Resident Evil 2 Remake

21 Jahre nach dem Release von Resident Evil 2 begeben wir uns mit dem Remake wieder nach Raccoon City.


Wer sich noch erinnern kann, damals haben wir uns mit Polizei-Rookie Leon S. Kennedy und Claire Redfield durch die zombie-verseuchte Stadt gekämpft, auf der Suche nach dem G-Virus und einem Weg raus aus dem Chaos. Viel Blut, viele Male gestorben, Marvin Branagh, Ada Wong und ein Wiedersehen mit den Birkins, mehr oder weniger komplizierte Puzzle unter Zeitdruck und mit Zombies im Nacken, wir sammeln bunte Pflanzen zum Heilen und haben ein Inventar, dessen Kapazitäten zum Haareraufen sind! (Als ich die Übersetzung von inventory management nachgeschlagen habe, kam Bestandsverwaltung dabei raus. Ich bin zwar Jurist, aber das klingt echt bescheuert. Also bleibts bei inventory management!) Wir können zwischen zwei Charakteren und zwei Erzählsträngen wählen: Leon oder Claire, A oder B. Simpel, aber es ermöglicht einem, die Story von mehr als nur einer Perspektive aus zu erleben.

So viel hat sich im Remake schon mal nicht geändert. Die Treue zum Original ist spürbar und an vielen Stellen fühlt man sich doch in seine alten RE-Tage zurückversetzt.

Also fangen wir doch mal an, Schwierigkeitsgrad Hardcore: Damals wie heute starte ich mit Leon A. Er hat immer noch seine Pottfrisur, aber das lässt sich durch das Noir-Outfit zum Glück verändern. Dieses ebenso wie die anderen Outfits sind inzwischen an ein kostenpflichtiges DLC gebunden und können leider nicht mehr wie im Original durch einen Schlüssel freigeschaltet werden.

Signifikant sind natürlich die verbesserte Grafik und die Kameraführung. Dem einen gefällts, der andere ist vielleicht eher Nostalgiker. Mir sagt das neue Gewand eindeutig zu. Endlich keine stationäre Kamera mehr, das neue Modell macht den Spielfluss doch um einiges realer und angenehmer. Und ich finde es gut, dass sie trotz der Liebe zum Original nicht diese „schwarzer Screen mit sich öffnender Tür“ Mechanik mit reingenommen haben, inzwischen laufen wir einfach gegen die Tür, sie schwingt auf und wir gehen ohne Loading Screen in den nächsten Raum. Hat mich damals genervt…

In der Polizeistation erwartet mich das altbekannte klaustrophobische Ambiente. Oftmals gefangen zwischen Wand und 5 Zombies muss ich mir genau überlegen, wie viel Munition ich verballern will. Denn allzu viel gibt es davon nicht. Andererseits bin ich im Hardcore Modus darauf angewiesen, Farbbänder zu finden, um meinen Fortschritt zu speichern, und wenn das schon eine Weile her ist, könnte sich das Backtracking als ein zeitaufwändiges und frustrierendes Unterfangen herausstellen. Was also tun?

Spätestens als T-00, auch Mr. X genannt, auftaucht und mich erbarmungslos durch das gesamte Setting verfolgt, ohne auch nur ein Quäntchen Leben einzubüßen, arbeitet auch mein Überlebensinstinkt auf Hochtouren. Das stetig näher kommende Donnern seiner Schritte sitzt mir im Nacken und still und heimlich (oder auch nicht ganz so still) verfluche ich jeden einzelnen Zombie, den ich aus Gründen der Munitions-Ersparnis bisher nicht getötet habe und der mir bei meinen Ausweichmanövern jetzt gerne mal zum Verhängnis wird.

Nach einem nervenaufreibenden Parcours durch die Polizeistation und die Kanalisation komme ich irgendwann in NEST, dem Untergrund-Labor von Umbrella, an. Virus stehlen, Ada Wong konfrontieren, mit William Birkin zusammenstoßen, und nach einem finalen Kampf mit T-00 inklusive Raketenwerfer-Einsatz sitze ich endlich im Zug in die Freiheit!

Das Ganze jetzt also noch Mal in Grün… oder vielmehr mit Claire. Claire B zeigt die Ereignisse etwas verändert. Mir ist nicht immer klar, ob Leon jetzt vor mir ist oder hinter mir, jedenfalls bekommen wir einander nur selten zu sehen. Aber auch Claire muss sich durch die Polizeistation kämpfen und findet in Sherry eine treue Wegbegleiterin. Von Mr. X verfolgt begibt sich auch Claire in den Untergrund, um kurz darauf mit Annette Birkin und ihrem liebenswerten Gatten William konfrontiert zu werden.


Sich selbst retten, Sherry retten, sich selbst retten und schon wieder Sherry retten, es scheint kein Ende zu nehmen. Aber zum Glück ist Sherry keiner der Charaktere, die selbst nichts auf die Reihe bekommen. Sie ist nur wenig nützlich, aber kein bisschen hinderlich, ist doch besser als anders herum.

Der Endgegner ist dieses Mal der mutierte William Birkin, dem ich aber nach einem langen Kampf auf einer nach unten rasenden Plattform den Rest gebe. Na zumindest beinahe… Denn sobald Claire und Sherry im Zug mit Leon zusammentreffen, setzt sich Birkin am Abteil fest und in einem finalen Shootout muss ich alles geben, um die wabernde Masse aus Fleisch, Augen und Klauen zurückzuhalten. Gelingt das, lasse ich die explodierende Welt von Umbrella endlich hinter mir und laufe (hach, wie putzig) in den Sonnenuntergang… oder ist das ein Aufgang? Ist ja auch egal, game over, ich hab’s geschafft!


Im Großen und Ganzen lässt sich also sagen, gutes Spiel, gerne noch einmal!

Die wirklichen Schockmomente sind eher selten, der Horror ergibt sich eher aus der Unerbittlichkeit und Beklemmung des Settings, denn mal ganz ehrlich: Zombies sind wir doch inzwischen gewohnt. Nichtsdestotrotz ein gelungenes Spiel, mit einer guten Balance zwischen Ekel, Gore und Verzweiflung. Mit etwas Planung, ruhigen Nerven und einem kühlen Kopf lässt sich Resident Evil 2 auch im Hardcore Modus locker schaffen.

Wer jetzt noch nicht genug vom Spiel hat, kann den „4th Survivor“ Modus angehen. Hier folgen wir HUNK, dem überlebenden Leader des Alpha Teams, durch das gleiche Labyrinth, durch das auch schon unsere Protagonisten im Hauptspiel entkommen mussten. Zu wenig Munition um alles zu töten, was sich uns in den Weg stellt, müssen wir uns nach draußen kämpfen und im Zweifelsfalls die Beine in die Hand nehmen.

Habt ihr immer noch nicht genug? Dann das Ganze noch mal mit Tofu! Nur noch mit Messern bewaffnet rennen wir dieselbe Strecke wie HUNK, während vegane Zombies versuchen, uns zu vernaschen… Und die ganze Zeit dröhnt Speed Metal aus den Lautsprechern. Klingt lustig, ist es auch!


Bewertung: 4,5/5

Rezension von Alex

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