Carnival Row


Wenngleich kein Steampunk Titel, möchte ich euch “Carnival Row” dennoch als themenverwandte Serie vorstellen. Seit dem 30. August könnt ihr Orlando Bloom und Cara Delevingne als Rycroft “Philo” Philostrate und Vignette Stonemoss auf dem Bildschirm erleben, die deutsche Synchronisation liefert Amazon Prime erst ab dem 22. November.

In einem viktorianischen Setting fliehen Fabelwesen vor den Menschen, die sie aus ihrer Heimat vertreiben. In der Stadt “Burgue” finden viele dieser Wesen Zuflucht, sehen sich aber zunehmend Oppression und Diskriminierung ausgesetzt und müssen sich mit gering bezahlter oder als unmoralisch angesehener Arbeit zufrieden geben, ohne Chance auf einen sozialen Aufstieg. Die Serie beginnt mit einer Fluchtszene, aus der Fee Vignette nur knapp entkommen kann, um sich kurz darauf in der Position als Hausmädchen für die Familie Spurnrose wiederzufinden. Ihr Geliebter Philo ist nicht so tot wie angenommen, er hat es inzwischen zum Inspektor in The Burgue geschafft. Über 8 Folgen versucht Vignette nun, ihr Verhältnis zu Philo zu klären und eine bessere Anstellung und einen Platz in der Gesellschaft zu finden. Gleichzeitig sehen sich Imogen und Ezra Spurnrose dem Getratsche der feinen Gesellschaft ausgesetzt, da sie nicht nur ihr Vermögen verloren haben, sondern sich auch mit dem Faun einlassen müssen, der es als eines der wenigen Fabelwesen zu Geld geschafft hat und nun Zugang zur Aristokratie sucht. Zusätzlich befindet sich die Stadt im Zentrum eines politischen Machtkampfes, hauptsächlich ausgetragen zwischen den Familien Breakspear und Longerbane.

Thematisch bietet die Serie viel Potential für Story- und Charakterentwicklung und zeigt sich auch heute noch aktuell. Die Ausgrenzung der “Andersartigen” ist seit jeher ein gesellschaftliches Konfliktthema und wird auch in Carnival Row aufgegriffen und verarbeitet. Hass aus Angst vor dem Unbekannten, Radikalisierung auf allen Seiten. Feen, Faune und andere Fabelwesen suchen Schutz in der Gesellschaft der Menschen, stoßen hier aber auf Ablehnung und Verfolgung. Gruppen werden gegeneinander ausgespielt, religiöse Fanatiker greifen die Schwachen und Hilflosen ab, die Stimmung spannt sich immer weiter an und in der letzten Folge lässt uns die Serie mit einem Gefühl der Unruhe und Beklemmung zurück.

Leider ist damit aber auch schon alles gesagt, was positiv über diese Serie ist. Das düstere und kalte Setting hat durchaus einige spannende Elemente. Vielfach fällt das Kostüm- und Setdesign aber flach. Die Fabelwesen sind weder originell noch detailliert ausgearbeitet, nur den Hauptcharakteren wird noch ein wenig Individualität auf den Leib geschneidert. Die politischen Umwürfe fallen schnippischen Kommentaren, sinnlosen und unbeholfenen Zurschaustellungen von Macht und einem nur oberflächlichen romantischen Subplot zum Opfer. Und darin findet sich schon die Krux der Sache: das Potential für tiefgehende Handlungsstränge ist da, Konflikte und Intrigen könnten ausreichend Halt finden in den gesellschaftlichen Strukturen. Leider geht Carnival Row aber nicht den nächsten Schritt. Charaktere und ihre Verbindungen, Gefühle und Hintergründe werden nur an der Oberfläche entwickelt. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Wesen und die daraus entstehenden Widrigkeiten finden kaum Beachtung über ein generelles Ausgrenzen aufgrund der Zugehörigkeit zu einer anderen Spezies. Die Szenen wirken oft gehetzt, es findet sich keine richtige Struktur in der Erzählung, das Pacing wirkt unausgeglichen und es fällt schwer, in die Story reinzukommen und über die Dauer einer Episode nicht die Aufmerksamkeit zu verlieren.

Kann ich eine Empfehlung aussprechen? Jein! Als kurzweilige Unterhaltung und zum nebenbei mal Anschauen reicht es. Das viktorianische Setting findet sicher auch Liebhaber. Aber wer die Spannung von Ripper Street, die Magie von Herr der Ringe oder vielleicht sogar politische Intrigen a la Game of Thrones erwartet, könnte von Carnival Row enttäuscht werden. Mehr als oberflächliche Charakterentwicklung, mediokre Schauspielleistungen und einer flachfallenden Storyline gefüllt mit Plotholes gibt es nicht zu sehen.

Zum Abschluss noch ein kleiner Rant über ein persönliches Pet Peeve. Rycroft Philostrate und Vignette Stonemoss... Gary Stu und Mary Sue lassen grüßen und hätten gerne ihre Namen zurück. Ernsthaft, wer hat gedacht “Vignette, na das ist mal ein bomben Name für ne Fee”. Ich denke da immer nur an Autoplaketten und das hilft in keinster Weise, ihren ohnehin schon flachen Charakter über den Appeal einer solchen Plakette herauszuheben. Jetzt aber mal zu den Charakteren selbst. Obwohl sie ihr gegenseitiger Love Interest sind und zudem die Hauptfiguren der Serie, haben sie so gar keine Chemie. Während ich Orlando Bloom in seinem unbeholfenen Herumgetappsel seine Rolle noch mit nem zugedrückten Auge und viel Fantasie abkaufen kann, stakst Cara Delevingne wie eine Marionette durch die Story. Monotone Stimme, ein leerer Blick, immer der gleiche Ausdruck im Gesicht. Die Schauspielkünste aller Darsteller bleiben weit hinter dem zurück, was die Geschichte gebraucht hätte, aber bei Philo und dem Plakettchen wird dies besonders schmerzhaft klar. Romantische Szenen werden zu einem Fest des Fremdschämens und ich muss gestehen, ich habe in ihren gesamten Interaktionen mehrfach pausieren müssen, um der gähnenden Langeweile zu entkommen. Nichtstun war da noch spannender. Ich kaufe ihnen ihre Beziehung zu keinem Zeitpunkt ab, zu viel, zu schnell, zu unausgearbeitet. Da ist keine Spannung und das Potential für Konflikt, welches in den ersten Episoden immer wieder aufkeimt, findet keinen Halt und verwässert im honigsüßen Gesäusel der schicksalsgebeutelten Turteltäubchen.


Bewertung 2,5/5

Rezension von Alex