Sonata Arctica im Interview

Der 30. 03.2019 war ein Tag an den ich sehr hohe Erwartungen setzte. Eine meiner Lieblingsbands spielte endlich in Deutschland, in NRW, und ich durfte sie nicht nur sehen, sondern auch mit ihnen sprechen. Wie so oft wurde ich von meinem Co-Redakteur Alex begleitet. Nachdem wir feststellten, dass Bochum verdammt viele Kirchen hatte und wir doch spezifischer suchen mussten als: “Da, über den Häusern sehe ich ein Kreuz auf einem Turm!“, fanden wir doch die Christuskirche auf dem Platz des europäischen Versprechens.

Interview mit Elias (Bild links) und Pasi (Bild rechts)

Navigator: Dies ist Eure erste Akustiktour. Nach 23 Jahren auf der Bühne macht Ihr nun die erste Akustiktour, warum jetzt?

Elias: Oh, wir hatten schon Akustiktourneen aber nicht außerhalb von Finnland. Zudem haben wir immer mal wieder Akustikparts in unsere Shows eingebaut, zum Beispiel auch auf der letzten Live DVD. Die finnische Akustiktour war jedoch der Vorreiter für diese Aktustiktour. Die Idee entstand dort, auch eine große Akustiktour zu machen.

Navigator: Hat Euch die Akustiktour in Finnland denn viel Spaß gemacht.

Pasi: Ja, es war großartig!

 

Navigator: Heute Abend spielt Ihr in einer Kirche. Wie fühlt sich das an für Euch? Habt Ihr schon einmal in einer Kirche gespielt?

Beide: Nein, niemals.

Elias: Das wird spannend.

 

Navigator: Warum habt ihr Euch dafür entschieden die Geschichte von „White Pearls/Black Oceans“ auf dem letzten Album mit „White Pearls/Black Oceans Part II“ zu beenden und das nach so vielen Jahren?

Elias: Das wäre eigentlich eher eine Frage für Tony aber ich versuche sie dennoch zu beantworten. Tony wollte einfach diese Geschichte abschließen. Er wollte seiner Geschichte noch ein positives Ende geben, damit von den Songs auch gute Gefühle ausgehen und es nicht immer unter dieser tragischen Aura bleibt.

 

Navigator: Habt Ihr mal daran gedacht die Geschichte von „White Pearls/Black Oceans“ in einem Kurzfilm oder einem Musikvideo zu verfilmen?

Elias: Klar, wenn wir das Geld hätten….

Pasi: Ja, daran scheitert so ein großes Projekt leider, zumindest zurzeit. Ich meine, in einer perfekten Welt wäre es eine wundervolle Idee das zu machen……aber.

Navigator: Also müssen wir warten oder Spenden sammeln?

Elias: Das wäre eine hervorragende Idee.

 

Navigator: Der Song „End of this Chapter“ erzählt die Geschichte eines Stalkers aus der Sichtweise des Stalkers. Wie kamt Ihr darauf die Perspektive vom Stalker aus als Erzählperspektive zu wählen?

 

Pasi: Oh, das wäre schon wieder eine gute Frage für Tony…Der erste Teil war auf dem zweiten Album meine ich. Tony hat diese Geschichte des Stalkers einfach weitergesponnen. Wir wissen nicht ob es seine Absicht war oder eher ein günstiger Zufall aber ich glaube er wollte einfach auch herausstellen, dass es auch andere Sichtweisen auf eine Tat gibt.

Elias: Der Gedanke gefällt mir sehr. Tony wollte wahrscheinlich zeigen, dass es manchmal ein kleiner Schritt ist von einer anderen Art der Liebesbekundung zu Wahnsinn zu gelangen und die Übergänge fließend sind.

 

Navigator: Auf der Live DVD „For the Sake of Revenge – live in Japan“ sieht man, im Bonusmaterial, dass Ihr sehr hart gefeiert habt. Ist es heute auch noch so? Oh, ich glaube aber, ihr wart beide nicht dabei oder?

Beide: Nein!

Pasi: Aber ich kenne die DVD.

Elias: Natürlich bedeutet eine Tour auch immer, dass alles Mögliche passieren kann, jedoch sind wir heute alle ein wenig älter (lacht). Das Bonusmaterial zeigt nun wirklich auch Szenen einer noch recht jungen Band, die auch noch nicht weiß oder einschätzen kann, was auf so eine DVD drauf kann…..es war wirklich ziemlich wild!

 

Navigator: Stimmt! Ich habe aber auch herzlich gelacht.

 

Elias: Natürlich war es auch lustig….für einige zumindest.

 

Navigator: Jetzt seid ihr also etwas ruhiger?

 

Pasi lacht

 

Elias: Doch, doch! Wir sind jetzt ruhiger, etwas gesetzter und erwachsener!

 

Navigator: Als Tony für die Northern Kings gesungen hat, konnte man im Booklet die Bezeichnung „King of memorable melodies“ lesen.  Warum liebst du Melodien die ins Ohr gehen?

 

Elias: Das ist tatsächlich sein Ding. Er liebt Musik die in Ohr geht und da bleibt. Er arbeitet auch sehr hart daran um die Meldodien „catchy“ zu machen. Da ist er ein richtiger Perfektionist.

 

Navigator: Ich stelle es mir sehr schwierig vor, immer neue Melodien zu schreiben, die sich nicht ähnlich anhören und dann auch noch so viele.

 

Pasi: Das ist sein Talent. Er ist einfach gesegnet mit dieser musikalischen Kreativität.

 

Navigator: Gibt es bald etwas Neues von Euch?

 

Elias: Ja, gibt es.

 

Pasi: Wir kommen von dieser Tour zurück und es geht sofort ins Studio. Die Aufnahmen sind schon fast fertig.

 

Navigator: Habt ihr schon ein spezielles Thema?

Elias: Nein, noch sind wir uns nicht sicher. Tony ist sich auch noch nicht sicher. Er ist noch nicht mit den Vocals und Texten fertig.

 

Navigator: Oh, dann kann er Songs sehr schnell schreiben?

 

Elias: Er kann es, er hat es in der Vergangenheit auch schon ein paar Mal unter Zeitdruck geschafft aber er mag es nicht. Er hat lieber mehr Zeit um kreativ zu arbeiten. Ihm fällt zudem das Komponieren leichter als die Texte, die machen ihm mehr Schwierigkeiten.

 

Pasi: Er ist da auch ein absoluter Perfektionist.

 

Elias: Er will halt eine Geschichte erzählen, das ist ihm wichtig. Seine Inspiration erhält er aus Büchern. Er kann sehr schnell Bücher lesen aber wenn er dafür keine Zeit hat, fällt ihm auch das Songwriting sehr schwer. Dennoch kann er wahnsinnig schnell Lyrics schreiben. Viel schneller als jemand von uns.

 

Navigator: Wie sehen Eure Pläne für 2019 aus?

Elias: Wir haben einige Festivals im Sommer auf denen wir spielen. Dann kommt das Album, wahrscheinlich im September. Zumindest in Finnland und Kanada. Nächstes Jahr werden wir wahrscheinlich auch touren, eventuell die USA oder Asien, aber noch steht Nichts fest.

Navigator: Wenn ihr Euch heute aussuchen könntet was, in einer hoffentlich weit entfernten Zukunft einmal auf Eurem Grabstein stehen soll, was würdet Ihr draufschreiben?

Elias: Vielleicht aus dem Spinal Tap Film: Why not? Oder „Bewahren Sie Ruhe und folgen Sie den Anweisungen des Personals“

Navigator: Vielen Dank für Eure Zeit!

Nach dem Interview mit Elias und Pasi gingen wir erstmal etwas Essen. Ich musste noch die Fußballgruppe aus der Regionalbahn verarbeiten, die sich unglaublich daneben benommen hatte und Geräusche/Gerüche produzierte die weit über die Bezeichnung Belästigung hinausgingen.

Danach war ich bereit für Sonata. Die Location war großartig. Ich entschied mich für einen Platz auf der Empore. Die Vorband Witherfell spielte auch rein akustisch und eröffnete damit den Abend in der ausverkauften Christuskirche. Ich war ein wenig überrascht, dass der Sound irgendwie merkwürdig klang. Ich schloss daraus, dass die Band wohl nicht meinem Geschmack entsprach.

Mitten in der Performance von Witherfell kam plötzlich Sänger Tony Kakko aus dem Backstagebereich mit schreiend buntem Shirt und einer elektrischen Zahnbürste im Mund. Verwirrt sah er sich den Auftritt an, drehte sich dann zum Publikum und erschrak sichtlich. Ich habe Tonys komische Einlagen bereits bei diversen Liveaufnahmen kennengelernt und liebe sie. Den genauen Sinn dahinter verstehe ich nicht. Vielleicht ist es Ausdruck von Tonys Persönlichkeit oder er will einfach Menschen zum Lachen bringen. Das hat er mit dieser Aktion auch dieses Mal wieder geschafft.

Nun war es endlich soweit! Ich feierte meine Lieblingsband und sang jeden einzelnen Song mit. Jedoch fiel mir auch hier ein merkwürdiger Sound auf. Ich legte meine Kamera beiseite und stellte mich direkt unter einen Lautsprecher. Es war nicht die Band! Auf der Empore wurde der Schall aus den Lautsprechern direkt von den Wänden zurück geworfen. Obwohl ich sehr gut Englisch spreche und Tony auch, verstand ich kein Wort. Die Wörter überschlugen sich und hallten ineinander. Ich stellte mich wieder direkt unter den Lautsprecher auf der Empore. Ich meine sogar einige Sekunden Zeitverzögerung zu gehört zu haben, jedoch kann das auch im zurückgeworfenen Teil begründet gewesen sein.

Das war wirklich sehr ärgerlich. Ich konnte es dadurch ausgleichen, dass ich in meinem Kopf alle Songs mitsang und mich der Hall dadurch kaum noch störte. Leider verstand ich aber kaum etwas wenn einer aus der Band ins Mikro sprach.

Ich fand es jedoch faszinierend, dass die temporeichen Stücke wie, „Fullmoon“ oder „Wolf and Raven“ selbst in der Akustikversion noch so viel Power und Tempo hatten, dass das Publikum aufstand und jubelte. Am Ende warf Hendryk seinen Cowboyhut ins Publikum. Ich fragte mich, ob er das jedes Mal macht und wenn ja, wie viele Hüte der Mann wohl hat.

Ich muss mir Sonata auf jeden Fall nochmal ansehen, aber diesmal achte ich besser auf meinen Platz! Auf Konzerten gilt anscheinend auch Location! Location! Location!

Auf dem Heimweg teilten wir uns den Zug mit den Fans die vom Manowar Konzert kamen. Diese waren soooo viel angenehmer als die Fußballgruppe vom Nachmittag und die gegrölten Songs waren auch um ein Vielfaches besser.

Bericht und Interview von Brina