Paddy And The Rats - im Interview

Foto: Christian Barz

Interview mit: Paddy, Seamus, Sam und Joey von Paddy and the Rats, vor ihrer Show beim FestivalKult in Veltheim Porta Westfalica am Samstag den 4. August.

 

Navigator: Ihr seid 6 "irische" Jungs aus Ungarn, laut eurer Homepage. Eurem Aussehen nach zu urteilen kommt ihr aus verschiedenen Musikrichtungen. Wie habt ihr euch getroffen?

 

Paddy: Ja, wir versuchten, verschiedene Stile in unserer Show zu nutzen. Zu Anfang nannten wir uns eine keltische Punkband und jetzt verwenden wir Piraten und Gypsy Elemente, ein paar ungarische Einflüsse von unserer Volksmusik aus der Heimat und einige Pop Elemente natürlich. Es ist wirklich ein großer Mix und wir glauben, das kann man in unserer Musik auch fühlen und in den Outfits sehen und so. Das liegt daran, dass wir alle aus unterschiedlichen musikalischen Hintergründen kommen. Sam hat im klassischen Orchester gespielt, wir hatten Rock'n Roll Bands, Vince ist mehr an Gothic interessiert. Wir sind also wirklich verschiedene Menschen und das spiegelt sich auch in unserer Musik wieder.

 

Joey: Wir haben uns kennen gelernt, als wir alle noch in anderen Bands gespielt haben. Paddy und Seamus hatten eine Band namens "The Rockets" und ich und Vince waren in einer anderen Band. Wir waren gemeinsam auf Tour durch Ungarn und haben Zeit miteinander verbracht. Es war keine große Tour, nur ein paar Gigs. Irgendwann sind wir Freunde geworden und Paddy hat uns dazu gebracht, sich Flogging Molly und Dropkick Murphys und so weiter anzuhören. Wir sagten, dass diese Musikrichtung "fucking great" (großartig) ist. Und es gab auch keine andere Band in Ungarn zu der Zeit, die so eine Musik gemacht hat. Also haben wir entschieden ins Studio zu gehen, Paddy hatte sein Studio zuhause. Wir haben da gespielt, mit viel Alkohol, und hatten viel Spaß zusammen. Später haben wir angefangen ein paar Demos zu machen, nur so aus Spaß. Dann haben wir beschlossen, dass wir mehr Volksmusiker in der Band brauchen, wenn wir Volksmusik machen wollen. So haben wir Sam und einen Akkordeonspieler gefunden, und später natürlich Bernie als der vorherige Akkordeonspieler gegangen ist. Wir haben etwa ein Jahr gebraucht, um diese Band zu gründen - das war vor 10 Jahren.

 

 

Navigator: Ihr habt euch alle englische Namen gegeben. Warum?

 

Paddy: Ursprünglich war das die Idee von Vince, er hat Freude daran, Spitznamen auszusuchen und mit verschiedenen Künstlernamen zu experimentieren. So macht es mehr Spaß.

 

Seamus: Und das macht es viel einfacher auf Tour.

 

Joey: Könntet ihr meinen Namen aussprechen? ******* ************* (Aus Gründen der Privatsphäre und weil wir den Namen ohnehin wahrscheinlich nur falsch schreiben würden, wurde der Name rausgelassen.)

 

Alex und ich sehen uns nur an, ob der andere den Namen auch nur verstanden hatte, nicht zu sprechen von einer korrekten Aussprache, dann schütteln wir den Kopf.

 

Seamus, Paddy und Joey: Seht ihr, darum ist es so einfacher!

 

Wir nicken nur verständnisvoll.

Navigator: Sam, du spielst Violine, Banjo, Dudelsack und Flöte. Haben wir etwas vergessen?

 

Seamus, Paddy und Joey: Ihr habt eine Menge vergessen:

 

Paddy: Er kann Gitarre spielen, Bass, Schlagzeug...

 

Navigator: Warum hast du so viele Instrumente gelernt und möchtest du noch mehr lernen?

 

Sam: Ich möchte noch mehr Instrumente lernen, denn alles was ich anfasse, mach ich zu Gold.

 

Navigator: Gibt es irgendein Instrument, welches du nicht spielen kannst?

 

Sam: Nur die, die ich noch nicht ausprobiert habe!

 

Paddy: Sam kann die Instrumente der ganzen Band alleine spielen.

 

Navigator: Also bist du wie eine Ein-Mann-Band, du hast nur zu wenig Hände?

 

Sam (witzelnd): Manchmal kann man mich, gleichzeitig 6-7 verschiedene Instrumente spielend, auf der Straße finden, wenn wir nicht auf Tour sind.

Navigator: Paddy, hast du das Piraten-Thema in die Band gebracht?

 

Paddy: Ich glaube schon. Warum fragt ihr, seh ich aus wie ein Pirat?

 

Navigator: Es war nur gut geraten!

 

 

Navigator: Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, ungarische Volksmusik mit einzubringen wie einen Csárdás?

 

Paddy: Wenn ihr die Show heute seht, werdet ihr sehen, dass wir das bereits getan haben.

 

Navigator: Ist ein Csárdás dabei?

 

Paddy: Fast. Es ist ein Lied von Brahms Ungarischen Tänzen.

 

Navigator: Oh ja, es ist Nr. 5, richtig?

 

Paddy: Richtig, Nr. 5!

 

Sam: Ladies and Gentlemen, Mambo No. 5...!

 

Paddy: Wir haben ihn gerade in unsere Show mit aufgenommen für diesen Sommer, und es funktioniert. Wir haben Spaß daran und das Publikum mag es. Auch wenn es kein typischer authentischer ungarischer Csárdás ist.

 

 

Navigator: Ihr habt starke Punk Elemente in eurer Musik, seid ihr auch politische Punks?

 

Paddy: Wir möchten nicht zu sehr in Politik involviert werden. Es ist sehr schwer. In Ungarn ist die Situation nicht die Beste und wenn du versuchst, etwas anderes zu tun als das, was die Regierung sagt... könnte es schwierig für dich werden. Also versuchen wir, uns von der Politik abzugrenzen.

Ich persönlich finde es auch wichtiger, etwas mit der Musik zu sagen. Musik ist universell. Es geht um Menschen, während Politik sich um Geld dreht. Wir versuchen, unseren Fokus auf die Musik zu richten und auf die wichtigeren Dinge im Leben.

 

Seamus: Generell sind wir uns alle darin einig, dass wir nicht zu irgendwelchen Parteien gehören. Parteien kommen und gehen. Wichtig ist allein Menschlichkeit, ein Mensch zu sein und die Bedeutung dessen auch zu verstehen.

 

 

Navigator: In eurem Video "That's my Nature" tauscht ihr ständig die Rollen innerhalb der Band. Es scheint, als hättet ihr viel Spaß gehabt beim Videodreh. Stimmt das?

 

Paddy: Ja, natürlich war das sehr lustig.

Paddy and the Rats - That´s my nature

Quelle: Youtube

Navigator: Habt ihr eine interessante Backstage Story für uns?

 

Paddy: Ja, das ist immer eine Frage und wir haben so einige, aber meistens erinnern wir uns nicht an diese... (lacht) weil wir meistens... besoffen sind. Manchmal passieren die lustigen Dinge auch nicht Backstage sondern auf der Bühne. Wir haben nämlich so viele verschiedene Auftritte... und manchmal schläft einer ein... (schaut zu Seamus)

 

Seamus: Echt jetzt...

 

Paddy: Wir hatten eine Show und Seamus hat Schlagzeug gespielt und wir alle haben gemerkt, dass er langsamer und langsamer wurde. Wir haben zurück geschaut und er ist weggedöst. Wie kannst du immer noch Schlagzeug spielen, wenn du schläfst?

 

Joey: Vince ging zum Schlagzeug und hat angefangen ihn anzustoßen und gefragt:"Fuck! Was tust du? Wir sind beim Auftritt!?" und Seamus sagte nur:"Whoaa? ... Ok... ok, ich spiele!"

 

Navigator: Das ist faszinierend! Spielst du auch im Schlaf Schlagzeug? So wie beim Schlafwandeln, nur dass du schlafspielst?

 

Joey: Da gibt es keinen großen Unterschied zu seinem Wachzustand. Einer der Jungs ist kurz vor einer Show auf Toilette gegangen und uns wurde gesagt, wir müssten jetzt anfangen! Aber er war noch auf Toilette. Also haben wir das Intro gestartet und sind auf die Bühne gegangen und er kam aus der Toilette und auf die Bühne gestürmt, während er sich noch die Hose hochgezogen hat.

 

 

Navigator: Ihr habt das Video zu "Join the Riot" auf einem alten Segelschiff gedreht. Seid ihr wirklich gesegelt oder habt ihr nur darauf gefilmt?

 

Paddy: Nein, wir haben nur darauf gefilmt. Wir können nicht wirklich segeln oder irgendetwas anderes machen, wir können nur trinken und Musik spielen.

 

Joey: Seamus ist vor ein paar Monaten fast im See ertrunken und ihr fragt uns, ob wir ein Boot segeln können?

 

Paddy: Ja, wir haben einen See zuhause und dort ein Haus. Alle in der Band waren da und wir sind über Nacht geblieben. Wir hatten getrunken und wir haben dort ein kleines Boot. Also haben wir gesagt:"Kommt schon, wir sind fucking Piraten, lass uns auf das Boot gehen!"

 

Joey: Wir waren stockbesoffen und es war 5 Uhr morgens!

 

Paddy: Nach 4 Flaschen Whisky waren wir auf dem Boot. Wir waren zu viert und sind in die Mitte des Sees gerudert. Dann hatte einer von uns die Idee:"Lasst uns schwimmen gehen!" Seamus ist in den See gesprungen, aber er war so verdammt betrunken, dass er nicht zurück ins Boot kam. Wir anderen drei haben alles versucht, um ihn wieder ins Boot zu bekommen. Wir sind in den See gesprungen und haben versucht, ihn hochzudrücken, wir haben versucht ihn festzuhalten und reinzuziehen. Es hat 3 Stunden gebraucht, in denen er im Wasser war und immer nur gesagt hat:"Ich werde hier sterben!" Der Wind war so stark, dass wir es nicht ans Ufer geschafft haben.

 

Joey: Zu dem Zeitpunkt war es nicht so lustig, es war beängstigend.

 

Paddy: Aber ich glaube, das beantwortet deine Frage. Wir können nicht segeln! Wir imitieren nur das Segeln, das ist besser für uns alle.

 

 

Navigator: Seit ihr wahre Piraten oder werdet ihr seekrank?

 

Paddy: Ich? Nein. Ich glaube keiner von uns (alle schütteln den Kopf), vielleicht Sam. Er hat alle möglichen Allergien und so.

 

Sam: Nein, habe ich nicht.

 

Paddy: Okay, wir werden nicht seekrank, wir spielen das nur vor beim Filmen.

 

 

Navigator: Ihr habt gerade ein neues Album herausgebracht. Was sind eure Pläne für die Zukunft?

 

Paddy: In diesem Jahr werden wir keine neue Musik mehr herausbringen, weil wir viel auf Tour sind. Wir werden 10 Jahre alt dieses Jahr, also machen wir vielleicht etwas Besonderes, aber wir haben noch keine konreten Pläne. Vielleicht werden wir etwas Neues im nächsten Herbst herausbringen. Wir haben auch viele Shows diesen Herbst und Winter. Wir werden in Deutschland mit Subway to Sally zur "Eisheiligen Nacht" auftreten und auch in Ungarn, Polen und Italien viel spielen.

 

 

Navigator: Wenn ihr euch heute entscheiden könntet, was in einer weit entfernten Zukunft auf eurem Grabstein geschrieben stehen soll, was würdet ihr gerne dort stehen haben?

 

Joey: Vergebt uns!

 

Paddy: Ich war's nicht!

 

 

Navigator: Vielen Dank für eure Zeit und euch eine gute Show!

Interview von Brina

Übersetzung von Alex