Carnal Forge - Gun to mouth salvation


Sage und schreibe 12 Jahre gingen in die Lande, bis die Band um die Gitarristen-Gebrüder Kuusisto mit einem neuen Full length Album aufwarteten.


Waren die beiden zwischenzeitlich eingestreuten Lebenszeichen in Form der Singles "Blood war" (2010) und "When all else fails" (2014) noch deutlich an "Testify for my victims", dem Album, das einen Ausritt in massenkompatiblere Gefilde darstellte angelehnt, hat die


Band diese corewhore Attitüde nun an einen selbstgeschmiedeten  Nagel gehängt und beackert stattdessen heimische, gewachsene und authentische Scholle.

Die Band zeigt sich im Verlauf des Albums immens gereift, variabel und willens, der zweiten Garde der At the Gates Ableger seinerzeit zu entwachsen. Einen erheblichen Anteil daran haben die beiden Kuusistos, die über die Jahre nichts verlernt haben, im Gegenteil sich der Moderne geöffnet und deren Elemente stimmig in ihr Schreiben integriert haben. Im Zusammenspiel mit dem ungemein effektiven und punktgenauen Drumming von Lawrence Dinanmarca, der auch bei den Proggern von Loch Vostok seinem Handwerk nachgeht, entstanden 11 Songs, die sich merklich von den Vorgängerscheiben unterscheiden.

Klangen diese  frühere Werke doch teilweise eher statisch, was u.a dem stark komprimierten und kondensierten Sound geschuldet war, hat man die neue Scheibe mit greifbarem Volumen und einer kraftvollen Tiefe versehen, die den Tracks über die Maßen gut zu Gesicht stehen. Kennern des Genres werden angenehme Parallelen zu The Forsakens "Beyond Redemption" auffallen, die 2012 einen vergleichbaren Weg eingeschlagen hatten.

Eines der pregnantesten Trademarks der Band, das kompromisslose Hacken im oberen Geschwindigkeitsbereich ist nach wie vor ein Element der Songs und bleibt somit den möglichen Zweiflern erhalten, die es nur ungern gemächlich angehen lassen, aber das erweiterte Spektrum wirft einfach mehr aus als 3.30 min "hack´em up and go home" Tracks.

Die frühere, durchaus respektable Kompromisslosigkeit wurde durch eine effiziente Melodik erweitert und bereichert, die zum Glück nicht in eine mittlerweile recht verbreitete Maiden-lastige düdeldüdeldü Charakteristik abgleitet, wie sie bezeichnenderweise bei renomierten Genregrößen auffällt. Apropos Genregrößen, das kurze Zitat am Anfang von "The stench" ist vor soviel Originaltreue schon beinahe charmant. Wer hört beim Durchforsten der Schwedenabteilung seiner Sammlung heraus, wer da Pate stand? ;)


Fronter Tommi Wahlberg sorgt mit seinem Gesang für eine weitere Bereicherung des Gesamtsounds der Band. Bei dem Neuzugang an den Vocals denkt man spontan an einen kurzhaarigen Derwisch, der aggressiv, zeternd, keifend, ätzend und mit gnadenlosem Abdominal-Moshing seine Zeilen in den Äther bellt. Der Gallespucker klingt nämlich wie ein Deathcoreler, zwar nicht so tief wie jene, aber seine Intonation und Artikulation weisen merkliche Parallelen zu Sängern des genannten Genres auf.

In der Vergangenheit wütete bei Carnal Forge ein blutverkrusteter Eisenhammer und beantwortete Fragen, die gar nicht gestellt wurden; heuer ist das Schmiedewerkzeug aus Chrom-Vanadium und hat nichts von seiner Brachialität eingebüßt.

Somit sei allen, bei denen seinerzeit Impious, The Forsaken, No Retun und Construcdead auf der Liste standen, geraten, Carnal Forge an deren Anfang zu setzen und wenn ihr die letzte At the Gates auch für zu gemächlich haltet, nun, Carnal Forge sind wahrlich "Reforged".


Bewertung 4,5/5


Rezension von Kim

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