Steampunkjahrmarkt 2019

Bereits zum 5. Mal öffnete der Steampunk Jahrmarkt im Rahmen des Historischen Jahrmarktes in Bochum seine Pforten. Ich war dabei und möchte euch jetzt von meiner Zeitreise berichten.

 

Mit passender Gewandung und Lichtbildapparat sowie Zeitreisepass im Gepäck mache ich mich auf den Weg.

Die Erreichbarkeit der Jahrhunderthalle vom Bochumer Hbf ist sehr gut: nur zwei Stationen mit der Straßenbahn, dann 10 Minuten laufen und schon ist man am Ziel.

Ich mische mich also unter das gemeine Volk und lasse mich auf das Veranstaltungsgelände zutreiben. Der Mittag ist sonnig und so ist auch meine Stimmung. Schon von Weitem ist die Jahrmarktmusik zu vernehmen, die die Besucher auf dem Vorplatz empfängt und schon einmal einstimmt auf das Spektakel.

In der Jahrhunderthalle selbst erwartet uns als Besucher ein Sammelsurium an historischen Fahrgeschäften, Verkaufsständen und Imbissbuden für den kleinen oder großen Hunger.

Zunächst aber mache ich mich auf zum Amt für Aetherangelegenheiten, um meine Zeitreise per Temporalmarke genehmigen zu lassen. Ist das geschehen, kann ich mich endlich dem Zweck meiner Reise widmen.

 

Zunächst lasse ich meinen Lichtbildapparat in der Tasche und wandere von einem Ende der Halle zum anderen. Der industrielle Charme der Jahrhunderthalle fügt sich hervorragend in das Ambiente und bietet einen passenden Hintergrund für den Jahrmarkt.

Attraktionen bietet der Jahrmarkt zur Genüge. So nutze ich die Gelegenheit, die Reise ins Paradies aus dem Jahre 1939 zu testen. Begleitet vom Swing der Zeit rauschen wir in den liebevoll bemalten Wagen hoch und runter, schneller und schneller, bis wir wieder auf dem Jahrmarkt zum Stehen kommen. Das Gefährt ist nicht nur attraktiv gestaltet und gut in Schuss gehalten, sondern bietet auch einen spannenden Einblick in die Mechanik, die heute immer noch genau so gut funktioniert wie vor 80 Jahren.

Dann geht es weiter, vorbei an dem Fotostudio von 1900 in die Mitte der Halle. Hier dreht sich alles im wahrsten Sinne des Wortes. So gibt es ein Karussell, welches seit mehr als 100 Jahren seine Runden dreht und damals wie heute die Besucher in seinen Bann zieht. Wer höher hinaus möchte, setzt sich dann doch lieber ins Riesenrad und für die, die das Gefühl des Fliegens suchen, steht das Kettenkarussell bereit. Was diese Gefährte so attraktiv macht, ist neben der Instandhaltung und der detailverliebten aufgemalten Szenerien vor allem die Einfachheit, mit der gearbeitet wird. Keine bunten blinkenden Lichter, keine laute Chartsmusik, die aus Lautsprechern dröhnt.

 

Nachdem ich mir noch eine Fahrt auf dem Kettenkarussell und einen Besuch im Flohzirkus gegönnt habe, kümmere ich mich nun um das kulinarische Angebot des Jahrmarktes. Neben Pommes und Currywurst werden auch Lebkuchenherzen, Zuckerwatte und allerlei weitere Leckereien angeboten, die auch auf jeder anderen Kirmes zu finden sind.

Wen ihr aber wohl nicht überall finden werdet, das sind die Leute vom Remedy Spiced Rum. In ihrem Apotheken-Ständchen bieten sie eine Gaumenfreude für Erwachsene, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Seit 1922 gibt es diese Mischung aus verschiedenen Rumsorten versetzt mit Vanille, Orangenschale und Zimt. Pur oder in Kombination mit weiteren Zutaten hat der Spiced Rum jetzt seinen Weg in die Jahrhunderthalle gefunden. Meinen Geschmack hat das Getränk auf jeden Fall getroffen!

 

Zum Schluss nehme ich mir noch etwas Zeit für die Anfertigung von Lichtbildern für euer visuelles Vergnügen. Auch dieses Jahr tummeln sich wieder Steampunks und Fotografen, aber das Verhältnis ist nach meiner Einschätzung relativ ausgeglichen. Selbstverständlich kommt man um das eine oder andere Rudelknipsen nicht drum herum, damit ist wohl auf Veranstaltungen wie dieser zu rechnen. Aber mit der richtigen Fotoetikette lässt sich auch dies bewerkstelligen. Und neben den wunderbaren Menschen in ihren aufwändigen Gewändern, die uns Fotovölkchen großzügigerweise die Ablichtung ihrer Person gestattet haben, gibt es ja auch noch den gesamten Rest des Jahrmarktes, der durchaus das eine oder andere Lichtbild rechtfertigt. Die angebotenen Waren sind durchaus einen Blick wert, denn hier findet man noch die Kuriositäten, die für mich den Charme der Steampunk-Szene ausmachen. Manchmal etwas morbide, oft mit Handarbeit und Liebe gestaltet, und ab und zu schleicht sich ein rosa Plüschtelefon ins Blickfeld...

 

Leider lässt sich der Eindruck nicht abschütteln, dass auch auf dieser Veranstaltung der Fokus immer mehr zu einer Kommerzialisierung des Steampunk wandert. Dennoch ist es immer noch recht einfach, am Jahrmarkt selbst Vergnügen zu finden und ich habe meine Zeit durchaus genossen. Vom angekündigten Programm habe ich zu meinem Bedauern nicht viel mitbekommen, lediglich die Begrüßung mit Begleitung durch die Bagpipe Company kann ich noch mitnehmen, bevor ich mich für dieses Jahr vom Jahrmarkt verabschieden muss und mich auf den Weg nach Hause mache.

 

Der Eintrittspreis von 20€ VVK/24€ AK ist sicher für den einen oder die andere etwas hoch angesetzt. Im Preis inbegriffen ist die Nutzung jeglicher Fahrgeschäfte und Attraktionen. Für die Verpflegung sowie den Kauf von Souvenirs, Bekleidung und Accessoires sollte man sich aber noch etwas Geld einstecken.

Bericht und Bilder Alex