Peter Sandorff

Für unsere erste Ausgabe möchten wir Euch einen faszinierenden Musiker vorstellen: Peter Sandorff. Er spielte Gitarre in bekannten Bands wie Nekromatix und Mad Sin und gründete 2005 eine neue und sehr erfolgreiche Band: Hola Ghost. Wir wählten Peter für unser erstes Profil, weil er keine Angst hatte, musikalische Grenzen zu überschreiten und aus Psychobilly und mexikanischer Volksmusik eine ganz neue Art von Musik geschaffen hat. Sie nennen es "Psychotic Flamencore". Weil unser Magazin Euch Musik präsentieren will, die mit verschiedenen Musikstilen experimentiert, war Peter die erste Person die mir in den Kopf kam, für das Künstlerprofil. Zudem hatte ich letztes Jahr die Ehre, Peter persönlich zu treffen und ich weiß, dass er eine sehr interessante Person ist, von der ich berichten möchte. Erst einmal ein kleiner Steckbrief:

Steckbrief

 
 
Name: Peter Sandorff
 
Nick: Hola Pete 1 (früher Nekro Pete 1 und Mad Pete 1)
 
Ehemalige Bands: Nekromantix; Mad Sin; Dead Kings und Schwarzwald Library
Aktuelle Bands: Hola Ghost
 
Alter: 49
 
Geboren in: Dänemark
 
Waffen: Ghost Rider (alle meine Gitarren sind Ghost Rider, aber seit 1999 ist es ein Gretsch Country Classic 1 Single Cut away made in Japan in 1987)
 
Sucht: Musik, Vinyl, LEGO, Dosenmakrele in Tomatensauce und alles mit jedem diskutieren

Interview

 

Navigator: Hey Peter! Fangen wir am Anfang an: Wann und warum hast du angefangen Gitarre zu spielen?

 

Peter: Meine Mutter hat mich zum Gitarrenunterricht angemeldet, als ich 12 war. Ich blieb dreimal weg und wurde rausgeschmissen. Etwa 2 Jahre später meldete ich mich freiwillig, um zwischen den Auftritten in einem Theaterstück in der Schule zu singen, um nicht auf der Bühne zu spielen, was ich schon damals hasste und nervte. Die Melodie für das Lied musste vom lokalen Musiklehrer geschrieben werden also ging ich hin und holte mir ein Lied von ihm, und er sagte mir, ich solle auch Gitarre spielen. Ich sagte ihm, dass ich es nicht könnte, aber er antwortete, dass jeder A, D und improvisierte offene G Akkorde kennt, also sollte ich aufhören zu jammern und anfangen zu proben. Daher tat ich es, und als ich die ersten 3 Akkorde kannte, ging es einfach los - ich ging in die Bibliothek und lieh mir Musikbücher über Chuck Berry und die Beatles aus, mit Zeichnungen der Akkorde über den Noten und Textzeilen. Das Spielen von Musik füllte von da an den größten Teil meiner Freizeit aus, und das tut es immer noch.

 

Navigator:  Warum hast du die Gitarre gewählt?

 

Peter: Ich nicht, mein Musiklehrer in der Schule tat es für mich.

 

Navigator:  Hast du auch andere Instrumente gelernt?

Peter: Es gab in der Schule ein Klavier, mit dem ich in den sehr frühen Klassen herumgespielt habe, und alle Kinder zeigten sich gegenseitig Tricks und kleine Melodien und so, also machte ich mich mit diesem Instrument vertraut, bevor ich die Gitarre in die Hand nahm. Im Laufe der Jahre habe ich unter anderem mit Akkordeon, Klarinette und Keyboard gespielt. Ich habe auch mit zwei Tonabnehmern gespielt, die an eine zweihändige Bosch-Bohrmaschine geklebt wurden, durch mein Pedalbrett und in einen Marshall-Stag geleitet wurden, und ich spiele ein Harfen-Solo auf dem neuesten Demented Are Go-Album. Nur Instrumente, die ich in meinen Händen hatte, aus denen ich keinen anständigen Ton herausholen konnte, egal wie sehr ich mich auch bemühe, sind: Trompete und Geige.

Navigator: Dein Bruder ist Schlagzeuger, gibt es noch andere Musiker in deiner Familie?

Peter: Meine Familie, auf der Seite meines Vaters stammt von einer alten blaublütigen Linie aus Polen ab, mit einem Familienbuch, das bis ca. 1600 zurück reicht, als unser Zweig der Familie nach Dänemark floh. Man sagt, dass es immer ein Talent für Musik in der Familie gab. Meine Schwester spielt Schlagzeug, Klavier und Gitarre, mein Bruder spielt Schlagzeug und unser Vater spielte Klarinette, Harfe, Klavier und Akkordeon und wahrscheinlich auch andere Instrumente, an die ich mich jetzt nicht mehr erinnern kann.

 

Navigator:  Wie hieß die erste Band in der du gespielt hast?

Peter: Die erste Band, in der ich war, war mit meinem Bruder und meinem Vater und meiner Schwester, die alte Blues- und Blue Gras- und Jazzlieder spielten. Das letzte Mal haben wir das auf der Beerdigung meines Vaters gemacht, wo mein Bruder und ich auf jeder Seite seines Sarges saßen und Zep Turners No More Nothing in der Kirche spielten. Die erste richtige Band hieß BILB, und es waren ein paar Kinder aus der Schule und wir haben Songs von Beatles und ELO und dergleichen gecovert und auch ein bisschen selbst geschrieben.

 

 

Navigator: Wann und warum hast du angefangen dich für Psychobilliy Musik zu interessieren?

Peter: Ich traf Kim Nekroman, den Bassisten der Nekromantix, als er für eine Neo-Rockabilly-Band trommelte, in der ich einige Wochen lang Gitarre spielte. Später hörte ich, dass er eine Psychobilly-Band gegründet hatte und nach ein paar Wochen einen Gitarristen brauchte. Viele Bands hielten damals nicht länger als ein paar Wochen, aber nachdem wir uns mit Kim zusammengetan hatten, begannen wir ein paar eingängige Songs wie Brain Error zu schreiben und es hat einfach Spaß gemacht. Zuerst wollte Kim mir nicht sagen, worum es bei Psychobilly geht - er sagte später, es sei, weil er die ganze Zeit geplant hatte, dass unsere Musik etwas Besonderes sein sollte, und unverdorben, weil er zu viele der anderen und älteren Bands kannte. Vielleicht war er aber auch nur faul.... Jedenfalls hatte ich eine Vorstellung davon, dass Psychobilly Rockabilly mit Punkelementen ist, wie eine Mischung aus Dead Kennedys und Carl Perkins und als ich die finnische Band Melrose den Song Rich Little Bitch auf MTV spielen sah, setzte ich mich hin und schrieb Spiders Attacking Manhattan gleich danach. Später bekam ich ein Mixtape von Kim mit Demented are Go, Batmobile und anderen und der Sound und die Energie des Slap Basses kamen mir gerade recht.

Navigator: Bitte erzähle uns von deinem ersten Mal mit Necromantix und warum musstest du deine Zeit dort beenden?

Peter: Wie gesagt, es hat sehr viel Spaß gemacht vorallem als es kein Muss mehr war. Ich bin (bisher) zwei Mal weggegangen, weil ich meine Ausbildung als Architekt begonnen hatte, aber auch, weil meine Inspiration ein wenig dürftig war, nachdem ich viele Songs für das Album Curse Of The Coffin geschrieben hatte. Ich hatte Lust, neue Sachen auszuprobieren und gründete die Band, um später mit dem Bassisten und Schlagzeuger meiner jetzigen Band und einem Sänger Anfang 1992, kurz nachdem ich Nekromantix verlassen hatte, Schwarzwald Library zu gründen. Nachdem ich Kim 1996 in einer Bar getroffen hatte, kam ich wieder dazu, und wir hatten 1997 wieder ein paar Shows mit meinem Bruder am Schlagzeug. Nach einer Weile langweilte es uns, die alten Songs zu proben, und so begannen wir mit neuen Songs wie Gargoyles Over Copenhagen und Nice Day For A Resurrection im Proberaum herumzuspielen. Dann wurden wir bei einem großen US-Label unter Vertrag genommen und Psychobilly explodierte international also hatte ich die Zeit meines Lebens, indem Musik machte und davon lebte. Aber als die Welle ein wenig anstieg, war es am Ende wichtiger, wie unsere Shirts aussahen, als wie unsereMusik klang, denn die Leute sind bereit mehr für das Image als für die Musik zu bezahlen. Ich hatte auch nicht wirklich Lust in den USA zu leben also ging ich nach Hause und gründete meine jetzige Band Hola Ghost als Projektband für den Soundtrack zum Film Cannibal Flesh Riot, der auch unser Debütalbum wurde und gewann sogar zwei Preise als Horror-Soundtrack des Jahres damals.

Navigator: Ich habe gelesen, dass du Architektur studiert hast. Wie hast du es geschafft, in einer bekannten Band zu spielen und gleichzeitig deine Prüfung zu machen?

Peter: Ich war sowohl in Schwarzwald Library als auch in Nekromantix und auch in einer 50'ies Rock´n Rollcover-Band während meines Abschlusses an der Architekturakademie. Aber wir waren in dieser Zeit nicht so aktiv und was wir taten, wollte und will ich weiterhin, denn Musik machen ist eine Quelle der Energie und Freude auf die ich nicht verzichten kann. Aber die Abschlussprüfung zu machen und in Bands zu sein, war nichts im Vergleich zu einem Vollzeitjob, ein Vater zu sein, ein Plattenlabel zu leiten und immer noch in einer Band zu spielen. Das ist der Grund, warum es in diesen Tagen ein wenig länger zwischen den Veröffentlichungen gibt, aber es wird nie aufhören!

Navigator: Bitte erzähl uns von deiner Zeit mit Mad Sin und warum du aufhören musstest.

Peter: Es war großartig, den Platz in Mad Sin angeboten zu bekommen, in die Psychobilly-Szene zurückzukehren und auf Tour zu gehen und zu reisen und all den Spaß, den ich nach dem Verlassen von Nekromantix verpasst habe wieder zu haben. Ich kenne einige der Jungs seit den späten 80ern, und ich betrachte sie immer noch als Freunde und ich sehe sie immer noch, wenn ich die Chance dazu habe und kann nicht stehen bleiben, wenn sie die Songs, die ich so gut kenne, spielen. Aber ich hatte ein Kind und wollte mit meiner eigenen Band Hola Ghost weitermachen, also habe ich nach einer guten Fahrt 2008 Schluss gemacht.

Navigator: Du bist also Architekt, Ehemann, Vater und Musiker! Was ist dein Weg alle diese Dinge zu managen und sich zu entspannen?

Peter: Ich entspanne mich, während ich Häuser zeichne und Musik über Kopfhörer höre. Ich entspanne mich als Vater, der Lego baut und mit meinem Sohn spielt. Ich entspanne mich beim Artwork für unsere Veröffentlichungen und ich entspanne mich an Flughäfen, wenn ich zu Auftritten reise. Ich entspanne mich sogar, wenn wir heutzutage im Proberaum sind, und deshalb sind wir auch nicht mehr so produktiv wie früher, schätze ich.

 

Navigator: Bitte erzähle uns von deiner neuen Band Hola Ghost und Pychotic Flamecore.

Peter: Mit Nekromantix tourten wir von 2000 - 2005 viel an der US-Ostküste und fast jede einzelne Supportband war vollständig oder hatte zumindest Mitglieder mexikanischer / hispanischer Abstammung. Ich mochte die besondere Note, die die Gitarristen in diesen Bands hatten, und da ich mexikanischen Ton mit Psychobilly gemischt hörte, sah ich einen Weg, den alten Traum aus meinen Nicht-Psychobilly-Tagen, harten und dunklen Rock mit irgendeiner Art von Latein-amerikanischen Rythmen zu mischen, zu erfüllen. Während wir also an dem Soundtrack gearbeitet haben, kam es einfach mit in meine Kreativität. Auf dem Album gibt es einen Song namens Graveyard Salsa, der die Richtung derMusik vorgibt. Also spielen wir im Grunde genommen eine Art Weltmusik, aber das klingt so verdammt hässlich zu sagen, dass wir es psychotischen Flamencore genannt haben. Unser Bassist hat sich den Bandnamen ausgedacht, weil wir damals mit einer Schlagzeugmaschine als eine Art Gespenst gespielt haben und das spanische Wort "Hola" einfach gut zu der Richtung passte, in die die Musik zu gehen begann.

Navigator: Wie haben die Leute auf deine neue Musik reagiert?

Peter: Es hat viele Leute viel Zeit gekostet, das zu akzeptieren was wir tun, denn die meisten von ihnen sind nicht wirklich an etwas Neuem interessiert. Und es ist etwas Neues! Es gibt im Grunde keine anderen Bands, die das machen, was wir machen, und schon gar nicht damals mit einem Drumcomputer. Die Spate die hatten wir ganz für uns allein. Die Schlagzeugmaschine "Ghost 707", wie sie genannt wurde, hat viele Leute verärgert und viele zögerten nicht uns zu sagen, dass wir einen richtigen Schlagzeuger bräuchten. Aber als wir endlich einen bekamen, fingen die Leute an uns zu erzählen, wie cool und einzigartig es mit der Drum-Maschine war - hör nie auf die verdammten Leute, haha....

Den Drumcomputer loszuwerden, war übrigens ein bisschen wie mit dem Rauchen aufzuhören; ich weiß, dass es das Richtige war, aber ich vermisse immer noch ab und zu den Kick.

 

Navigator: Denkst du es ist wichtig musikalische Grenzen zu überschreiten?

Peter: Ich habe nichts anderes getan, seit ich angefangen habe Musik zu machen und das wird nie aufhören. Es ist wichtig, um Musik zu machen, um sich inspirieren zu lassen. Mit neuen Einflüssen kann ich auf einige der ältesten und meist genutzten und missbrauchten Inspirationen zurückgreifen, mit neuen und frischen Ideen, und wieder einmal den Kick der Schöpfung erleben.

 

Curiosity aint gonna kill this cat – not being curious would though.

 

Navigator: Als wir letztes Jahr sprachen, hast du mir von deinen Plänen erzählt, eine weitere musikalische Grenze zu überschreiten aber es war immer noch ein Geheimnis. Kannst du uns jetzt etwas darüber erzählen?

Peter: Ich hatte Angst, dass mir jemand zuvorkommt und in diesem neuen Crossover-Genre die Nase vorn hat. Aber nachdem ich versucht habe, einen dunklen Weg in die idiotisch glückliche Welt des Bossa Nova zu finden, schätze ich, dass die noch nicht existierende dunkle Bozza-Szene einen besseren Pionier als mich braucht, hehe.

Navigator: Dark Bossa Nova....ja, das ist eine sehr schwierige Aufgabe. Hast du schon mal daran gedacht, Psychobilly mit ungarischer Volksmusik zu mischen?

Peter: Das wäre zu nah an Gorgol Bordello, den ich nicht so sehr mag, oder "Circus - Punk", wie wir es nennen, wenn wir beim Experimentieren im Proberaum zu nah da ran kommen sind.

 

Navigator: Circus-Punk.....hm, ja, das könnte passieren. Ich dachte gerade an Aurelio Voiltaire, der Gypsy- und ungarische Musik sowie Piratensongs mit Gothic gemischt hat, aber ja, wenn man es auf Punk-Niveau beschleunigt, könnte es tatsächlich wie Zirkusmusik klingen.

Peter:  Ich mag Volksmusik aus diesen Ländern und es gibt ausgezeichnete Beispiele dafür, wie diese Dinge mit Rock gemischt werden. Meine serbische Kollegin sagte, dass die Melodie "Trauermarsch" auf unserer letzten Veröffentlichung sie sehr an serbische Musik erinnerte. Ich habe 2008 in einer kleinen Berghütte in Österreich Sylvester gefeiert und abends gab es Bier und Wärme bei sehr traditioneller Alpenmusik vor Ort. Im Jahr danach war ich in Mexiko und für mich gab es eine klare Verbindung zwischen der Musik, die wir traditionell nennen. Es war anders aber ich hörte die Verbindung auch auf starke Art und Weise.

Navigator: Gibt es eine Art von Musik, mit der du eines Tages experimentieren möchtest?

Peter: Alle!! - Vor einigen Jahren hatte ich einen Traum, wo ich am Tag des Jüngsten Gerichts am Ziel war.  Zu meiner Überraschung wurde ich nicht für die Musik beurteilt, die ich gemacht hatte, sondern für die Musik, die ich nicht gemacht hatte. Das war ein harter Schlag, und ich bin mir sehr wohl bewusst, dass ich gerne mehr Zeit mit Musik verbringen würde, als mir meine Situation im Moment erlaubt. Aber mein langfristiger Plan ist es, die Kosten niedrig zu halten, damit ich tun kann, was ich will. Ob das mich dazu bringt mit allen Arten von Musik zu experimentieren, bezweifle ich, aber ich werde es versuchen.

 

Navigator: Jetzt die letzte Frage: Wenn du jetzt wählen könntest, was eines Tages auf deinem Grabstein steht, was sollte dort geschrieben stehen?

Peter: ROCK

 

Vielen Dank für deine Zeit!

Artikel geschrieben von Brina
Copyright der Bilder liegen bei  Peter Sandroff