Nord Open Air

Leider sehen wir immer häufiger Bars und Kneipen verschwinden, aber manche sind durch ihr Alter und ihre Geschichte bereits echte Institutionen.

​Eine dieser Institutionen ist das Café NORD. Seit 1991 gibt es das Café NORD im Herzen Essens nun schon. Sie servieren hervorragendes Essen zu Metal und Rock Klängen, egal ob Live oder von der Platte und das seit 28 Jahren. Seit wiederum 10 Jahren feiert das Café NORD seinen Geburtstag mit dem beliebten NORD OPEN AIR. Auf dem Viehofer Platz präsentierte das Café NORD am Freitag Punk und Alternative Bands und am Samstag gab es Metal auf die Ohren. Namhafte Bands wie: The Adics, SODOM, The Other und Motorjesus sind aufgetreten und nun haltet Euch fest: Der Eintritt war frei!

Alex und ich fuhren also am 26.07.2019 nach Essen. Es war ein fürchterlich heißer Tag und zu unserem Leidwesen fiel die Klimaanlage im Zug aus. Zudem hatte der Zug wegen technischer Probleme dann auch noch Verspätung. Wir brachten unsere Sachen ins Hotel und machten uns schnell etwas frisch. Mit etwas Verspätung betraten wir den Viehofer Platz. Bereits davor gab es diverse Sitzgruppen mit alternativ gekleideten Menschen und feiernden Besuchern*.

Durch den Schatten der Kirche war es einigermaßen erträglich von den Temperaturen her. Der Platz war mit Stellgittern umzäunt, nur die Getränkestände waren von innen und von außen erreichbar. Eine sehr clevere Lösung, wie ich fand. So konnten sowohl die Festivalbesucher als auch die Besucher des Café Nord, des Turocks und des Don´t Panics (direkt vor dem Gelände) sich dort mit Getränken versorgen.

Großartig fanden wir die kostenlose Versorgung mit Trinkwasser am Eingang des Festivals. Bei diesen Temperaturen auf dem heißen Pflastersteinen gab es nicht wenige, die neben ihrem Becher auch gleich den ganzen Kopf unter das kühle Wasser hielten. Am Ende war es leider sehr voll und der Weg zu den Wasserstellen fast unmöglich oder nur unter enormen Zeitaufwand. Zum Glück waren wir zu zweit, so dass wir uns mit Fotografie und Wasserholen immer abwechseln konnten. Wir wissen nicht ob es organisatorisch möglich ist aber eventuell wäre eine zweite Wasserstelle (Bei den Toilettenwagen z.B.) oder ein alternativer Aus- und Eingang sinnvoll, gerade wenn es so heiß und voll ist.

Leider verpassten wir Bonsai Kitten durch unsere Verspätung, was mich fürchterlich ärgerte. Ändern konnte ich es jedoch nicht und so versuchte ich mich umso mehr auf die tollen noch folgenden Bands zu konzentrieren.

Ein Urgestein unter den Hardcore Bands war die nun auftretende Band Slapshot aus Boston. Bereits seit 1985 gibt es sie und auch wenn inzwischen ein paar Fältchen die Gesichter zieren, hat die Band noch richtig Power und echte Muskeln. Sänger Jack Kelly war eine beeindruckende Person mit vielen Tattoos, breitem Kreuz und imposant dunkler und harter Stimme. Man könnte ihn sich sehr gut als Drillinstructor beim Militär vorstellen.

Die Sonne kroch langsam und quälend über den Horizont und verschlang mehr und mehr Schatten. Dank einen großartigen Security und Organisation kam es aber zu keinen großen Zwischenfällen. Das Publikum wurde regelmäßig mit kühlem Wasser aus dem Schlauch abgespritzt und konnte so auch feiern und tanzen.

Crossplane rockte danach die Bühne mit wehenden Haaren. Echte kernige Männer spielen Rock, Metal und Punk. Die Band aus Essen wusste mit ihren harten Tönen schnell zu überzeugen. Frontsänger Marcel ’Celli’ Mönnig spielte auf eine besondere Weise Gitarre. Bei fast jedem Riff streckte er den Mittelfinger der linken Hand aus. Eine sehr punkige Art Gitarre zu spielen. Bisher hatte ich das erst einmal gesehen und zwar beim Bassisten der Rampires.

Als nächstes betrat die Kölner Horrorpunkband The Other die Bühne. Verständlicherweise trugen alle Mitglieder T-Shirts zu ihren Kostümen. Bei dieser Hitze wäre alles andere wohl auch eher unvernünftig gewesen und eine Gefahr für die Gesundheit. The Other hatte eine große Fangemeinde im Publikum. Diese drängten sich an die Absperrung vor der Bühne und feierten auch am Rand ihre Band, indem sie jeden Song laut mitsangen.

Danach nahmen wir uns etwas Zeit und sahen uns um. Man konnte sich zwischen Currywurst und Pommes auch für eine vegetarische Variante entscheiden. Zudem, das beeindruckte mich unglaublich, waren alle Getränkebecher aus abbaubarer Maisstärke. Neugierig testeten wir die Becher auf Herz und Nieren. Sie hielten sowohl mehrere Runden mit wechselnden Flüssigkeiten aus und waren zudem auch brechsicher wie Plastikbecher. Sie wurden separat gesammelt und entsorgt. Für diese zeitgemäße Organisation gibt es von uns vier „Daumen hoch!“. Beim Currywurststand konnte man sich „karibisch“ in den Sand an kleine Tische setzen. Bei diesen Temperaturen war es sehr passend die Schuhe auch voll heißem Sand zu haben. Ein Gefühl von Urlaub kam auf. Besonders angenehm waren auch die Liegestühle am Veggistand. Hier konnte man sich entspannt hinlegen und hatte, durch eine leichte Erhöhung, einen Blick auf die Bühne. Leider waren die Stühle immer hart umkämpft. Der eine oder andere schlief dort auch seinen Rausch aus.

Die nächsten Bands waren Born from Pain und Madball. Diese beiden Hardcore Bands brachten Bewegung ins Publikum. Immer wieder entstanden kleine Circle Pits und Areas in denen wild gepogt wurde. Zudem wurde es langsam etwas kühler und die Lust sich zu bewegen stieg wieder.

Den krönenden Abschluss bildete die alte britische Punkband The Adicts. Sänger Keith „Monkey“ Warren, betrat mit glitzernden Tanzflügeln die Bühne. Der Rest der Band hatte seine Kostümierung an die Gang aus Clockwork Orange angelehnt. Beim Song „Joker in the Pack“ warf Keith verschiedene Karten ins Publikum die begeistert aufgefangen wurden. Auch Plüschfiguren und Ketten wurden ins Publikum geworfen sowie riesige Wasserbälle. Mit Kanonen wurden Papierschlangen oder Konfetti ins Publikum geschossen. Die Papierschlangen verfingen sich im Baum vor der Bühne und zierten diesen auch noch am nächsten Tag. Neben der Materialschlacht bewiesen „The Adicts“ jedoch, dass sie noch eine Punkgröße sind, mit der man auch heute noch rechnen muss.

Wir ließen den Abend dann vor dem Café Nord ausklingen. Viele alte Bekannte und auch neue Gesichter waren zu diesem wundervollen Festival gekommen. Kuriose Spezialitäten bekam zumindest ich an diesem Abend auch noch zu kosten. Ein „Eisbonbon Schnaps“ wurde mir zum Probieren gereicht. Ich habe zwar noch nie Fensterreiniger getrunken aber er muss genauso schmecken wie dieses Gebräu. Zumindest roch er genau gleich.

Wir beendeten den Abend jedoch sehr früh um genug Kraft für den nächsten Morgen zu haben.

Am zweiten Tag, musste ich leider abreisen, da meine Tochter beim Babysitter wohl erkrankt war. Alex fotografierte jedoch tapfer weiter. Daher gibt es von Tag zwei zumindest Bilder.

Bericht von Brina

Bilder Tag 1 von Brina Tag 2 von Alex