Ad Patres - "A brief introduction in human experiments"

Updated: Sep 2, 2019


Death Metal wurde schon immer etwas abseits normierter Musikalität verortet. Mit der Zeit allerdings hat er sich seine ganz eigene Nische herkultiviert und in dieser wertvolle Blüten treiben lassen.


Die Franzosen von Ad Patres sind ein solcher Specimen und ihr neuerlicher Output bedarf einer eingehenden Widmung. Das Zweitwerk der Jungs mit der eleganten Umschreibung für den Tod in ihrem Namen birgt wider dem ersten Eindruck mehr Substanz, als es der Genrestempel zu vermitteln mag.

Bei den ersten Klängen des Openers ist der Weg zu den Vätern vorgezeichnet und die Neugier darauf geweckt, was alles dieses Weges kommen wird.

Kopf oder wahlweise Fuß beginnen umgehend und unweigerlich mit rhythmischem Nachvollzug, weil das Ohr kennt, was es hört und weiß, was es mag.


Der musikalische Fortschittspolizist mag das gerne bekritteln dürfen, der Klassikenthusiast hingegen wird sich in seinem Wunsch nach präzisem und sonorem shredding, das den Geist dessen transportiert, was ihn seit je her zum Death-Metal trieb, erhört und bestätigt fühlen.

In Dingen der Stilistik jedoch inflationär bemühte Vergleiche mit etablierten Inventoren wie Suffocation, Cannibal Corpse oder Deicide heranzuziehen, erübrigt sich, da diese aufgrund fehlender Trennschärfe wenig angemessen wären und eher wie label-lancierte Promotion daherkämen.

Ad patres warten mit einer sowohl energischen als auch engergetischen Performance auf, die dynamisch dicht, variabel und treffsicher aus den Boxen rast.


Deutlich vernehmbar unterdessen ist der sie umgebende Umgang mit schreiberischen Sackgassen, die angesichts des Traditionsbewusstseins des Materials durchaus lauern.

Denn erwartungsgemäß bewegt man sich zwar mit überhöhter Geschwindigkeit, weiß aber um die Gefahren der Monotonie, bremst diese demzufolge aus und setzt stattdessen wohlüberlegte Wegmarken in Form von markspaltenden Mid-Tempo-Einschüben oder in Fällen beinahe gefühlvollen, ästhetisch akzentuierten Solo-Passagen. Auch dadurch zeichnet sich die wohlüberlegte Arbeit des Gitarristenduos Marani und Bousquet aus, die dem Affineur etwaige im wahrsten Wortsinne wahnwitzige Skalenhetzereien ersparen, die, zugegebenermaßen, ohnehin nur wenigen "vorbehalten" sein sollten.

Der Gesang von Axel Doussaud, der zumindest den Rezensenten in seiner Wirkung an den Sermon von D.T. Wade erinnert, sticht insofern heraus, als Doussauds Intonation bedingt verständlich ist, was nicht nur daran liegt, dass er nicht versucht, auf Teufel komm raus guttural zu shouten. Seine kehlige, fiese und gallige Ansage dient ihrem angestammten Zweck bei Weitem besser als die neuzeitliche Manie, dem anatomisch möglichen Infra-Schall zu frönen. Womit sich auch in diesem Ressort erneut angenehm die Absenz des schieren Stumpfen hervortut.

Zu was wäre die präsentierte musikalische Bonheur gut, wenn ihr von Seiten der Produktion nicht entsprochen würde?


Nun, die hat Marani in seine eigenen Hände genommen, beweist damit Geschick und einen ausgeprägten Sinn für den Klang, den die Stimmung der Scheibe benötigt.

Sein simplistischer Ansatz wird den instrumentellen und vokalen Leistungen beinahe zur Gänze gerecht. Herrlich natürliche Drums mit nur sehr wenig digitalen Beigaben und wenn die Gitarren 16tel sägen, verschwimmen die Anschläge nicht zur diffusen Kulisse. Ähnlich puristisch ging es damals bei den Landsleuten von No Return auf deren selbstbetiteltem Werk zur Sache. Unbedingte Empfehlung btw.

zu bemängeln wäre allenfalls, dass der Mix in Sachen Bass-Präsenz ähnlich sparsam ausgelegt ist wie seinerzeit "..and justice for all". Diesen Lapsus allerdings können die Jungs dann live gerne berichtigen.

Nach 34 Minuten der kurzen Einführung also steht fest, dass Ad patres im Gegensatz zu manch anderer musikalisch-anatomischer Machbarkeitsstudie heutiger Ausrichtung auf betonte Zweckmäßigkeit der eingesetzten Mittel setzen, welche in Summe zu diesem mehr als beachtenswerten Endresultat führen

Anstatt nämlich am Rande der Nachvollziehbarkeit und die Wahrnehmungsgrenze tangierend selbstverliebt vor sich hin zu trümmern, kredenzen sie ein sattes, dicht gegossenes Stück Metall, das Fans von Abysmal Dawn, Recueil Morbide und Beneath bedenkenlos für sich vereinnahmen können, sollten, müssten.


Bewertung: 4/5

Review von Kim

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