jahre gibt es das M´era nun schon. Mein erstes M´era Luna war 2001 und ich erinnere mich noch immer gern an diese Zeit zurück. Ich erinnere mich auch daran, dass ich zwischen den Konzerten vor meinem Zelt für meine schriftliche Führerscheinprüfung lernte. Ich konnte nicht in jedem Jahr teilnehmen, aber über 10 Mal war ich bestimmt Gast auf diesem Festival. Dass ich nun einen Bericht darüber schreiben darf, macht mich sehr glücklich.

 

Gelände und Organisation

Das M´era Luna ist gewachsen. Ca. 25.000 Besucher pro Tag wurden verzeichnet.  Die Größe des gesamten Festivalgeländes inkl. Parkflächen ist  519.000 qm (entspricht ca. 54 Fußballfeldern). Die Richtigkeit dieser Angaben haben meine geschwollenen Füße nach jedem Tag schmerzhaft bestätigen können. „Ein Königreich für einen E-Roller!“, dachte ich mir bei so manch schmerzhaftem Schritt. Ich habe natürlich keinen Einblick in die Organisation des Parkens und der Eingangskontrollen, aber vielleicht würde sich ein zusätzlicher Eingang bei Notausgang 14 lohnen.

Man sagt: “Ein Wacken ohne Schlamm ist kein echtes Wacken!“. Ich habe über die 10 M´era Lunas festgestellt: Entweder man schwimmt weg oder man staubt ein. So wurde unser Auto schon mehrfach aus dem Schlamm gezogen und manchmal war der Asphalt so heiß, dass wir unsere Konservendosen nur drauf stellen mussten, um sie zu erhitzen. Dieses Jahr war ein Staubjahr, aber es war nicht so unerträglich heiß. Eigentlich war es perfekt. Besonders am Samstag war es leicht bedeckt aber nicht kalt. Man konnte tanzen, ohne einen Kreislaufkollaps zu bekommen oder einen Sonnenstich.

Zu den wundervoll gewobenen Bändchen gab es dieses Mal auch eine nickelfreie Schmuckmünze. Einige Besucher waren von der Münze wohl etwas genervt, aber der Großteil der Reaktionen war sehr positiv. Zumindest die, die ich mitbekommen habe.

Wie auch in den Jahren zuvor habe ich das Sicherheitspersonal als durchweg freundlich empfunden. Die Sicherheitsrichtlinien sind zwar scharf, aber bei 25.000 Besuchern wohl angemessen. Durch die Smartphone App und die Homepage konnte man sich vorher ausführlich informieren, was erlaubt war und was nicht. Zudem gab es die Möglichkeit seine Sachen vorher einzuschließen, indem man ein Schließfach mietete. Man konnte auch einen halbdurchsichtigen Rucksack für 2 € am Infopunkt erwerben. Natürlich gab es auch immer wieder Beschwerden und etwas übereifrige Sicherheitsbeamte, wenn man die Kommentare auf Facebook liest. Wir hatten allerdings durchweg nur freundliche, angemessen prüfende Sicherheitsmenschen getroffen.

Die Zeltsituation kann ich dieses Jahr nicht beurteilen, da wir aufgrund gesundheitlicher Aspekte außerhalb unterkamen. Was mir allerdings zugetragen wurde ist, dass es viele Beschwerden über das sogenannte „Abflattern“ gab. Das bezeichnet die unangenehme Angewohnheit, das Flatterband zum „reservieren“ zweckzuentfremden. Ich erinnere mich, dass dies keine neue Erscheinung ist und genauso nervig wie „Handtuchreservieren“. Ich befürchte allerdings, dass es sich hierbei um ein Problem handelt, dass man nicht so einfach in den Griff bekommt, wenn man das Flatterband nicht gleich durch einen Elektrozaun ersetzen will.

Auf den großen Videoleinwänden wurden während der Umbaupausen immer wieder Tipps gezeigt. Bestimmte Tipps wie „Panama“ sind super wichtig und sollten wirklich jeden erreichen. Andere wie „Benutze Sonnencreme und trinke genug“ fand ich allerdings echt nervig. Ich denke, ein gewisses Maß an Eigenverantwortung und Intelligenz sollte doch noch vorhanden sein. Diese Warnhinweise a lá „Achtung! Wasser ist nass, Herdplatten sind heiß und Lavalampen bitte nicht einführen“ halte ich für unnötig und bevormundend. Wenn man mit Sonnenbrand dehydriert bei Gewitter einen Drachen steigen lassen will, dann wird der oder diejenige das auch machen, OBWOHL die Fernsehleinwand davon abgeraten hat. Ich weiß, es ist eine Versicherungsfrage, aber verdammt nochmal, ich glaube immer noch daran, dass man nicht alles vorhersehen und ausschießen kann und Menschen immer noch selbst denken sollten. Ansonsten bin ich für das Prinzip: Lernen Durch Schmerz (LDS). Wer am zweiten Tag aussieht, als hätte er im Solarium die „Meisterröstung“ gewählt, macht das auch nur genau einmal. Und wenn ich schon dabei bin: Das heulende Zelt, dass von rücksichtslosen Festivalbesuchern zurückgelassen wurde, spricht natürlich ein zentrales Thema unserer Wegwerfgesellschaft an. Aber es wird niemandem zum Umdenken bringen, der diese Scheißegaleinstellung hat, sondern lediglich vor sich hindösende Festivalbesucher aus ihrer genüsslichen Ruhe reißen und mir so unglaublich auf den Nerv fallen….das mir kein passendes Wort dazu ein fällt, um es adäquat zu umschreiben.

Ansonsten war das Erste Hilfe Zelt gut sichtbar und alles klar strukturiert und übersichtlich. Zudem konnte ich selbst beobachten, wie Probleme sofort angegangen wurden, sei es nun durch nervige Dieselmotoren oder Hip Hop an den Imbissständen.

Bis auf die Videoleinwände gibt es von mir ein klares „Daumen hoch“ für die Organisation.

Bilder von Brina

Musik

Natürlich gehört auf einem Musikfestival die Musik weit nach oben auf die Liste. Wir haben einige Bands ausgewählt und sie uns näher angesehen.

 

Stahlmann

Stahlmann sind dem Genre der neuen deutschen Härte zuzuordnen. Sie präsentierten sich mit silbernen Masken zu ihren harten Klängen. Musikalisch sind sie zwischen Eisbrecher und Schattenmann anzusiedeln. Als ersten Song spielten sie „Willkommen“. Das Publikum erfreute sich sichtlich an den harten Tönen und feuerte ihre Band besonders beim Song „Der Schmied“ an.

Zum Schluss verabschiedete sich Stahlmann mit einem alten Kinderlied. Das Lied „Grün, grün, grün sind alle meine Kleider“ haben sie für die schwarze Szene umgeschrieben auf: Schwarz, schwarz schwarz sind alle meine Kleider.

Foto by: Christoph Eisenmenger

Mono Inc.

Mono Inc. eröffnen in einem epischen Auftakt mit dem Song „Welcome To Hell“. Passend zum Mono Inc. Album trugen Carl Fornia und Manuel Antoni Pestmasken und lange Mäntel. An unserem Standort links vor der Bühne entstand eine kleine Gruppe von begeisterten Tänzern. Sie schienen jeden Song zu kennen und bewegten sich perfekt im Takt der Musik. Direkt an der Absperrung konnte man den großen Mono Inc. Fan und Opernsänger Major Voice sehen, der offensichtlich seinen Freunden auf der Bühne Respekt zollen wollte. Sänger Martin Engler interagiert immer wieder liebevoll mit dem Publikum. Er hielt Augenkontakt und warf den Zuschauern Handküsse zu. Noch rührender zeigt er die Liebe zu seinen Bandkollegen. Dies ist eine Band die sich offensichtlich an tiefer Freundschaft zwischen den Mitgliedern erfreuen kann.

Je nach Song wechselten die Bandmitglieder die Kostüme. Wer diese Band etwas näher kennt, weiß, dass es zu jedem Album und zu jeder Tour ein spezielles Outfit gibt. Je nach Song trugen sie die passenden Tourkostüme.

Zu dem Soundtrack zum Film „Das Boot“ gab die Band eine Drumperformance zum Besten. Natürlich mit Drummerin Katha Mia im Mittelpunkt.

Zum Ende hin spielten sie ihren Hit „Voices of Doom“ und kündigten ein neues Album für Januar 2020 und eine passende Tour ab März 2020 an.

Als letztes spielten sie die offizielle M´era Luna Hymne „Children of the Dark“. Das Publikum sang den Refrain noch sehr lange mit und verabschiedete damit Mono Inc.

Foto by: Christoph Eisenmenger

Versengold

Die nordische Folk-Rockband hat in den letzten Jahren einen steilen Aufstieg hingelegt. Die Band eröffnete mit ihrem Power- und gute Laune Lied „Niemals sang- und klanglos untergehen“. Damit hatten sie sofort das Publikum in ihren Bann gezogen. Die noch etwas müden Menschen standen auf und begannen spontan und wild zu tanzen. Der Song „Hau mir kein Stein“ berührte viele Menschen im Publikum. Einige standen auf und legten die Hand aufs Herz, als wäre es ihre ganz persönliche Hymne.

Eine schöne Showeinlage präsentierte Versengold zum Song „Der Tag an dem die Götter sich betranken“ nach der Textzeile „Und warf den bunten Ball, aus dem Fenster in das All…“ trat Sänger Malte einen großen Wasserball, bedruckt wie die Erde, ins Publikum.

Malte sprach nun über politische Positionierung von Bands. Er und die Band finden es extrem wichtig, sich politisch ausdrücklich zu positionieren, gerade wenn man auf der Bühne steht. Daher haben sie den Song „Wir tanzen nicht nach braunen Pfeifen“ geschrieben und genau den spielten sie dann auch.

Beim Song „Butter bei die Fische“ schaffte es Eike tatsächlich einen Circle Pit mit dem Publikum zu schaffen. Ich glaube ich habe noch nie einen Circle Pit auf dem M´era Luna gesehen, jedoch ganz bestimmt nicht bei einer Folkrock Band.

ASP

Der Headliner am Samstag war der Meister selbst. Asp gab sich und uns die Ehre mit seiner gleichnamigen Band.

Asp betrat mit schwarzer Kapuze zum Song Phragmokontrolle. Als er nach den ersten Pyroeinsätzen die Kaputze nach hinten wegzieht, schreit ihm das Publikum seine Begeisterung entgegen. Der Meister ist wieder auf der Bühne und wird entsprechend gefeiert. Zum Refrain „Rundherum“ dreht sich eine Pyroinstallation an einem Rad mit Feuerwerk im Kreis. Als Opener fand ich den Song nicht wirklich gelungen, das Publikum reagierte eher verhalten auf den Song. Beim nachfolgenden Song „Schwarzes Blut jedoch“ taute das Publikum jedoch auf. Die Rufe wurden lauter und der Applaus stieg um das Doppelte. Asp betonte, dass die Band und er Musik nicht für die Kameras machen sondern für die Menschen. Das was zwischen Publikum und Künstler auf der Bühne passiert, sei nicht am Bildschirm zu spüren.

Zum Song „Ich bin ein wahrer Satan“ zog sich Asp eine Dämonenmaske mit Hörnern auf und die Bühne wurde in roten Nebel getaucht. Eine gelungene Inszenierung dieses Songs. ASP kündigten ein neues Album und eine neue Tour an mit dem gleichnamigen Song „Kosmonautilus“. Beim Song „Kokon erzählt Asp, dass sie diesen bewusst nach hinten gelegt haben, denn 2017 gab es genau bei diesem Song den großen Stromausfall.  Wenn sich dies wiederholen sollte, dann hätten sie bereits den Großteil des Programms durch.

Am Schluss zeigte das Publikum dem Meister nochmal richtig, dass es für ihn brennt. Beim Song „Ich will brennen“ tanzten und feierten die Menschen um uns herum so sehr, dass es merklich wärmer wurde in der Masse.

Bisher war jedes Konzert von ASP ein wahres Erlebnis, so auch dieses wieder.

Foto by Julia Schwendner

Foodlineup und Wasserstellen

Die Wasserstellen waren überall gut zugänglich und in ausreichender Zahl vorhanden. Nach größeren Tanzexzessen wurden reichlich Becher und Schläuche an den Wasserstellen gefüllt und auch der ein oder andere Kopf landete unter dem kühlen Nass.

Das Foodlineup war sehr abwechslungsreich. Für jeden Geschmack war etwas dabei. Egal ob vegetarisch, klassische deutsche Küche oder ungewöhnliche Kreationen bei Pommes Pervers.

 

Händlermeile

Die Händlermeile hat sich dieses Jahr wieder selbst übertroffen. Ganz hoch im Trend waren dieses Jahr Kapuzen im Stile von Asassin´s Creed und Vogelschädel in allen Farben und Variationen. Flez Art hat wohl die größten „Haben Will!“- Augen bei den Besuchern ausgelöst. Wundervolle Federmausaccessoires und unglaublich niedliche Plüschfiguren zogen die Bersucher/innen magisch an. Zudem gab es auch noch filigran gearbeitete Korsagen im Gothic- und Steampunkstil. Zudem hatten auch Greenpeace und eine Organisation gegen Rechts einen Stand und verteilten Informationsmaterial.

Fotos by Brina

Gothic Garden

Gothic Garden ist eine besondere Form für Besucher auf dem Gelände zu Zelten. Die Zelte stehen schon, es gibt Strom, W-Lan und einen eigenen Parkplatz. Natürlich kostet das alles extra. Der Gothic Garden Zeltbereich ist mit einem Gitterzaun abgetrennt und mit Wachpersonal ausgestattet. Dieses Phänomen kann man auch auf anderen Festivals beobachten und mich nervt es. Natürlich gibt es immer medizinische Gründe um einen bevorzugten Platz zu bekommen, jedoch einfach nur mehr Geld zu haben ist für mich, zumindest auf alternativen Festivals, kein Grund sich eine bessere Behandlung zu verdienen. Natürlich gab es das schon immer und sonst gingen die „Bessergestellten“ dann einfach in ein Luxushotel im Ort, aber mich stört diese Zweiklassengesellschaft schon sehr und vor allem wenn sie so präsent ist.

 

Rahmenprogramm

Als weitere Attraktionen gab es wieder spannende Lesungen, die Gothic Acadamy, eine Modenschau, einen großen Mittelaltermarkt und eine Geisterbahn. Um alles zu erleben bräuchte man tatsächlich mehr als zwei Tage.

Fotos by Brina

Also mal wieder ein rundum gelungenes Festival. Im nächsten Jahr sind wir hoffentlich auch wieder dabei!

Bericht bei Brina

Ausblick 2020