Metro Exodus


Das Metro-Universum, begründet von Dmitry Glukhovsky, gehört bis zum heutigen Tag zu meinen Favoriten. Da konnte ich mir die Spiele natürlich nicht entgehen lassen. Nach "2033" und "Last Light" ist nun mit "Exodus" der dritte Teil erschienen.


Wir beginnen die Reise mit einem kurzen Rückblick, nicht nur auf die vergangenen zwei Spiele, sondern auch auf die letzten 23 Jahre seit dem Ende des Krieges an der Oberfläche. Inszeniert ist dies als Fahrt in der immer mehr verkommenden Straßenbahn, durch deren Fenster wir kurze Einblicke in die Vergangenheit zusammen mit einer Erklärung durch den Erzähler erhalten. Diese Anfangssequenz spannt einen Bogen zu Artyoms Anfängen in der Metro und ist auch für alle eine hilfreiche Zusammenfassung, die die ersten zwei Spiele bisher nicht gespielt haben (Schande über dich! Schande über deine Familie... Schande über deine Kuh...! Ernsthaft, ein Blick in die Vorgänger lohnt sich.)


2036 findet das Leben in Moskau immer noch in der Metro statt. Artyom, wie gewohnt der schweigsame Held der Geschichte, hat inzwischen in Anna nicht nur eine treue, wenn auch durch ihr ständiges Rumgebabbel nervige, Begleiterin sondern auch eine Ehefrau gefunden. Hätte für mich nicht sein müssen... für den geneigten Bücherleser ist dieser Teil der Geschichte aber nicht neu.

Artyom, Anna und die Spartan Rangers zieht es jetzt aber an die Oberfläche, nachdem bekannt wurde, dass die Moskowiter nicht die letzten Überlebenden des Atomkrieges sind. Auf der alten Dampflokomotive "Aurora" begeben sie sich auf eine Reise durch das zerstörte Russland, auf der Flucht vor Hansa und auf der Suche nach weiteren Überlebenden und einem neuen Zuhause. Artyom versteht und spielt sich als Produkt seiner Gesellschaft, kalt wie der russische Winter und scheinbar unbewegt vom Leid, das ihn umgibt. Getrieben vom Verlangen nach einem anderen Leben, für diesen Traum setzt er alles aufs Spiel. Die Unerbittlichkeit der post-apokalyptischen Welt setzt ihm zusehends zu. Enttäuschte Erwartungen und Vertrauensbrüche haben ihn (und uns) misstrauisch werden lassen.


Exodus bietet eine eingeschränkt offene Welt und das bringt eine ganz neue Dynamik in das Spielerleben der Metro-Reihe. Die Beklemmung des Untergrundes fehlt manchmal, aber die Weiten der neuen Welt geben dem Spiel auch Raum zum Atmen. Manchmal etwas zu viel Raum, der Himmel scheint uns zeitweise sprichwörtlich auf den Kopf zu fallen, Orientierungslosigkeit, fehlende Wegbeschreibungen zur nächsten Aufgabe und dass wir jetzt nicht mehr ständig eine Wand im Rücken haben lassen schnell mal das Gefühl aufkommen, beobachtet und verfolgt zu werden und auf uns allein gestellt zu sein. Ab und an macht sich eine gewisse Platzangst breit, die wohl auch die Protagonisten überfallen dürfte, denn die haben immerhin mehr als 20 Jahre hauptsächlich unter Tage gelebt. Ganz müssen wir aber nicht auf das Erlebnis der ersten zwei Spiele verzichten, denn immer wieder führt uns ein Quest in den Untergrund und durch Tunnelsysteme.


Eine neue Erfahrung sind die dynamischen Lichtverhältnisse, denn Tag und Nacht spielen an der Oberfläche eine bedeutsame Rolle. Nicht zu vergessen: auch das Wetter beeinflusst unser Verhalten und begünstigt oder erschwert die Vollendung unserer Missionen. Dunkelheit, Schneestürme und Nebel schränken die Sichtbarkeit ein und Regen dämpft Geräusche, dies gilt nicht nur für uns, sondern auch für unsere Feinde.


In den einzelnen Spielabschnitten bewegen wir uns durch unterschiedliche Jahreszeiten und Zonen, deren menschliche und tierische Bewohner so einzigartig sind wie die Region selbst. Alles wirkt in Feinstarbeit handgefertigt, voller Details und untermalt mit einer gespenstischen Atmosphäre.

Die NPCs, denen wir begegnen, reagieren lebensecht und situationsangepasst. Wer mit gezogener Waffe in eine Siedlung reinrennt, erntet selbstverständlich Misstrauen. Lassen wir Gnade walten, ist man uns freundlicher gestimmt und es kann auch vorkommen, dass Gegner nach einem intensiven Kampf vor uns kapitulieren. Lichtquellen und ungewöhnliche Geräusche werden genauer untersucht und wer Gefallen in Form von Sidequests erfüllt, gewinnt Freundschaften und interessante Einblicke in die Welt der anderen Charaktere. Unsere Aktionen haben Einfluss auf die Menschen um uns herum und das gestattet es uns als Spieler, aktiv an der Geschichte teilzunehmen und unser Spiel zu planen und zu gestalten.

Das HUD ist wie immer minimal, nur durch einige wenige Messgeräte am Handgelenk bekommen wir Hinweise auf Artyoms Zustand. Wenn wir also vergessen, auf unser Umfeld zu achten, stehen wir schnell ohne Taschenlampe im Dunkeln, eine Ladehemmung lässt uns als Mutantenfutter enden oder wir sind der Strahlung radioaktiver Substanzen ausgesetzt.

Der neu dazugekommene Rucksack und die verbesserte Karte sind ein echter Segen. Wir können Kleinigkeiten wie Medkits und Munition on the go herstellen, Komponenten sammeln und unsere Gasmaske (wenn auch mehr schlecht als recht) mit einem Streifen Panzertape reparieren. Das reicht aus, um uns aus der Gefahrenzone und zurück zur Aurora oder zu einem der anderen Safepoints zu bringen, wo die größeren Reparaturen und Modifikationen an Waffen und Ausrüstung vorgenommen werden können.

Es gibt auch immer wieder kleine Zwischensequenzen, in denen wir mehr über unsere Kameraden erfahren und ein paar Momente der Ruhe und Ausgelassenheit erleben, bevor wir uns in das nächste Abenteuer begeben.


Die deutsche und englische Synchronisation ist wie immer professionell, wenngleich im Englischen der semi-gewollt-gekonnte russische Akzent gewöhnungsbedürftig ist, die Abwesenheit eines Akzents im Deutschen aber auch auffällt. Ich bevorzuge weiterhin die Variante "Russisch mit englischen Untertiteln". Immersion ist aber auf die eine wie die andere Art garantiert.

Problemfrei ist Exodus nicht. Input Lag, lange Ladezeiten, unsichtbare Wände, eine weitaus größere Linearität in der Story als man sich von einem Open World Titel verspricht, das eine oder andere Level wirkt etwas zusammengewürfelt und willkürlich. Darüber hinaus ist zu bemängeln, dass "Exodus" nicht wie erwartet und angekündigt auf Steam veröffentlicht wurde, sondern nur im Epic Games Store. Für Konsolenzocker ist das Spiel wie gewohnt erhältlich.


Aller Kritik zum Trotz erwartet uns ein solides Gameplay, das die Erwartungen an die angekündigten DLCs ordentlich hochhält. Die Geschichte hat Substanz, das Artwork ist fantastisch und das Gegnerdesign hat seit dem letzten Spiel noch mal einen großen Sprung nach vorne gemacht. Für mich ist "Exodus" eine konsequente Weiterentwicklung der Geschichte der vorangegangenen Spiele.


Religiöse Fanatiker, russische Nazis, Mutanten, soweit im Osten nichts Neues!


Bewertung: 5/5

Rezension von Alex

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